US-Sanktionen gegen Baufirmen Nord Stream 2: Ist unsere Gasversorgung gefährdet?

In wenigen Wochen sollte erstmals russisches Gas durch die über 1.200 Kilometer lange Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nach Deutschland strömen. Doch nun drohen Verzögerungen. Der Grund: Die USA haben Sanktionen gegen Unternehmen verhängt, die sich am Bau der Doppel-Röhre beteiligen. Ist unsere Erdgasversorgung nun gefährdet?

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Das Verlegeschiff Audacia des Offshore-Dienstleisters Allseas verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2
Durch die Ostsee-Pipline "Nord Stream 2" soll russisches Gas nach Deutschland strömen. Bildrechte: dpa

Am Ende könnte es vom Wetter abhängen, ob Nord Stream 2 ohne Verzögerung fertiggestellt werden kann. Denn: Spielt das Wetter mit, ist die See ruhig, dann kann das Verlegeschiff "Audacia" arbeiten. Um die letzten 300 Kilometer der Gas-Pipeline in der Ostsee nach Lubmin bei Greifswald zu verlegen, braucht es wohl noch fünf bis sechs Wochen, erklärt der CDU-Energiepolitiker Andreas Lämmel: "Natürlich spielt das Wetter eine Rolle, weil letztlich jeder Tag zählt. Und man wird sehen, wie weit es dann kommt, mit dem Bau."

Spielt das Wetter allerdings nicht mit, dann könnte Nord Stream 2 sprichwörtlich auf den letzten Metern ins Stocken geraten: Denn spätestens Ende Januar werden wohl auch die US-Sanktionen gegen die Baufirmen endgültig in Kraft treten. Und diese Unternehmen haben bereits angekündigt, den Bau dann ruhen zu lassen.

Empörung über US-Sanktionen

Lämmel, Bundestagsabgeordneter aus dem Vogtland, beobachtet den Bau von Nord Stream 2 seit Jahren - und empört sich nun über die Sanktionen der USA: "Die Fürsorge der Amerikaner für Europa ist ja ganz nett. Aber wir brauchen die in dem Fall nicht. Und darüber muss man sich in Europa auch bewusst werden, dass wir […] dort mit einer Stimme sprechen müssen, damit wir die Kraft aufbringen, solche Eingriffe in den freien Handel abzuweisen."

Andreas Lämmel
CDU-Politiker Andreas Lämmel kritisiert die Sanktionen der USA. Bildrechte: dpa

Was aber, wenn Nord Stream 2 scheitert oder sich die Fertigstellung verzögert? Der Winter steht bevor, die Deutschen drehen ihre Heizungen auf. Rund 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas haben die Deutschen allein im vergangenen Winter verbraucht. Wäre dann mit einem Erdgas-Engpass zu rechnen? Nein, sagt Lämmel. Die Gasspeicher in Europa seien voll.

Kommen Problemlos über den Winter

Dem pflichtet Michael Harms vom Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft bei: "Über diesen Winter kommen wir problemlos, auch wenn man die Erdgasversorgung komplett einstellen würde." Harms erklärt, dass man sich mittelfristig um die rein physische Versorgung auch keine Sorgen machen müsse, weil der europäische Gasmarkt in den letzten Jahren seine Infrastruktur ausgebaut habe. Außerdem sagt er: "Wir haben genug Kapazitäten, auch Flüssiggas zu kaufen."

Gas könnte teurer werden

Euromünze an Thermostat eines Heizkörpers
Mit Erdgas zu heizen, könnte künftig teurer werden. Bildrechte: IMAGO

Kurzfristig gebe es also keinen Grund zur Sorge. Mittel- und langfristig aber möglicherweise schon, davon geht der Wirtschaftsvertreter Michael Harms aus. Denn ohne Nord Stream 2 werde irgendwann Gas teurer: "Man muss sich Sorgen machen um bezahlbares und jederzeit verfügbares und nachhaltiges Gas. Und natürlich sind auch Preiserhöhungen für die europäische Industrie und für die europäischen Verbraucher und die fehlende Bezugsquelle von einer Seite schon ein Problem für den europäischen Gasmarkt."

Nord Stream 2 bald fertig

Doch dazu muss es nicht kommen, sagt Harms weiter, wenn Nord Stream 2 bald fertig wird. Und es ist wohl auch wahrscheinlich, dass das gelingt. Ein Vertreter des Energieausschusses im russischen Parlament sagte, man werde die Pipeline auf jeden Fall zu Ende bauen. Für den Fall, dass sich die Baufirmen wegen der Sanktionen zurückziehen, hat Gazprom schon einen Ersatz parat: Im Hafen von Sassnitz auf Rügen liege nach Angaben des Konzerns ein Schiff parat, dass die letzten Meter von Nord Stream 2 bewältigen könne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2019, 05:00 Uhr