Nach dem Anschlag auf Skripal - Theresa May
Wer trägt Schuld im mysteriösen Fall von Salisbury? Bildrechte: dpa

Giftanschlag Was bisher über den Fall Skripal bekannt ist

Der 66-jährige Ex-Spion Skripal und seine 33-jährige Tochter sind Anfang des Monats im südenglischen Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einer Klinik um ihr Leben. Nach britischen Angaben soll Russland die beiden vergiftet haben. 23 russische Diplomaten wurden deshalb aus dem Land verwiesen. Doch wie sieht es mit den Fakten aus. War Russland schuld?

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Nach dem Anschlag auf Skripal - Theresa May
Wer trägt Schuld im mysteriösen Fall von Salisbury? Bildrechte: dpa

Deutschland, Frankreich, die USA und Großbritannien bescheinigten in einer gemeinsamen Erklärung eine "hohe Wahrscheinlichkeit", dass Russland hinter dem Giftanschlag stecke. Statt Fakten gibt es nur Indizien, die für eine Tätersuche Hinweise liefern könnten.

Punkt 1: Der Anschlag wurde mit dem Nervengift Nowitschok verübt

Das ist eine Aussage, die direkt von der britischen Regierung kommt. Unabhängige Analysen, um welches Gift es sich handelt, gibt es bislang nicht. Fakt dagegen ist: Das genannte Gift Nowitschok ist nach Angaben von Wissenschaftlern schwer nachweisbar. Vor seinem Einsatz bestehe es aus zwei Stoffen, von denen jeder ungiftig sei. Erst wenn beide Stoffe zusammengebracht würden, entstehe das tödlichste bekannte Nervengift überhaupt. Es trete über die Atmung oder über Hautkontakte in den menschlichen Körper ein. Nach Angaben der britischen Regierung wurden Spuren nicht nur bei den Anschlagsopfern, sondern auch in einer Pizzeria und einer nahen Kneipe entdeckt.

Punkt 2: Die Spur des Giftes führt in das heutige Russland

Zumindest historisch gesehen könnte das stimmen. Das bestätigen unterschiedliche Wissenschaftler. Nowitschok wurde demnach in den 1970er- und 1980er-Jahren in der Sowjetunion entwickelt. Im Oktober 1991 schrieb sogar eine Moskauer Zeitung darüber. Dagegen hieß es Donnerstagabend aus dem russischen Außenministerium: Es habe weder in der Sowjetunion noch in Russland Programme zur Entwicklung chemischer Kampfstoffe mit dem Namen Nowitschok gegeben.

Punkt 3: Hat Russland ein Motiv?

Selbst die britische Premierministerin May schränkt in ihrer Ansprache vor dem Parlament die möglich Schuld Russlands ein: Entweder handele es sich um einen direkten Akt des russischen Staates gegen Großbritannien. Oder – und das ist die Einschränkung – die russische Regierung habe die Kontrolle über dieses Nervengift verloren, sagte May. Beides sind nur Vermutungen und keine belegbaren Fakten.

Aus Moskau heißt es dazu, Russland habe direkt vor der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land überhaupt kein Interesse an den nun entstehenden weltweiten Verwicklungen und insofern auch kein Motiv für den Giftanschlag.

Punkt 4: Großbritannien hat ein Motiv für den Anschlag

Dieses Motiv nennt das Außenministerium in Moskau: London sei neidisch, weil Russland die Fußballweltmeisterschaft 2018 durchführen dürfe. Fakt ist, dass Großbritannien bei der Bewerbung dafür leer ausging. Doch alles andere ist eine Vermutung der russischen Regierung, für die keinerlei weitere Fakten bekannt sind.

Zusammenfassung

Fakten gibt es wenige, Vermutungen und Indizien dagegen viele. All das reicht nicht für ein ordentliches Gerichtsverfahren in Großbritannien. Und genau deshalb dauern die polizeilichen Ermittlungen noch immer an. Die Politik allerdings ist daran nicht gebunden und antwortet mit der Ausweisung von Diplomaten und der gemeinsamen Erklärung an Moskau.


Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass die Duma vor zwei Jahren beschlossen habe, "dass Überläufer und Hochverräter auch im  Ausland liquidiert werden können". Quelle dafür waren zwei voneinander unabhängige Zeitungsartikel (aus Deutschland und Österreich), die genau das berichteten. Nach aktuellen Recherchen des ARD-Hörfunkstudios in Moskau gibt es einen solchen Beschluss der Duma nur zu Terroristen, nicht  aber zu Überläufern oder Hochverrätern. Unseren Fehler bedauern wir. (29.3.2018)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. März 2018 | 08:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2018, 12:33 Uhr

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12 Kommentare

29.03.2018 15:05 007 / Merkel muss weg! 12

Was bisher über den Fall Skripal bekannt ist!?

Es ist bekannt das dieses Gift in höchster Konzentration an der Haustür gemessen wurde u eben nicht im Gepäck. Das kann ebenso jeder Nachbar angebracht haben. Jetzt bloß nicht nach dieser dümmlichen Vorverurteilung gegenüber den Russen schwach werden, sonst macht sich der Yard u die halbe EU lächerlich. Das "Täterbild" Putin muss unter allen Umständen gewahrt bleiben. Das kommt davon wenn Regierungsmitglieder ideologisch befangen u verblendet sind, nicht mal die Wahrheit u sichere Beweise abwartet wollen. Beschämend für England, DE, Australien, USA u alle Russland Boykottiere. Warum muss ich jetzt an diesen sinnlosen Irakkrieg denken? Wie sicher waren sich damals alle u danach? Pustekuchen, nicht mal das mindeste eine Entschuldigen oder Entschädigung. Soll wegen solchen Fehleinschätzungen vielleicht der dritte Weltkrieg vom Zaun gebrochen werden? Nato Kriegstreiber ohne Gri...s, mehr braucht dazu nicht zu sagen ...

29.03.2018 14:17 Frank 11

Sehr gut das der MDR hier Recherchearbeit geleistet hat und diesem ominösen Beschluss der Duma, nachdem "Überläufer und Hochverräter auch im Ausland liquidiert werden können" einmal auf den Grund gegangen ist. Es entspricht also nicht der Wahrheit. Es lohnt sich eben schon manchmal, bestimmte Dinge zu hinterfragen.

18.03.2018 01:15 Paul 10

@Maximilian
Wenn Sie irgendwann wieder von ihrer Russenphobie weg sind, werden Sie feststellen, dass es den Russen seit Putin deutlich besser geht als vor Putin.
Zusätzlich empfehle ich Ihnen einen Blick in die Weltkarte, welcher Staat wo und wie viele Militärbasen stationiert hat.
Gern können Sie auch mal direkt vergleichen, wie viele Kriege Russland und wie viele Kriege Ihre angelsächsischen Freunde angefangen haben.
Das sollte ausreichend Klarheit schaffen.
Und noch mein individueller Tipp für Sie:
Fakten statt Spam. Versuchen Sie es ruhig mal.

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17.03.2018 17:41 Maximilian 9

? Rentner@.Würden sie auch so hinterfragen wenn
das Opfer US-feindlich wär? Russen sind gut Amis
sind schlecht?Fragen sie sich garnicht warum so
viele Menschen in Ru ermordet wurden die Putin
kritisiert haben? Politowskaja,Nemzow? Dazu noch
über 200 Ermordete seid Putin.
Die Engländer waren schuld.

17.03.2018 15:54 Fragender Rentner 8

War die Tochter mit einem normalen Flugzeug geflogen oder war sie mit einem Diplomatenpass unterwegs?

17.03.2018 15:36 Maximilian 7

Typisches Kommentarbild.Frieden,Frau Will,Meyer
alle drei hauhen in einer Kerbe.
Ich möchte gerne wissen welche Massengräber es
gibt wo Russen Schuld haben.Kein Zutritt für
Journalisten ausser er ist von Prawda und verdreht
die Tatsachen.Kritische werden oder wurden ermordet.
Dieser Mann hat viel gelernt beim KGB und er haßt
den Westen.Warum? Weil es den Menschen dort
besser geht wie in Ru.Weil er nicht die Möglichkeit
hat das die Masse an Russen genauso gut lebt wie
die Westeuropäer.Destabilisieren wie damals die
Propaganda aus dem Ostblock war.
Darum laufen auch viele Russen
weg aus ihrem Land in Richtung Westen.
Wie lange hat es gedauert das die Russen Katyn zugegeben haben.Typisch russisch.
Für sie Herr Meyer was für ein Glück für die Menschen in Syrien haben wenn sie von einer russischen Bombe statt von einer Ami-Bombe getötet werden.
Mangelnder Geschichtsunterricht über den Ostblock,Mauerbau,Stacheldraht ,Minen und
Panzer gegen Demos im Namen des KGB.

17.03.2018 12:55 Maximilian 6

Einer der so auf rüstet wie Putin ist für Frieden
Herr@ "für Frieden"?Erinnert mich an Karl Eduard
von Schnitzler.Der grösste Hetzer damals im
Osten.Sind sie nicht RU kritsch nur England kritisch?
Der Putin will kein Frieden.Bewahre das britische
Volk vor so einen Despoten.
Die Menschen auf der Welt lernen englisch tragen
Jeans und mögen und mochten die Beatles,Stones.
Fussballer aus aller Welt wollen dort spielen.
Aus Ru kennt man nur Milliardäre und Armut.
Viele Russen würden lieber in England wohnen wie
umgedreht.Das sind Fakten und nicht was sie hier
vortragen.



17.03.2018 12:00 für Frieden 5

Nur holes Gefasel,wenn nicht sogar alles Lüge, was von der britischen Regierung kommt.Es gibt nicht einen einzigen Beweis.Der britische Geheimdienst hat schon mal richtig gelogen,mit dem Ergebniss des Irakkriegs mit tausenden Toten,und der Folge das der IS entstand.Hier sieht man Inkompetenzen die an der Spitze des britischen Staates agieren!

17.03.2018 11:05 ralf meier 4

Ein dankenswert sachlicher Artikel. In anderen Qualitätsmedien wird bereits Herr Putin persönlich als Verantwortlicher für den Anschlag genannt und warum ?

Eventuell gibt da ein anderer bemerkenswert sachlicher Artikel erste Hinweise: n-tv 16.03.2018
'Kein Frieden in Sicht"Die USA wollen Syrien zerschlagen".

16.03.2018 17:24 annerose will 3

Was ist eigentlich für die Presse so brisant an dem Fall, indem nicht einmal Beweise offengelegt wurden ? Und übrigens: dass Agenten von der feindlichen Seite durchaus mit tödlichen Angriffen zu rechnen haben ist doch gleichsam Berufsrisiko. Das kennt man ja aus den James Bond Filmen. Was macht ein einzelnes Schicksaal so bedeutsam, wo doch gerade die Briten mit ihren Geheimdiensten und politischen Ränkespielen in der Welt genug Unfrieden stifteten und stiften. Man erinnere sich nur an die "weapons of mass distruction", die ein gewisser Mr. Blair im Irak mit ausmachte - Grund für einen grausamen Krieg und andauernde Destabilisierung der Region mit hunderttausenden Toten! Soll Russland hier etwa wieder diskreditiert werden ?