Russisches Militärschiff rammt einen Schlepper der ukrainischen Marine.
Ein Bild von dem Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch: Ein Militärschiff rammt einen Schlepper. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Russland-Ukraine-Konflikt Freilassung ukrainischer Seeleute gefordert

Russland wird am Dienstag über das Schicksal der ukrainischen Seeleute entscheiden, die am Sonntag bei einem Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch festgesetzt wurden. Bundeskanzlerin Merkel forderte Russland im Zusammenhang mit diesem Konflikt zur Mäßigung auf, die EU droht mit neuen Sanktionen. International ist die Sorge vor einer weiteren Eskalation groß.

Russisches Militärschiff rammt einen Schlepper der ukrainischen Marine.
Ein Bild von dem Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch: Ein Militärschiff rammt einen Schlepper. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die russischen Behörden wollen am Dienstag über das Schicksal von mehr als 20 festgehaltenen ukrainischen Marineangehörigen entscheiden. Sie waren am Sonntag in die Hände der russischen Küstenwache geraten, als diese drei Schiffe geentert hatte.

EU-Vorsitz droht mit neuen Sanktionen

EU und Nato verlangen die sofortige Freilassung der Seeleute und die Freigabe der drei Schiffe und warnen vor einer Eskalation. Die österreichischen Außenministerin Karin Kneissl sagte nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Heiko Maas, "die Frage von weiteren Sanktionen wird sich zeigen, wir haben demnächst einen gemeinsamen Rat".

Estlands Verteidigungsminister Jüri Luik erklärte, "Sanktionen sind der kraftvollste Weg, um Russland zu zeigen, dass wir es ernst meinen." Allerdings müsse dies in der EU einstimmig beschlossen werden.

Merkel ruft zur Mäßigung auf

Bundeskanzlerin Angela Merkel rief zur Mäßigung auf. In einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin habe sie die Notwendigkeit von Deeskalation und Dialog betont, wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte.

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte in Richtung Russland, es dürfe die territoriale Souveränität seiner Nachbarn nicht verletzen. Maas zufolge haben Deutschland und Frankreich angeboten, in dem Streit zu vermitteln.

Ukrainische Boote gerammt und festgesetzt

Russische Marineboote hatten am Sonntag ukrainischen Schiffen die Durchreise durch die Meerenge von Kertsch verwehrt. Ukrainische Schiffe wurden dabei beschossen, eines gerammt. Drei Boote wurden beschlagnahmt, mehr als 20 Seeleute festgesetzt.

Russland führt das Geschehen auf "provokative Aktionen" der ukrainischen Seite zurück. Deren Kriegsschiffe hätten internationales Recht grob verletzt und die Regeln der friedlichen Passage durch russische Gewässer vorsätzlich ignoriert, erklärte Putin im Gespräch mit Merkel.

Internationale Sorge vor Eskalation

Der Zwischenfall hatte weltweit Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine ausgelöst, zumal dort ab Mittwoch für 30 Tage Kriegsrecht für bestimmte Regionen gilt. Die USA warfen unterdessen Russland rechtswidriges Handeln vor.

US-Präsident Donald Trump erklärte, er sei nicht glücklich über die neuen Spannungen. Die US-Botschafterin bei der Uno, Nikki Halyey, warf Russland bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates eine skandalöse Verletzung der ukrainischen Souveränität vor.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. November 2018 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2018, 15:12 Uhr

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6 Kommentare

28.11.2018 17:39 Siegfried Marquardt 6

Bereits seit längerer Zeit kursierte im Internet das Gerücht, dass ein großer Krieg zwischen der Ukraine (dem Westen?) und Russland vor der Tür stehen würde! Wer steckt (e) dahinter? Der Westen sollte in keinem Falle Kiew auf dem Leim gehen. Es deutet alles darauf hin, dass hier von Seiten der Ukraine und anderer subversiver Kräfte ein dicker militärischer Konflikt im Asowschen Meer bei Kertsch (auf der Krim) provoziert wurde und im Endeffekt ein Krieg von Zaune gebrochen werden soll. Die erste Reaktion des Präsidenten der USA, Donald Trump, ist prototypisch für derartige militärische Konfliktsituationen und für sich anbahnende militärische Konflikte der fernen und jüngsten Vergangenheit. Und vor dem ukrainischen Präsidenten, Poroschenko und seinen Mannen sollte man sich sowieso sehr in Acht nehmen – die Oligarchie in Kiew und der Ukraine ist zu allem in der Lage und bereit! Ihnen geht es einzig und alleine um ihre Macht und den Machterhalt und die „dicke Kohle“ von der EU!

28.11.2018 17:37 Siegfried Marquardt 5

Von Demokratie kann sowieso nicht in der Ukraine die Rede sein, weil Korruption und Vetternwirtschaft auf der Tagesordnung stehen und zur vorherrschenden Politik erkoren wurden. Anderseits: der ukrainische Präsident Proroschko steht in der Wählergunst nur noch bei ca. 10 Prozent! Da kommt ein militärischer Konflikt gerade noch zur rechten Zeit und am rechten Ort und kommt der Oligarchie in Kiew sehr gelegen! Nachtigall ick hör dir trapsen – so sagt doch wohl der Berliner! In jedem Falle sollten Alle die Ruhe bewahren und Tee trinken und kluge diplomatische und politische Schachzüge auswählen! Vor allen Dingen sollten schnellsten vertrauensbildende Maßnahmen durch die Europäische Union, der OSZE, der Ukraine und Russland ins Leben gerufen werden, damit endlich der permanent schwelende Konflikt zwischen der Ukraine und Russland paralysiert bzw. gelöst wird! Denn im Falle eines Krieges gibt es nur Verlierer und es wäre dann wohl der letzte Krieg in der Geschichte der Menschheit.

28.11.2018 13:52 Pittiplatsch, der Liebe 4

Im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat heute der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, eine deutliche Reaktion der Bundesregierung "verlangt". Deutschland "müsse" endlich "klare Kante" zeigen und den russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Schranken weisen, sagte Melnyk am Mittwoch im Deutschlandfunk. Er schlug ein Ultimatum der Bundesregierung vor, um die Freilassung der von Russland im Schwarzen Meer festgesetzten Soldaten zu "erzwingen". "Ich glaube, dass auch die Entsendung der deutschen Marine in dieses Gebiet vor der Küste der Krim in das Asowsche Meer auch zur weiteren "Deeskalation" beitragen könnte“, sagte Melnyk [Qelle: focus online]. Das AA wäre vielleicht gut beraten, den ukrainischen Botschafter einzubestellen. Aber bei solch einem Leichtgewicht (auch politisch) im Außenministerium ist dies wohl nicht zu erwarten, eher folgen wir dieser Forderung.

28.11.2018 10:50 annerose will 3

"...Bundeskanzlerin Merkel forderte Russland im Zusammenhang mit diesem Konflikt zur Mäßigung auf,..." Wie bitte, wer hat hier das Kriegsrecht gleich für 4 Wochen ausgerufen? Wie sieht es mit den in ukrainischen Häfen schon seit längerem festsitzenden russischen Fischereischiffen mit Heimathafen auf der Krim aus ? Darüber wird in den Hauptstrommedien gar nicht berichtet. Vielleicht sollten alle Karten auf den Tisch, die Medaille hat immer 2 Seiten.

27.11.2018 17:46 karstde 2

Die Ukraine ist ein Spiegelbild unserer westlichen Werte. Mehr braucht zu solch einer Verblödung nicht mehr sagen.

27.11.2018 16:38 Den Begriff 1

...provokative Aktionen in Anführungsstriche zu setzen, ist schon reichlich unverschämt. Der Minister für Volksaufklärung hätte Tränen der Rührung in den Augen.