Nach Beschlagnahmung Italien gibt Hilfsschiff "Sea-Watch 3" wieder frei

Nach rund zwei Wochen im Hafen darf die "Sea-Watch 3" wieder in See stechen. Die italienischen Behörden hatten das Schiff beschlagnahmt, nachdem es 65 Migranten vor der Küste Libyens aus Seenot gerettet und nach Italien gebracht hatte. Am Samstag teilte die deutsche Hilfsorganisation über Twitter mit, dass das Schiff freigegeben wurde.

von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Rund zwei Wochen lag die "Sea-Watch 3" im Hafen von Licata auf Sizilien fest – jetzt ist das Schiff der privaten Seenotrettungsorganisation "Sea-Watch" wieder frei. Die italienischen Behörden hatten das Schiff vorübergehend konfisziert, um zu prüfen, ob gegen Gesetze verstoßen wurde. Dieser Verdacht habe sich nicht erhärtet, sagte Ruben Neugebauer, der Sprecher der NGO, dem ARD-Studio Rom.

Lebensrettung sei kein Verbrechen; die Besatzung der "Sea-Watch" halte sich strikt ans Seerecht, wenn sie Menschen aus Seenot rette und an einen sicheren Hafen bringe, so Neugebauer. Er freue sich, dass in Italien offenbar die Verfassung immer noch mehr zähle als ein twitternder Minister. Neugebauer spielt dabei auf den italienischen Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega an. Der hatte auf Twitter unter anderem gefordert, dass der Kapitän der Sea-Watch verhaftet werde.

Fortführung der Ermittlungen gegen Kapitän unklar

Gegen den Kapitän waren Ermittlungen wegen einer möglichen Begünstigung illegaler Einwanderung aufgenommen worden. Ob diese Ermittlungen nun gleichzeitig mit der Freigabe des Schiffes eingestellt wurden, ist noch unklar. Die "Sea-Watch" wird voraussichtlich in der kommenden Woche wieder auslaufen. Vorher müsse man noch die Vorräte aufstocken und die Crew wieder einfliegen, so Neugebauer. Man versuche, so schnell wie möglich wieder ins Einsatzgebiet zu kommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juni 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2019, 18:04 Uhr