Kapitänin Carola Rackete
Die frühere "Sea Watch"-Kapitänin Carola Rackete nach ihrer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Agrigent. Bildrechte: dpa

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft "Sea Watch"-Kapitänin Rackete in Italien erneut verhört

Warum lief "Sea Watch"-Kapitänin Rackete keinen libyschen oder tunesischen Hafen an? Diesen und anderen Fragen musste sich die Deutsche bei ihrer erneuten Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in Agrigent stellen. Die 31-Jährige rief nach dem Verhör die EU auf, eine Lösung für alle im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge zu finden.

Kapitänin Carola Rackete
Die frühere "Sea Watch"-Kapitänin Carola Rackete nach ihrer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Agrigent. Bildrechte: dpa

Die frühere deutsche "Sea Watch"-Kapitänin Carola Rackete ist am Donnerstag in Agrigent auf Sizilien erneut durch die italienische Staatsanwaltschaft verhört worden.

Viele Fragen zu beantworten

Agenturberichten zufolge sollte die 31-Jährige der Anklagebehörde unter anderem erklären, warum sie die Flüchtlinge aus dem Schlauchboot vor der libyschen Küste übernahm, ohne auf die libysche Küstenwache zu warten. Außerdem sollte sie erläutern, warum sie mit ihrem Schiff anschließend nicht einen libyschen oder tunesischen Hafen ansteuerte. Rackete wurde auch zu dem Vorwurf angehört, Anordnungen eines Kriegsschiffs nicht Folge geleistet zu haben.

Rackete schildert ihre Sicht der Dinge

Das von Sea Watch zur Verfügung gestellte Foto zeigt Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der «Sea Watch 3», als sie von der Polizei eskortiert, das Rettungsschiff «Sea Watch 3» im Hafen der Insel Lampedusa verlässt.
Nach ihrer Einfahrt in den Hafen von Lampedusa wurde Rackete zunächst festgenommen. Bildrechte: dpa

Rackete, deren Anhörung von einem großen Medienrummel begleitet wurde, sagte nach ihrer Vernehmung, sie habe den Strafverfolgern die Geschehnisse beim Rettungseinsatz dargelegt. "Ich bin sehr froh, die Gelegenheit bekommen zu haben, die Umstände der von uns am 12. Juni durchgeführten Rettung im Detail zu schildern", sagte Rackete beim Verlassen des Justizpalastes.

Appell an die EU-Staaten

Zugleich appellierte Rackete, die mittlerweile nicht mehr Kapitänin der "Sea-Watch 3" ist, erneut an die EU, gemeinsam daran zu arbeiten, künftig alle im Mittelmeer geretteten Menschen in Europa aufzunehmen: "Ich hoffe wirklich, dass die nun vom Parlament gewählte Europäische Kommission ihr Bestes tun wird, um die Wiederholung einer solchen Situationen zu verhindern."

Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Migration

Ein italienisches Motorboot der Grenzpolizei liegt im Hafen von Lampedusa, nachdem es von dem Rettungsschiff «Sea-Watch 3» gerammt wurde, als dieses zum Pier auf Lampedusa zusteuerte.
Dieses Motorboot der italienischen Finanzpolizei touchierte Rackete bei ihrer illagalen Einfahrt in den Hafen von Lampedusa. Bildrechte: dpa

Die italienische Staatsanwaltschaft wirft der 31-Jährigen Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor sowie das Eindringen in italienische Gewässer trotz eines offiziellen Verbots. Außerdem soll sie Wiederstand gegen ein Kriegsschiff geleistet haben.

Die aus Niedersachsen stammende Kapitänin war Ende Juni mit Dutzenden Migranten an Bord ohne Erlaubnis der Regierung in Rom in italienische Gewässer und in den Hafen von Lampedusa gefahren. Dabei hatte sie ein Schiff der Finanzpolizei, die zu den Streitkräften gehört, leicht gerammt. Im Falle einer Verurteilung droht ihr eine mehrjährige Haftstrafe.

Nach erster Anhörung aus Hausarrest entlassen

Bei einer ersten Anhörung am 2. Juli hatte eine Untersuchungsrichterin den Vorwurf, die Kapitänin habe beim unerlaubten Anlegen Widerstand und Gewalt gegen ein Kriegsschiff angewendet, als weniger schwerwiegend als die Notwendigkeit erachtet, die geretteten Flüchtlinge in einen sicheren Hafen zu bringen. Daraufhin war Rackete aus dem Hausarrest entlassen worden.

Berufung gegen Freilassung eingelegt

Die Staatsanwaltschaft von Agrigent legte am Mittwoch gegen die Freilassung Berufung vor dem Kassationshof in Rom ein, dem höchsten Gericht Italiens. Damit will sie klären, wie Italien mit Seenotrettungsschiffen umgehen kann, die trotz Verbots in italienische Gewässer einfahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juli 2019 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2019, 19:37 Uhr

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25 Kommentare

20.07.2019 19:50 Ralf Schulz 25

Hören Sie bitte auf diese Frau als Kapitänin zu bezeichnen. Bleiben Sie bei der Wahrheit. Sie ist nicht im Besitz des kapitänpatents.

20.07.2019 10:58 Theophanu 24

Wollen wir hoffen, dass Frau Rackete eine gerechte Strafe bekommt.
P.S. Ich verstehe nicht, weshalb die MDR-Moderation so hartnäckig das Wirken des Vaters für die Rüstungsindustrie klein reden will. Ist das eine Anweisung von oben?

[Lieber Theophanu,
wir wollen nichts kleinreden. Wir widersprechen lediglich falschen Behauptungen. Rüstungsindustrie ja, Waffenhändler nein - ganz einfach.
Beste Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

19.07.2019 17:15 Hossa 23

@ 22 MDR - Redaktion
Diese Firma stellt u.a.Schutzsysteme für Waffen her.
Folglich lebt diese Firma davon das Waffen produziert und verkauft werden.
Auch wenn sie selbst keinen Waffenhandel betreibt.

[Sehr geehrter Nutzer, bitte kehren Sie zum Thema zurück. Es geht nicht um die Firma, in der der Vater von C. Rackete beratend tätig ist, sondern um C. Rackete. Kommentare ohne Themenbezug werden gemäß unserer Netiquette nicht freigegeben. Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

19.07.2019 13:12 Hossa 22

@ 17 MDR Redaktion
Racketes Vater profitiert glasklar von Waffenverkäufen.
Oder berät er etwa die Firma wie sie möglichst ihre Waffen nicht verkaufen kann?

[Lieber Hossa,
da besagte Firma nicht mit Waffen handelt, ergibt diese Frage keinen Sinn. Des Weiteren spielt es keine Rolle, da es im Artikel nicht um den Vater von C. Rackete geht und unser Justizsystem auch keine Sippenhaftung vorsieht.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

19.07.2019 11:20 sh 21

@mdr, vielen Dank für die Information über den Vater von C. Rakete. Und nun zum entscheidenden Punkt, wenn ,wie es ja von einschlägiger Seite immer gefordert wird, wir eine wirkliche Erinnerungskultur hätten und aus unserer Geschichte gelernt hätten, dann würde eben dieser Vater kein Geld in der Waffenindustrie verdienen, weil es diese gar nicht geben dürfte. Vielleicht kennen sie den Spruch aus der Zeit nach dem Krieg nicht, aber mein Opa hat ihn mir mehrfach gepredigt. "Jedem Deutschen, der nochmal Waffen anfasst, sollen die Hände abfallen" Gut, ganz so geht es in der Praxis nicht, unsere Polizei und Bundeswehr braucht sicher Waffen, aber liefern, noch dazu an die Länder, die uns dann die Flüchtlinge besorgen, das ist schlichtweg Heuchelei und dazu gehört auch diese Frau.

19.07.2019 11:00 Dieter 20

Verehrte MDR-Moderation,
Racketes Vater verdient sein Geld bei einem Unternehmen der Rüstungsindustrie, also das sein Geld mit Waffenkäufen verdient. Da hat Marlies schon Recht.
Der Vater trägt zur Schaffung von Fluchtursachen bei, die Tochter trägt zur Organisation der Flucht bei- eine Art Familienunternehmen.--
Ich erwarte vom MDR etwas mehr kritische Distanz zu solchen zwielichtigen Akteuren wie Rackete.

[Lieber Dieter,
unsere Ausführungen haben nichts mit mangelnder "kritische Distanz" zu tun, sondern sind schlicht Fakten.

Laut Waffengesetz sind Waffen
"1.
Schusswaffen oder ihnen gleichgestellte Gegenstände und
2.
tragbare Gegenstände,
a)
die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, insbesondere Hieb- und Stoßwaffen;
b)
die, ohne dazu bestimmt zu sein, insbesondere wegen ihrer Beschaffenheit, Handhabung oder Wirkungsweise geeignet sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, und die in diesem Gesetz genannt sind." https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/BJNR397010002.html

Dies trifft auf der Produkte des Unternehmens nicht zu.
Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

19.07.2019 09:57 frank d 19

@13 ExThüringerin: Die Frage ob die Frau Rackete Inhaber eines Kapitänspatentes ist, beantworten ihre Ausführungen keinesfalls und ihre geborgte Expertise kann ich auch toppen mein Schwager ist Kapitän, mit Patent, auf großer Fahrt. Aber Anyway würden sie mir bitte erläutern was Frau Rackete und die Greta erreicht haben? wollen sie Greta etwa zugute halten, dass sie selber gar nicht mehr zur schule geht und tausende andere zu gleichem tun auffordert? Was wenn das Klima nicht spurt? streiken sie dann von Montag bis Freitag durch? Dumm bleiben für den Klimaschutz? Sapere aude PS: nicht immer ist die schönste Meinung auch die richtige

19.07.2019 08:50 frank d 18

@ schmachulke: sie haben das Gefühl das der MD sachlich korrekt über die "Seenotretter" berichtet? Wie kommt es eigentlich das Skipper Reisch entgegen allen Prophezeiungen in Malta verurteilt wurde? Unter anderem weil sein Schiff zu groß war für den Sportbootschein See! Schaum vor dem Mund werden sie bei mir nicht sehen, es ist Ironie und Zynismus. Ihnen sei empfohlen sich auch aus Internationalen Medien zu informieren, nicht das sie am ende ganz überrascht sind und von nix gewusst haben. Sapere aude PS eine Frage stelle ich den bewegten ja sehr gerne. wie viele Bürgschaften haben sie eigentlich unterzeichnet? das ist ein ganz legaler Weg, Sie oder Frau Rackete können helfen solange ihr einkommen reicht. allerdings möchte das niemand alle fordern nur dritte andere sollten doch gefälligst helfen. Pharisäer nennt man solche Menschen. Bezeichnend das sie mit Kritik nicht umgehen können. Sapere Aude

19.07.2019 08:00 Marlis 17

Ich bin dafür das. Carola verurteilt wird wegen schlepperei, denn sie hatte von der lyrischen Küstenwache Einfahrt dort erhalten und ich glaube gelesen zu haben von Tunesien auch. Außerdem hat sie Menschen in Lebensgefahr gebracht von der italienischen Polizei. Es wurde ihr auch per Urteil vom Europ. Gerichtshof untersagt und sie hielt sich nicht daran. Das schlimmste ist ihr Vater handelt mit Waffen also was denkt man sich dabei.

[Liebe Marlis,
Racketes Vater handelt nicht mit Waffen, diese Aussage ist falsch .Er ist als Berater bei einem Unternehmen namens Mehler Engineered Defence GmbH, welches u.a. Schutzsystemen für Waffen, Panzer und Kriegsschiffe herstellt. Es handelt sich dabei zwar um Produkte aus der Rüstungsindustrie, jedoch stimmt es nicht, dass er Geld mit Waffenverkäufen verdiene.
Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

19.07.2019 06:50 Mustermann 16

@konstanze: Hier muss es wohl sogar schon APP's geben die den Flüchtlingen (und dann wahrscheinlich auch Schleppern) den Standort der "Rettungsboote" anzeigt. Inwieweit das als Verbindung gelten kann, mag ich nicht zu beurteilen. D.W. hab ich so eine APP auch noch nicht persönlich gesehen...ich hab das nur gehört.