Wikileaks-Gründer Julian Assange ballt die Faust.
Wikileaks-Gründer Julian Assange 2017 in der Londoner Botschaft Ecuadors: Zumindest eine Auslieferung nach Schweden ist nun vom Tisch. Bildrechte: dpa

Wikileaks-Gründer Ermittlungen gegen Assange in Schweden eingestellt

Wikileaks-Gründer Assange muss nicht mehr fürchten, von Großbritannien nach Schweden ausgeliefert zu werden. Die dortigen Vergewaltigungsermittlungen wurden eingestellt. Eine Auslieferung an die USA droht noch immer.

Wikileaks-Gründer Julian Assange ballt die Faust.
Wikileaks-Gründer Julian Assange 2017 in der Londoner Botschaft Ecuadors: Zumindest eine Auslieferung nach Schweden ist nun vom Tisch. Bildrechte: dpa

Die schwedische Justiz stellt die Ermittlungen zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange ein. Das hat die stellvertretende Direktorin der schwedischen Strafverfolgung, Eva-Marie Persson, am Dienstag mitgeteilt.

Vorfall liegt zu weit zurück

Eva-Marie Persson Direktorin der Staatsanwaltschaft Schweden
Persson: "Vorfall liegt so lange zurück, dass sich die Beweislage deutlich abgeschwächt hat." Bildrechte: imago images / TT

Persson begründete die Einstellung des Verfahrens damit, dass der umstrittene Vorfall mittlerweile zu lange zurückliege. Dadurch habe sich die Beweislage deutlich abgeschwächt. Allerdings könne die Entscheidung der Staatsanwaltschaft noch angefochten werden, so die Strafverfolgerin. Assange war in Schweden vorgeworfen worden, im August 2010 eine Frau vergewaltigt zu haben. Der 48-jährige Australier hatte das stets bestritten.

Europäischer Haftbefehl endet

Mit der Entscheidung der schwedischen Strafverfolgung endet auch der europäische Haftbefehl gegen den Wikileaks-Gründer wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden. Der derzeit in Großbritannien in Haft sitzende Assange muss damit nicht mehr fürchten, zunächst nach Skandinavien und von dort in die USA ausgeliefert zu werden.

Auslieferung an USA droht weiter

Julian Assange
Assange nach seiner Festnahme in London im April 2019. Bildrechte: dpa

Eine mögliche Auslieferung an die USA ist aber deswegen immer noch nicht vom Tisch. Grund ist ein von der US-Justiz gestellter Auslieferungsantrag, der bereits von den britischen Behörden zugelassen wurde. Die Verhandlung zu dem US-Auslieferungsgesuch beginnt am 25. Februar 2020 in London.

Die US-Behörden wollen Assange vor Gericht stellen. Sie werfen dem Wikileaks-Gründer vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen ihm 175 Jahre Haft.

Schwedische Ermittlungen schon einmal eingestellt

Die schwedischen Ermittlungen gegen Assange waren 2017 schon einmal eingestellt worden. Im Mai 2019 hatte die schwedische Staatsanwaltschaft das Verfahren aber wieder aufgenommen und Haftbefehl beantragt. Das zuständige Gericht lehnte diesen im Juni jedoch ab. Die schwedische Strafverfolgung verzichtete darauf, in Berufung zu gehen. Assange hatte sich jahrelang in der Botschaft von Ecuador in London verschanzt, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2019 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 16:40 Uhr