Nicola Sturgeon hält ein Herz, auf dem "Schottland" steht.
Sturgeons SNP lehnt einen Brexit ab. Wenn er kommt, wollen die Schotten gehen. Bildrechte: dpa

Wegen Brexit Schotten planen neues Unabhängigkeitsreferendum

Schottland soll nächstes Jahr erneut über die Unabhängigkeit von Großbritannien abstimmen. Das hat Regierungschefin Sturgeon angekündigt. Grund ist der drohende Brexit, den zwei Drittel der Schotten ablehnen.

Nicola Sturgeon hält ein Herz, auf dem "Schottland" steht.
Sturgeons SNP lehnt einen Brexit ab. Wenn er kommt, wollen die Schotten gehen. Bildrechte: dpa

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon will im kommenden Jahr ein erneutes Referendum über eine Unabhängigkeit ihres Landes von Großbritannien abhalten. Es stehe "außer Zweifel", dass die Schotten erneut die Wahlmöglichkeit bekommen müssten, sagte Sturgeon am Dienstag beim Parteitag der Scottish National Party (SNP) in Aberdeen. Die Vorbereitungen seien bereits eingeleitet worden.

Britisches Parlament muss zustimmen

Sturgeon erklärte, bis zum Jahresende wolle sie die notwendigen Befugnisse einholen. Die schottische Regierung muss für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum die Zustimmung des britischen Parlaments in London einholen. Das schottische Parlament hatte sich bereits 2017 für das Referendum ausgesprochen. Die damalige britische Premierministerin Theresa May erklärte aber damals, dass nun nicht die Zeit dafür sei.

Knappe Mehrheit ursprünglich für Verbleib

Demonstranten stehen mit Schildern mit der Aufschrift Verteidige die Demokratie vor dem Gericht "Court of Session", das gerade eine Klage verhandelt, die sicherstellen soll, dass Premierminister Johnson eine Verlängerung des Artikel 50-Prozesses beantragt, wenn er sich weigert, sich an die Bestimmungen des Benn Act zu halten
In Schottland sind die Brexit-Gegner in der Mehrheit. Bildrechte: dpa

In ihrem ersten Unabhängigkeitsreferendum im September 2014 hatten sich 55 Prozent der Schotten noch für den Verbleib im Vereinigten Königreich ausgesprochen. Sturgeon macht nun geltend, dass sich die Lage nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt grundlegend geändert habe. Während das Referendum vom Juni 2016 landesweit ein knappes Ja zum Brexit ergeben hatte, stimmten in Schottland fast zwei Drittel der Bürger für einen Verbleib in der Europäischen Union.

Umfragen sehen offenen Ausgang

Laut einer in dieser Woche von der "Sunday Times Scotland" veröffentlichten Umfrage, befürworten mittlerweile 50 Prozent der schottischen Bürger eine Unabhängigkeit von Großbritannien. Am Samstag hatten in der schottischen Hauptstadt Edinburgh zehntausende Menschen für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum demonstriert.

Der britische Premierminister Boris Johnson, der sein Land am 31. Oktober aus der EU führen will, reagierte kühl auf Sturgeons Pläne. "Das Referendum, das in Schottland stattfand, war ein für eine Generation einmaliges Ereignis", erklärte Johnsons Sprecher. Dies habe Sturgeons SNP damals selbst erklärt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2019 | 21:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 22:13 Uhr