Video-Bild aus Überwachungskamera zeigt Ankunft von Jamal Khashoggi im Konsulat von Saudi-Arabien
Die Überwachungskameras am saudischen Konsulat in Istanbul lieferten die letzten Bilder von Khashoggi. Bildrechte: imago/Depo Photos

Riad Saudische Behörden: Khashoggis Tötung war geplant

Im Fall des getöteten Journalisten Khashoggi gibt Saudi-Arabien Stück für Stück mehr preis. Dass der Dissident nicht mehr lebt, hat Riad schon eingeräumt. Nun ist von einer geplanten Tötung die Rede.

Video-Bild aus Überwachungskamera zeigt Ankunft von Jamal Khashoggi im Konsulat von Saudi-Arabien
Die Überwachungskameras am saudischen Konsulat in Istanbul lieferten die letzten Bilder von Khashoggi. Bildrechte: imago/Depo Photos

Die Generalstaatsanwaltschaft in Saudi-Arabien hat die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi als eine vorsätzliche und geplante Tat bezeichnet. Die staatliche Nachrichtenagentur veröffentlichte dazu eine Erklärung der saudischen Ermittler. Darin heißt es, die Informationen der türkischen Behörden legten nahe, dass das Handeln der Verdächtigen im Fall Khashoggi vorsätzlich gewesen sei.

Radikale Wende

Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Riad weiter mitteilte, werden die eigenen Ermittlungen fortgesetzt. Die Stellungnahme der Ermittler markiert eine radikale Wende in der saudischen Darstellung des Falls. Die bisherige Version besagte, dass Khashoggi bei einem Besuch im Istanbuler Konsulat "versehentlich" getötet worden sei. Er sei bei einem "Faustkampf" ums Leben gekommen.

Zuvor hatte Saudi-Arabien den Tod des Dissidenten wochenlang geleugnet. Erst auf Druck aus dem Westen und aus der Türkei gab Riad zu, dass Khashoggi nicht mehr lebt. Inzwischen wurden in Saudi-Arabien nach offiziellen Angaben 18 Verdächtige festgenommen, unter ihnen der stellvertretende Geheimdienstchef.

Die USA sprechen sogar von 21 Verdächtigen. Es handelt sich demnach um Mitarbeiter des Geheimdienstes und von Ministerien sowie Angehörige des Königshofes. Gegen sie wurden Einreisesperren verhängt. Großbritannien hat sich diesen Sanktionen angeschlossen.

Merkel mahnt Aufklärung an

Auch von anderer Seite verschärft sich der Druck auf Saudi-Arabien weiter. Nach Angaben der Bundesregierung telefonierte Bundeskanzlerin Merkel noch am Donnerstag mit dem saudischen König Salman. Die Tötung Kashoggis verurteilte sie "aufs Schärfste" und forderte eine rasche und umfassende Aufklärung.

Zudem hält die Debatte um Waffenexporte nach Saudi-Arabien an. Die österreichische EU-Ratspräsident und das EU-Parlament riefen zu einem Waffenexport-Stopp auf.

Verbleib der Leiche weiter unklar

Erst am Dienstag hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan die Tat als Mord bezeichnet, der von langer Hand geplant gewesen sei. Nach türkischen Angaben wurde Khashoggi von saudischen Agenten verhört, gefoltert und getötet. Türkischen Medien zufolge liegen den türkischen Ermittlern Tonaufnahmen vor, die die Tat dokumentieren.

Khashoggi war am 2. Oktober in das Konsulat gegangen, um seine Scheidungspapiere zu holen. Danach wurde er nicht mehr gesehen. Der Verbleib seiner Leiche ist bis heute nicht bekannt. Khashoggi entstammte einer einflussreichen saudischen Familie mit engen Beziehungen zum Königshaus. Khashoggi selbst war ein scharfer Kritiker der Regierung in Riad, lebte seit Jahren in den USA und schrieb für die "Washington Post".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Oktober 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2018, 04:48 Uhr

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10 Kommentare

27.10.2018 18:20 Generation 55+ 10

Nato Doppelmoral hätte Russland sanktioniert und Diplomaten ausgewiesen. Wenn sich der amerikanische Präsident zur Ermordung von Jamal Khashoggi äusserte, lag ihm immer auch eine Zahl auf den Lippen: 110 Milliarden Dollar. So viel will Saudiarabien angeblich in den nächsten Jahren für amerikanische Rüstungsgüter ausgeben. Trump hatte die Zahl nach seinem Besuch im Königreich im Mai 2017 präsentiert. Nun dienen ihm der «gewaltige Deal» und die angeblich bis zu einer Million Stellen, die von ihm abhängen, als Rechtfertigung dafür, nicht vorschnell Sanktionen auszusprechen.

26.10.2018 11:52 Theo Clüver 9

Auch Spanien hat die Auslieferung von lasergesteuerten Bomben nach Saudi-Arabien gestoppt. Es werde befürchtet, dass die Waffen im Jemen-Konflikt zum Einsatz kommen könnten, teilte das Verteidigungsministerium in Madrid am Dienstag zur Begründung mit. Medienberichten zufolge hatten Spanien und Saudi-Arabien im Jahr 2015 einen Vertrag Über die Lieferung von 400 lasergesteuerten Bomben abgeschlossen. Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sanchez wolle die für die Bomben bereits bezahlten 9,2 Millionen Euro an Saudi Arabia's Crown Prince Mohammed bin Salman, zurückzahlen

26.10.2018 10:54 Theo Clüver 8

SUPER Gelegenheit von der unsäglichen WM 2022 Abstand zu nehmen die nicht nur gesundheitlich problematisch sondern auch organisatorisch Chaos anrichtet - da stimmt nur das Geld welches bei den Scheichs reichlich ist und ok die Weibchen dürfen Autofahren sind wie bei und die Besseren wenn sie hinten oder in Bussen sitzen.

25.10.2018 21:09 Wo ist das Lobbyregister? 7

@25.10.2018 18:37 Querdenker (Saudi Arabien richtet regelmäßig Menschen hin. Nicht nur Straftäter, sondern auch politische Aktivisten. Jamal Khashoggi ist nur die Spitze des Eisberges.)

Sie haben wieder vergessen, pflichtgemäss darauf hinzuweisen, dass all das nichtsmitdemislamzutun hat und auch nicht mit einer Gesellschaft, die auf Clan-Strukturen aufbaut und nicht dem freien Individuum.

Und jetzt, wo es nachgeliefert wurde, stellen wir uns kurz vor, wo genau die "Bereicherung" durch Immigration aus diesen Regionen für Zentraleuropa liegen könnte?

Wer jetzt überrascht tut angesichts dessen, was in Saudi-Arabien so gewöhnlich ist, wie das Freitagsgebet, der muss sich natürlich fragen lassen, warum er vorher nicht hingesehen hat und noch vor Jahren in anderem Zusammenhang selbstergriffen vom "Arabischen Frühling" schwadroniert hat. Denn dafür könnte es Gründe geben.

25.10.2018 18:37 Querdenker 6

Saudi Arabien richtet regelmäßig Menschen hin. Nicht nur Straftäter, sondern auch politische Aktivisten. Jamal Khashoggi ist nur die Spitze des Eisberges.

siehe hierzu die Dokumentation „Undercover in Saudi-Arabien - Eine riskante Reise durch ein abgeschottetes Land“

In Saudi Arabien hält sich die Aufregung um den getöteten Journalisten in engen Grenzen.

siehe „welt Getöteter Journalist: Warum es in Riad zum Fall Khashoggi so still ist“

Zitat: „Offizielle Medien waren am Wochenende voll des Lobes für den Kronprinzen.“

Zitat: „Der Mord an Khashoggi habe „vielen Bloggern klargemacht, was ihnen blüht, wenn sie das Regime kritisieren“.“

Zitat: „... Da stört es kaum, wenn ein Journalist, der in offiziellen Medien seit Jahren als Verräter verunglimpft wird, in einem fernen Land ermordet wird.“

25.10.2018 17:47 Max W. - Rückwärts nimmer 5

"Darin heißt es, die Informationen der türkischen Behörden legten nahe, dass das Handeln der Verdächtigen im Fall Khashoggi vorsätzlich gewesen sei."

Das heisst im Klartext: Leugnen ist zwecklos, obwohl es natürlich sofort versucht worden ist. Im übrigen ist naiv und uninformiert, wer glaubt, das sei im Kontext Saudi-Arabien ein "Einzelfall". Auch, wenn deutsche "Journalisten i. A. des Verwertungsinteresses gerne eine paar neuerdings autofahrende Frauen als Beweis des dortigen zivilisatorischen Standards anführen.
SA ist ein gewalttätiges, rechtloses und Minderheiten gnadenlos ausbeutendes und schikanierendes Land unter der Flagge des Propheten. Mit dem deutsche Konzerne gerne Geschäfte machen.

Mir ist unklar, warum K. sich überhaupt ohne Begleitung in das Gebäude begeben hat - gerade er hätte wissen müssen, was ihm dort drohen kann. Der diplomatische Status ist dort keinen Pfifferling wert.

25.10.2018 16:41 Gerd Müller 4

Hier kommt die Verlogenheit des Wertewesten zum Vorschein.
Bei Russland wurden sofort Sanktionen festgelegt, ohne Beweise. Aber hier ......
Kann ich nicht schreiben, sonst kommt die Zensur.

25.10.2018 16:22 Fragender Rentner 3

Was soll sich da ändern, wenn sie so tuen als wenn man sich als die Guten hinstellt?

Bei denen in den Gebieten herschen einmal andere Gesetze.

25.10.2018 14:57 Fragender Rentner 2

Ist das nicht schön wer sich so alles in die Angelgenheiten anderer Staaten so einmischt?

Haben die nicht auch vor ihrer Haustür zu kehren?

25.10.2018 14:09 jochen 1

Saudi Arabien - Ein geplanter und ausgeführter Mord !

Wie auch immer - Das sind Merkls sogenannte Freunde.
Sage mir, mit wem Du dich abgibst, dann sage ich Dir was Du bist.