Die Sea-Watch 3
Die "Sea-Watch 3" will trotz Verbot in Italien anlegen. Bildrechte: dpa

"Keine anderen Optionen mehr" Sea-Watch steuert trotz Verbot italienische Küste an

Die "Sea-Watch 3" steuert auf die italienische Küste zu, obwohl die Regierung vor Ort das Anlegen auf Lampedusa verboten hat. Vor zwei Wochen hatte die Besatzung mehr als 50 Menschen aus Seenot gerettet. Viele harren aber noch immer auf dem Schiff aus.

Die Sea-Watch 3
Die "Sea-Watch 3" will trotz Verbot in Italien anlegen. Bildrechte: dpa

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" hat den Notstand erklärt und steuert trotz Verbots auf das italienische Lampedusa zu.

Carola Rackete, deutsche Kapitänin der Sea-Watch 3
Carola Rackete, deutsche Kapitänin der Sea-Watch 3 Bildrechte: dpa

Die Kapitänin Carola Rackete twitterte, sie habe beschlossen, die 42 Geretteten, die seit zwei Wochen an Bord des Schiffes ausharren, in Sicherheit zu bringen. Sprecher Ruben Neugebauer beschrieb die Lage an Bord als verzweifelt: "Wir hatten schon die ganze Zeit die Situation, dass Menschen über Bord springen wollten".

Sea-Watch: "Keine anderen Optionen"

Die italienische Regierung hatte verboten, dass das Schiff in einem italienischen Hafen anlegt. Mit der Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer drohen die Beschlagnahmung des Schiffes und Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro.

Am Dienstag waren die Seenotretter vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mit einem Eilantrag gescheitert. Sie wollten erzwingen, dass die Flüchtlinge von Bord gehen dürfen.

"Wir entern italienisches Gewässer, weil wir keine anderen Optionen mehr haben, um die Sicherheit unserer Gäste zu gewährleisten, deren grundlegenden Rechte lange genug verletzt worden sind", erklärte der Sea-Watch-Vorsitzende Johannes Bayer nach dem Gerichtsbeschluss.

"Wir haben Menschen an Bord, die Gräuel in Libyen durchgemacht haben, die schwer gefoltert wurden, aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre, muss jede aus See gerettete Person dem Gesetz zufolge an einen sicheren Ort gebracht werden."

Italiens Innenminister hält an harter Linie fest

Italiens Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini bekräftigte seine harte Linie; er wolle an dem Verbot festhalten. Er forderte das Schiff auf, nach Tunesien zu fahren. Dort herrsche kein Krieg. Schiffe, die Migranten an Bord nähmen, müssten den nächstgelegenen Hafen ansteuern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juni 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 19:07 Uhr