Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt Ein Schlauchboot der «Alan Kurdi» (l) neben einem Flüchtlingsboot.
Die "Alan Kurdi" der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye nimmt am 5. Juli im Mittelmeer Flüchtlinge von einem Schlauchboot auf. Bildrechte: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Neuer Streit mit Italien droht Rettungsschiff "Alan Kurdi" nimmt 65 Migranten auf

Nach dem Drama um das Rettungsschiff Sea-Watch 3 droht zwischen Deutschland und Italien der nächste Streit. Das Schiff "Alan Kurdi" der Organisation Sea-Eye aus Regensburg hat vor Libyen 65 Migranten an Bord genommen. Italiens Innenminister Salvini forderte seinen deutschen Amtskollegen Seehofer auf, Verantwortung für das Schiff zu übernehmen.

Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt Ein Schlauchboot der «Alan Kurdi» (l) neben einem Flüchtlingsboot.
Die "Alan Kurdi" der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye nimmt am 5. Juli im Mittelmeer Flüchtlinge von einem Schlauchboot auf. Bildrechte: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Das Schiff "Alan Kurdi" der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Eye" hat nach eigenen Angaben am Freitag 65 Menschen vor der libyschen Küste geborgen. Demnach wurden die Menschen von einem überladenen Schlauchboot in internationalen Gewässern gerettet. Das Schlauchboot sei manövrierfähig gewesen, aber ohne Navigationshilfen. Die Insassen hätten kaum noch Trinkwasser gehabt.

Ohne ein GPS-fähiges Telefon oder nautische Grundkenntnisse hätten diese jungen Menschen vermutlich keinen Ort erreicht und wären verschwunden.

Gorden Isler, Einsatzleiter auf der "Alan Kurdi"

Rückführung nach Libyen abgelehnt

Laut Sea-Eye versuchte das Schlauchboot zunächst zu entkommen. Offenbar hätten die Insassen befürchtet, die "Alan Kurdi" sei ein Schiff der libyschen Küstenwache. Nach Angaben eines Geretteten befand sich das Schlauchboot bereits seit mehr als zwölf Stunden auf dem Meer.

Die Alan-Kurdi-Crew versuchte nach eigenen Angaben, Kontakt zu den libyschen Behörden herzustellen. Die italienischen Rettungsleitstellen schwiegen laut Sea-Eye ebenfalls. Die Seenotleitung Bremen antwortete demnach schnell und informierte das Auswärtige Amt. Jetzt droht ein erneutes Tauziehen mit den italienischen Behörden, um die Migranten an Land zu bringen.

Sea-Eye berichtete am Abend, später habe dann die libysche Küstenwache reagiert und dem Schiff einen Hafen zugewiesen, wo die Geretteten an Land gebracht werden könnten. Das habe die Organisation aber abgelehnt.

Bundesregierung sucht europäische Lösung

Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte inzwischen, die "Alan Kurdi" könne nicht nach Italien fahren - auch nicht im Fall einer späteren Weiterverteilung der Migranten auf weitere Staaten. Italien könne nicht der einzige "Hotspot von Europa" sein.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte dazu, Deutschland bemühe sich um eine schnelle Lösung. Zunächst müsse ein sicherer Hafen gefunden und die Verteilung der Geretteten geregelt werden.

Entwicklungsminister Gerd Müller forderte die EU-Staaten bei der Seenotrettung zum Handeln auf. "Wir brauchen einen Vorstoß mit den Mittelmeerländern und den aufnahmebereiten Mitgliedstaaten der EU", sagte Müller am Freitag beim Treffen der G7-Entwicklungs- und Bildungsminister in Paris. Man dürfe Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich mit dem Problem nicht alleine lassen.

Sea-Watch gestern ist Sea-Watch morgen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juli 2019 | 20:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2019, 21:36 Uhr

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32 Kommentare

07.07.2019 17:32 Humanitäre Notfälle: Jung, kräftig, gesund 32

"Im Internet kursieren diverse Videoaufnahmen der Geretteten vor und bei der Aufnahme durch das unter dem Kommando des deutschen Vereins „Sea-eye“ fahrenden Rettungsschiffs – mit überraschenden Einblicken. Vor allem ein Video der „FAZ“ ist in diesem Zusammenhang sehr aufschlussreich. Was darauf zu sehen ist: überwiegend junge, kräftige Männer. Frauen und Kinder sind nirgends zu erkennen."

07.07.2019 15:28 Querdenker 31

Salvini möchte in Italien die möglichen Strafen für die verbotene Hafeneinfahrt stark erhöhen. Das wäre gut. Und wenn die eingenommenen Gelder der libyschen Küstenwache zugutekommen, wäre das brillant.

siehe „faz Kurz unterstützt Salvini im Streit um Hafenöffnung“

Zitat: „Seine Lega-Partei werde vorschlagen, die Strafen für Hilfsorganisationen, die trotz eines Verbots italienische Häfen ansteuern, auf eine Million Euro anzuheben. Zudem solle es leichter werden, die Schiffe zu beschlagnahmen.“

siehe „tagesschau Libysche Küstenwache Unsere Botschaft: Wir bringen Euch zurück“ (11/2018)

Zitat: „Umso mehr ärgern die Beamten von der Küstenwache private Seenotretter, die ihnen aus ihrer Sicht ins Handwerk pfuschen. … … Kurz darauf taucht ein Schiff von Seawatch auf. Die Aktivisten nähern sich, bieten den Flüchtlingen an, sie aufzunehmen. Viele kehren um, springen gar von Bord zurück ins Wasser. Die Verheißung der deutschen Organisation: Wir bringen Euch nach Europa.“

07.07.2019 14:11 aus Dreden 30

"Hilfsorganisation "Sea Eye"" - helfen kann bei vielem. Es gibt ja z. B. die Beihilfe zur illegalen Einwanderung.

"Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte inzwischen, die "Alan Kurdi" könne nicht nach Italien fahren - auch nicht im Fall einer späteren Weiterverteilung der Migranten auf weitere Staaten."
Ganz ungewohnt für Deutsche - ein Italiener zeigt Solidarität mit anderen Staaten. So geht internationale Zusammenarbeit, Salvini zeigt, wie es geht.

07.07.2019 13:48 jochen 29

Seehofer "bietet wieder an"

WAS HABEN WIR NUR FÜR EINE GRAUENHAFTE REGIERUNG ?
Ach ja - eine Mehrheit ha in 2017 so gewählt.

06.07.2019 20:16 Fragender Rentner 28

Ist da noch Platz für ein paar Andere?

Ist doch als Seenotrettungsschiff bestimmt noch nicht ganz ausgelastet?

06.07.2019 16:46 Willy 27

@ 2 6 war das jetzt ernst gemeint Sachse ?

06.07.2019 15:02 Sachse 26

Europa und Deutschland sollte froh über die vielen qualifizierten Facharbeiter sein.

06.07.2019 14:22 Bestimmen NGO`s die Einwanderungspolitik? 25

"NON governmental organization" = NICHTregierungsorganisationen sind meines Kenntnisstandes eben wegen des NON keiner Regierung angehörig, bestimmen jedoch letztlich die Einwanderungspolitik der Länder? Für Deutschland muss hinterfragt werden, ob der Staat seine diesbezüglichen Hoheitsrechte dafür abgegeben hat und stattdessen immer neue Steuerlasten für die Bürger kreiert. Es ist davon auszugehen, das die Insassen der Schlepperboote auch nicht in der Lage sein werden, ihre Identität nachzuweisen, so dass diese sich widerum in die große Reihe der Duldungen einreihen. Dass diese Personen dann durch Steuermittel alimentiert werden müssen, ist kein Geheimnis. Die arbeitenden Pendler oder die Bewohner der ländlichen Regionen haben dann auch noch CO2-Steuer zu berappen, anstatt Anreize für Umweltverträglichkeiten zu schaffen.Daran ist erkennbar, dass es lediglich um`s Generieren von Geldquellen geht. Darin ist Deutschland unübertrefflich.Macron ist darüber schon gestolpert

06.07.2019 13:34 D.o.M. 24

Jetzt liegt das Schiff schon einen Tag lang außerhalb des italienischen Hoheitsgebietes vor Anker . Immerhin wenigstens schon einen Tag später, den es umdrehen und die Nächsten übernehmen kann. Für Italien und unseren Kontinent ist jeder einzelne solcher Tage ein Gewinn.

06.07.2019 13:28 der_Silvio 23

"Sea-Eye berichtete am Abend, später habe dann die libysche Küstenwache reagiert und dem Schiff einen Hafen zugewiesen, wo die Geretteten an Land gebracht werden könnten. Das habe die Organisation aber abgelehnt."
(Quelle: MDR-Artikel siehe oben)
Warum wurde die Zuweisung abgelehnt? Seenotrettung heißt doch, daß die Geretteten in den nächsten Hafen gebracht werden.
Das dortige Geschehen erinnert eher an eine Shuttleservice als Seenotrettung.