Das Rettungsschiff «Sea-Watch 3» liegt im Hafen der Insel Lampedusa. Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch ist nach dem unerlaubten Anlegen im Hafen der italienischen Insel Lampedusa und der Festnahme der Kapitänin beschlagnahmt worden.
Die "Sea Watch 3" im Hafen der Insel Lampedusa. Bildrechte: dpa

Nach verbotener Hafeneinfahrt "Sea Watch"-Kapitänin drohen Anklage und zehn Jahre Haft

Weil sie sich beim Einlaufen in Lampedusa einem italienischen Schnellboot widersetzte, droht "Sea Watch 3"-Kapitänin Rackete eine Anklage und eine Haftstrafe. Außenminister Maas kritisierte die Festnahme der Deutschen.

Das Rettungsschiff «Sea-Watch 3» liegt im Hafen der Insel Lampedusa. Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch ist nach dem unerlaubten Anlegen im Hafen der italienischen Insel Lampedusa und der Festnahme der Kapitänin beschlagnahmt worden.
Die "Sea Watch 3" im Hafen der Insel Lampedusa. Bildrechte: dpa

Nach ihrer ungenehmigten Einfahrt in den Hafen von Lampedusa droht der Kapitänin des privaten deutschen Seenotretters "Sea Watch 3", Carola Rackete, eine Anklage in Italien. Der 31-Jährigen aus Kiel wird vorgeworfen, sich beim Einlaufen ihres Schiffes einem italienischen Kriegsschiff widersetzt zu haben, das sie am Anlegen hindern wollte. Medienberichten zufolge drohen der Deutschen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

Hafeneinfahrt erzwungen

Ein italienisches Motorboot der Grenzpolizei liegt im Hafen von Lampedusa, nachdem es von dem Rettungsschiff «Sea-Watch 3» gerammt wurde, als dieses zum Pier auf Lampedusa zusteuerte.
Dieses Motorboot der italienischen Grenzpolizei hätte Rackete mit der "Sea Watch 3" fast gerammt. Bildrechte: dpa

Rackete hatte in der Nacht zu Samstag entschieden, die "Sea-Watch 3" trotz eines Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Insel Lampedusa zu steuern. Ein Polizei-Schnellboot versuchte dies vergeblich zu verhindern. "Wir haben uns in den Weg gestellt, aber wenn wir dort geblieben wären, hätte [die "Sea-Watch"] das Schnellboot zerstört", sagte ein Polizist.

Italiens Innenminister Matteo Salvini nannte das riskante Manöver "eine kriegerische Handlung". Staatsanwalt Luigi Patronaggio sagte italienischen Medien: "Humanitäre Gründe können keine unzulässigen Gewaltakte gegen Uniformierte rechtfertigen, die auf See für die Sicherheit aller sorgen."

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft auf Sizilien hatte bereits vor dem Anlegen der "Sea-Watch 3" ein Ermittlungsverfahren gegen Rackete eingeleitet. Der Deutschen werden unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung, die Unterstützung von Menschenhändlern  sowie die Verletzung italienischer Hoheitsgewässer vorgeworfen.

Ein "Sea-Watch"-Sprecher wies die Vorwürfe zurück und sagte, Rackete habe sich streng an internationales Recht gehalten.

Maas kritisiert Festnahme

Das von Sea Watch zur Verfügung gestellte Foto zeigt Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der «Sea Watch 3», als sie von der Polizei eskortiert, das Rettungsschiff «Sea Watch 3» im Hafen der Insel Lampedusa verlässt.
Nach ihrer Festnahme wird Rackete durch Polizisten von Bord ihres Schiffes geleitet. Bildrechte: dpa

Bundesaußenminister Heiko Maas kritisierte die Festnahme deutlich. "Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden", schrieb der SPD-Politiker im Kurzbotschaftendienst Twitter. Vor dem Hintergrund, dass Menschenleben zu retten eine "humanitäre Verpflichtung" sei, müsse die italienische Justiz die Vorwürfe nun schnell klären.

Salvini verbittet sich "Belehrungen"

Salvini twitterte zurück: "Italien akzeptiert Belehrungen von niemandem." Der Innenminister kommentierte die Festnahme Racketes mit den Worten: "Verbrecherische Kapitänin festgenommen, Piratenschiff beschlagnahmt, Höchststrafe für die ausländische Nichtregierungsorganisation." Zugleich warnte der Lega-Chef andere Hilfsorganisationen davor, Gerettete nach Italien zu bringen. Ziel sei es, "alle zurück auf den afrikanischen Kontinent zu bringen".

53 Migranten vor Libyen gerettet

Die "Sea Watch 3" hatte am 12. Juni 53 Menschen vor der Küste Libyens aus einem Schlauchboot übernommen. 13 von ihnen waren zwischenzeitlich an Land gebracht worden, die übrigen verließen am Samstagmorgen das Schiff und wurden in das Aufnahmelager auf Lampedusa gebracht. Fünf europäische Länder, darunter Deutschland, hatten am Freitag zugesagt, Flüchtlinge von Bord des Schiffes aufzunehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juni 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2019, 22:28 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

67 Kommentare

01.07.2019 13:28 Bockwurstland 67

Zitat
"Dazu entgegnete jetzt der italienische Innenminster Matteo Salvini auf Twitter:
„Wir ermutigen den deutschen Bundespräsidenten, sich erst um die Zustände in seinem eigenen Land zu kümmern, und vielleicht seine Bürger aufzufordern, italienisches Recht zu achten und die italienischen Polizeibeamten nicht zu gefährden!“
Laut einer Umfrage der italienischen Zeitung „Il Gionale“ lehnen 61 Prozent der Italiener die moralisierende Arroganz der deutschen NGO-Schlepper ab, die sich über italienisches Recht hinwegsetzt."

01.07.2019 09:10 Thomas Rohloff 66

Selbstverständlich hat sich die Dame der Unterstützung von Menschenhandel, wiederstand gegen die ital. Polizei sowie der Übertretung des Seerechts schuldig gemacht. Ein Kapitän, der Angst hat gehört nicht auf eine Kommandobrücke. Ich hoffe auf eine möglichst lange und intensive Haftstrafe. Böhmermann und Konsorten empfehle ich die Sammlung von Geldern für Bedürftige Rentner und Kinder hierzulande! Ich denke, der italienische Staat sollte hier hart bleiben, damit sogenannte „ private“ Hilfsorganisation ihre Lust auf Ihr illegales Treiben verlieren .

01.07.2019 08:23 Lilly 65

wenn die in 10 Jahren rauskommt ist er Klassenkampf zwischen Reich und Arm entschieden.

Da hat Carola dann andre Probleme.

01.07.2019 06:37 wwdd 64

In anderen Ländern gelten andere Gesetze als bei uns. Im Autoland Deutschland darf man mit 250 km/h über die Autobahn fahren. In Norwegen bekommt man dafür eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung, der Lappen ist weg und das Auto wird eingezogen. So ist das nun mal auf dieser Welt. Da nützen auch die Meinungen unserer Politiker nichts, denn diese Gesetze werden von Politikern dieser Länder gemacht.

30.06.2019 22:46 Anton 63

Ich sehe keine Gründe für Sorge. Nach 10 Jahren, vielleicht sogar früher, wird sie wieder frei. Sie wird kluger, erfahrener. Sie wird genug Zeit haben, um zu überlegen, ob es nicht besser ist, nach Gesetz zu handeln. Knast bringt nur Gutes für sie.

30.06.2019 21:52 007 62

@ MDR 60 ... Sorry ich korrigiere mich. Ich möchte ihnen keinesfalls eine Sympathie zu Schleppern unterstellen.

Muss heißen: Sie liebes MDR Team sollten auch bei aller VERMEINTLICHEN Sympathie für diese Aktionen objektiv- realistisch- u ehrlich bleiben ...

MfG 007

30.06.2019 21:42 Querdenker 61

Der Herr Böhmermann sammelt ja schon fleißig Geld.

Ich hoffe auf eine hohe Geldstrafe und am besten wäre, wenn diese dann der libyschen Küstenwache gespendet wird. So würden dann diese indirekten Schlepper indirekt die libyschen Küstenwache unterstützen.

siehe „tagesschau Libysche Küstenwache Unsere Botschaft: Wir bringen Euch zurück“ (11/2018)

Zitat: „Umso mehr ärgern die Beamten von der Küstenwache private Seenotretter, die ihnen aus ihrer Sicht ins Handwerk pfuschen. … … Kurz darauf taucht ein Schiff von Seawatch auf. Die Aktivisten nähern sich, bieten den Flüchtlingen an, sie aufzunehmen. Viele kehren um, springen gar von Bord zurück ins Wasser. Die Verheißung der deutschen Organisation: Wir bringen Euch nach Europa.“

Indirekte Schlepperei!

30.06.2019 21:22 007 60

@ 44 zu MDR Team.

Hi liebe MDR Redaktion, sie schreiben im Kom 44 an Peter; die juristische Bewertung würden italienische Gerichte vornehmen. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

Das ist wohl wahr. Aber für mich klingt das so eindeutig unschuldig. So als wäre die "Sea Watch"- mit ihrer Kapitänin/in versehentlich in den italienischen Hafen abgetrieben u diese Verhaftung wäre nur ein Irrtum. Hallo erst mal MDR, die Frau hat sich quasi mit Gewalt u einem Schiff voll illegaler Migranten Zufahrt in den italienischen Hafen verschafft. Das ist kein Kavaliersdelikt.

Sie liebes MDR Team sollten auch bei aller Sympathie für diese Aktionen objektiv- realistisch- u ehrlich bleiben ...

[Lieber 007,
wir haben nicht von Unschuld gesprochen und keine Sympathien geäußert. Einige Fakten sind klar. Frau Rackete wird sich nun dafür vor Gericht verantworten müssen und darf ihre Sicht der Dinge darlegen. Aus dem Gesamtbild wird die Justiz ein Urteil fällen. Erst nach einem Schuldspruch darf man jemanden als Verbrecher bezeichnen, darum ging es uns.
Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

30.06.2019 21:13 Frederic 59

Genau wie im Strassenverkehr gibt es die Rechte und Pflichten im Seeverkehr. Was diese Frau gemacht hat ist ein großer Fehler. Wenn die Hafenbehörde ein Einlaufen untersagt, ist dem FOLGE-ZU-LEISTEN. Was der Maas und der Steinmeier faseln ist blabla - nonnsens. Zudem ist nicht klar erkennbar, dass diese Leute auf dem Seelenverkäufer wirklich - bei der Aufnahme in Seenot waren !! Menschen aus Seenot retten ist eine humanitä- re Angelegenheit - aber wenn Menschen, warum auch immer, sich in Gefahr begeben - ist das KEINE SEENOT ! Es ist gewollt eine - angebliche - Rettung zu erzwingen !!
Wer sich wissentlich in Gefahr begibt, muss damit rechnen, in der GEFAHR sein Leben zu verlieren.

30.06.2019 19:55 Rumsdibums 58

Wenn sich Frau Rackete streng an internationales Seerecht gehalten hat kann ihr eigentlich nichts passieren. Sie hat jedoch einen Stock in das "Wespennest" der Mittelmeermigration gesteckt.
Warum veranlaßt Herr Böhmermann in diesem Zusammenhang Geldspenden zur finanziellen Absicherung von Frau Rackete, und nicht für die in der Vergangenheit durch Massenmigration in Italien der Verelendung anheim gefallenen Flüchtlinge?