Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja im UN-Sicherheitsrat
Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja im Weltsicherheitsrat. Bildrechte: dpa

Mutmaßlicher Giftgasangriff in Syrien Moskau beschuldigt Großbritannien

Russland wirft Großbritannien eine "direkte Beteiligung" an einem "inszenierten Giftgasangriff" in Duma vor. London soll dabei starken Druck auf die Zivilschutzorganisation der Weißhelme ausgeübt haben. Im Weltsicherheitsrat lieferten sich die Vertreter Russlands und der USA einen Schlagabtausch.

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja im UN-Sicherheitsrat
Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja im Weltsicherheitsrat. Bildrechte: dpa

Die russische Armee wirft Großbritannien eine "direkte Beteiligung" an dem mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Syrien vor. Sie habe "Beweise", die eine "direkte Beteiligung Großbritanniens an der Organisation dieser Provokation in Ost-Ghuta belegen", sagte der Sprecher der russischen Armee, Igor Konaschenkow, am Freitag in Moskau.

London hat demnach bei der Inszenierung des mutmaßlichen Giftgasangriffs "starken Druck" auf die Zivilschutzorganisation der Weißhelme ausgeübt. Es gebe Material, das dies bestätigen würde, sagte er der Agentur Tass zufolge. Details nannte er nicht.

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien eine Inszenierung und sprach von "unwiderlegbare Informationen, dass dies eine neuerliche Inszenierung von Geheimdiensten eines Staates war, der sich darum reißt, in der ersten Reihe der russophoben Kampagne zu stehen". Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja sagte vor der Sitzung des Weltsicherheitsrats in New York, dass "Geheimdienste gewisser Länder" an dem Vorfall beteiligt gewesen seien.

USA sehen Giftgasattacke als erwiesen an

Wenige Stunden später erklärte dann die US-Regierung, sie sehe den Chemiewaffenangriff in Ost-Ghouta durch die syrische Armee als erwiesen an. Außenamtssprecherin Heather Nauert sagte in Washington: "Die Attacke fand am Samstag statt und wir wissen mit Sicherheit, dass es sich um eine Chemiewaffe handelte", sagte . Die US-Regierung habe Beweis dafür, dass Machthaber Baschar al-Assad für den Angriff auf die Stadt Duma verantwortlich sei.

Paris an der Seite Washingtons

Im UN-Sicherheitsrat machten sich am Freitag die Vertreter der USA und Russland gegenseitig Vorwürfe. Die US-Botschafterin Nikki Haley warf Moskau vor, den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien erst möglich gemacht zu haben. Russland habe sein Veto-Recht im Rat zwölf Mal genutzt, um die Regierung von Präsident Assad zu schützen - etwa um Ermittlungen dazu zu verhindern. Assads Regierung hat nach US-Angaben mindestens in 50 Fällen Chemiewaffen eingesetzt.

Ihrem russischen Amtskollegen warf Haley Lügen vor. "Russland kann sich so viel es will über 'fake news' beschweren, aber niemand fällt darauf herein", sagte Haley. Nach Worten des französischen UN-Botschafters hat Syriens Regierung den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt. Frankreich werde seiner Verantwortung gerecht werden, eine unakzeptable Bedrohung der kollektiven Sicherheit durch Syrien zu beenden.

Warnung an die USA

Ein Militärschlag gegen syrische Truppen wäre nach russischer Einschätzung ein Bruch internationalen Rechts. UN-Botschafter Nebensja warnte in New York vor einer solchen "illegalen Kampfhandlung gegen einen souveränen Staat".

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch mit einem Militärschlag auf syrische Stellungen gedroht. Inzwischen hat das Weiße Haus erklärt, man berate noch über einen Angriff. Nebensja beschuldigte die USA, sich fahrlässig zu verhalten und ihrer Rolle als ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat nicht gerecht zu werden.

OPCW-Experten starten Untersuchung

Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sollen ab Sonnabend in Syrien den mutmaßlichen Angriff in Duma in Ost-Ghuta untersuchen. Sie sollen herausfinden, ob in der damals von Rebellen kontrollierten Stadt Chemiewaffen eingesetzt wurden. Am vergangenen Samstag sollen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 42 und 85 Menschen durch Chlorgas getötet worden sein.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. April 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2018, 22:24 Uhr

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27 Kommentare

15.04.2018 21:01 Dorfbewohner 27

“Friedensfreund 25

@Dorfbewohner
Wenn Russland sich und seinem Verbündeten Assad ein Hintertürchen schafft, dann hat jeder das Recht, sich dazu seine Meinung zu bilden. Und wenn Sie daraus folgern, dass Russland und Assad nichts zu verbergen haben, dann ist das ihr gutes Recht.”

Das ist aber partout keine Antwort auf meine 19, zumindest den Inhalt missverstanden oder -gedeutet.

Deshalb bitte unbedingt nochmal lesen(oder sind Sie einer von diesen Zeitgenossen die der Meinung sind, gibst du mir nicht Recht, bist du automatisch für meinen Gegner)?

15.04.2018 12:37 Leopold Breuer 26

@Friedensfreund: Die Privatphäre zweier Menschen, die als Opfer eines Machtkampfes sind ist also wichtiger, als diese Vorwürfe aus der Welt zu schaffen bzw. zu klären ? Jeder in diesem Konflikt beteiligte sollte ein Recht haben sie entweder vor einer Behörde oder wenn das nicht möglich ist oder duchgeführt wird zu Hause (natürlich unter Aufsicht) zu befragen. Wenn gegen Russland Sanktionen erlassen werden, dann muss die Russiche Vertretung jedes Recht haben, Ermittlungen anzustellen auch wenn dadurch Zeugen gehört werden müssen, deren Privatsphäre verletzt wird. In jeder Affäre die jetzt kommt, macht Russland für mich das einzig richitge, indem auf Diplomatie und eine eigene Ermittlung gesetzt wird. (UN-Sicherheitrsrat). Wenn sich Moskau durch die Sanktionen hätte provozieren lassen (es gibt in beiden Fällen keinen Beweis), hätten wir schon lange einen 3. Weltkrieg.

15.04.2018 08:37 Friedensfreund 25

@Dorfbewohner
Wenn Russland sich und seinem Verbündeten Assad ein Hintertürchen schafft, dann hat jeder das Recht, sich dazu seine Meinung zu bilden. Und wenn Sie daraus folgern, dass Russland und Assad nichts zu verbergen haben, dann ist das ihr gutes Recht.

15.04.2018 08:30 Friedensfreund 24

@Leopold Breuer
Russland hat keinerlei Anspruch darauf, in die Privatsphäre der Skripals einzudringen. Und solange kein Gerichtsverfahren gegen einen bestimmten Angeklagten läuft, müssen die Skripals auch keine Aussage machen. Und selbst dann müssten die Skripals vor den zuständigen Strafverfolgungsbehörden aussagen, nicht vor der russischen Botschaft. Auch wenn gegen jemand in Deutschland ein Strafverfahren läuft, kann der Betroffene nicht einfach hergehen und einen Zeugen gegen dessen Willen zuhause aufsuchen. Da muss Russland den Willen der Skripals hinnehmen.

14.04.2018 23:11 Kritischer Bürger 23

Flüchtlinge KÖNNTEN um das Leben ihrer Angehörigen bangen, wenn diese Angehörigen hier zuletzt noch in DUMA und Damaskus verblieben sind. Ist aber nicht das Problem von D seinen Bürgern und den dt.Politikern, sondern auch nur wieder etwas was unsere ach so tollen NATO-Partner F, GB, USA zu verantworten haben. Obwohl aus den Bericht zur Gegenaktion auf den MUTMASSLICHEN GIFTGASANGRIFF hervor geht das eben die einen eine gute Raketenabwehr hatten und die anderen bestätigten das NUR DIE ZIELE diese Fabrik getroffen wurden usw. All das jedoch zu einer Zeit wo gerade die Familienzusammenführung bis August aus "Eis gelegt wurde" und die Zuwanderung auf 180.000 bis 22.000 Menschen im Jahr hier nach D begrenzt werden soll. Dazu noch die Härtefälle deren Anzahl fragwürdig ist. Danke den Verbündeten das hier zum Einen die Flüchtlingswelle wieder zunehmen wird und Waffen wieder verkäuflich werden um wieder Geld der Waffen-Lobby zukommen zu lassen (Sarkasmus aus=)

14.04.2018 22:34 Maximilian 22

Irgend wie erinnert mich die Geschichte an Trotzky.
Sogar in Mexico haben sie den erwischt.
Irgendwie passt es alles.
Jetzt herscht dort wieder einer der"wie der Stahl
gehärtet wurde".
Hier scheint auch alles irgendwie komisch.Die Amis
sind immer schuldig und die Russen unschuldig.
Ich möchte lieber in den Staaten wohnen wie in
Russland aber da sind auch schon viele Russen
hingezogen.Das wars für heute jetzt mache ich
meinen russ.PC aus mein russ.Handy,ziehe meine
russ.Jeans an und höhre mir in der Rockkneipe
russ.ZZ Top,Metallica an und die Leute sprechen
russisch und Amis haben nur Kalaschnikows.
Habe ich da was verwechselt?

14.04.2018 21:36 Leopold Breuer 21

@Friedensfreund: Es ist in keinem Fall etwas bewiesen. Daher empfinde ich es als frech, Russland sofort als Schuldigen hinzustellen. Es gilt immer noch das Prinzip: Im Zweifel für den Angeklagten. Ohne genaue Kenntnis von Ort Zandlung und Heit, ist es m.E. falsch, ein Urteil zu fällen, das irgendjemanden belastet.

Und warum soll Skripal nicht verpflichtet sein, russischen Besuch zu Empfangen? Nur damit, dass er diesen Besuch empfängt wird klar, dass niemand etwas zu verbergen hat. Die Aufklärung eines Skandals liegen hier wichtiger als Persönlichkeitsrechte. Auch hier in Deutschland könnte man verpflichtet werden, vor Gericht zu erscheinen. Genau das gleiche muss für Skripal gelten, er muss als Zeuge geladen werden!

14.04.2018 18:51 Dorfbewohner 20

@19

“...Es stimmt, dass Russland im UN-Sicherheitsrat eine Untersuchung gefordert hat. Es hat aber auch gefordert, dass die Ergebnisse eine Genehmigung des UN-Sicherheitsrates benötigen. Und da kann Russland jederzeit "Nein" sagen. D. h. Russland hat sich und Herrn Assad eine Hintertür offen gehalten…”

Genau ‘Friedensfreund’, was denn sonst.

Wer sich in dieser angespannten internationalen Situation verbunden mit der momentanen Beweislastumkehr für einige in der Diplomatie eine Hintertür offen hält, muss schuldig sein!

Wo kämen wir denn sonst hin…(Satire aus).

Übrigens, die anderen Mitglieder könnten dann aber auch “Nein” sagen oder?

Das war's nun mit Ihrem Argument...

14.04.2018 18:14 Friedensfreund 19

@ralf meier
Es stimmt, dass Russland im UN-Sicherheitsrat eine Untersuchung gefordert hat. Es hat aber auch gefordert, dass die Ergebnisse eine Genehmigung des UN-Sicherheitsrates benötigen. Und da kann Russland jederzeit "Nein" sagen. D. h. Russland hat sich und Herrn Assad eine Hintertür offen gehalten.

14.04.2018 17:49 Friedensfreund 18

@ 007/Merkel muss weg
Wenn Sie mir unterstellen, mit gespaltener Zunge zu sprechen, dann haben Sie dafür keine sachliche Grundlage. Entgegen Ihrer Auffassung sind Herr Skripal und seine Tochter nicht verpflichtet, Besuch von der russischen Botschaft zu empfangen. Das mit der Fischvergiftung stammt nicht von Ihnen. Nur das habe ich auch nicht behauptet, als ich von russischen Spekulationen sprach. Ich bin auch nicht irgendjemandem auf den Leim gegangen. Vielmehr habe ich das gelesen, was im öffentlichen Teil des Berichts der Organisation gegen die Verbreitung von Chemiewaffen zu lesen stand. Ich würde Ihnen deshalb zu mehr Sachlichkeit raten.

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