Flüchtlinge stehen am Bug des Rettungsschiffes Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline.
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"Lifeline": Logbuch einer umstrittenen Mission Logbuch: September bis Dezember 2018

Krisen, Kriege, Katastrophen: Nie waren weltweit mehr Menschen auf der Flucht – viele mit dem Ziel Europa. Die EU streitet seit Jahren über die Aufnahme der Geflüchteten. In Deutschland spaltet die Flüchtlingsfrage Politik und Gesellschaft. Mitten in diesen Konflikt ist das Schiff einer Dresdner Hilfsorganisation gesteuert. Die "Lifeline" will in Seenot geratene Menschen retten. Kritiker werfen den Helfern vor, Schlepper zu unterstützen. Was rund um das Seenotrettungsschiff passiert:

Flüchtlinge stehen am Bug des Rettungsschiffes Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline.
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30. Dezember | Weiteres deutsches Schiff rettet Migranten im Mittelmeer

Die deutsche Hilfsorganisation "Sea-Eye" hat mehrere Migranten aus dem Mittelmeer gerettet. 17 Menschen, darunter eine Frau, seien am Samstag in internationalen Gewässern vor Libyen aufgenommen worden, teilte die Regensburger Organisation mit. Das Forschungsschiff "Professor Albrecht Penck" fahre unter deutscher Flagge und sei nun auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Daneben ist seit Tagen auch noch die "Sea-Watch 3" der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Watch" mit mehr als 30 geretteten Migranten auf dem Mittelmeer unterwegs. "Es ist Zeit für die deutsche Regierung, Verantwortung zu übernehmen: Zwei Schiffe brauchen einen sicheren Hafen", twitterte Sea-Watch. Bisher hat den Schiffen kein Land eine Landeerlaubnis gegeben.

28. Dezember | Rettungsschiff mit mehr als 300 Migranten in Spanien eingetroffen

Ein Rettungsschiff mit mehr als 300 Migranten an Bord ist nach einwöchiger Fahrt auf dem Mittelmeer in Spanien eingetroffen. Die "Open Arms" lief am Freitag in den Hafen von Campamento bei Algeciras im Süden des Landes ein, wie Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten. Italien und Malta hatten sich zuvor erneut geweigert, die von der privaten spanischen Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" geretteten Menschen an Land zu lassen.

Wie früher in ähnlichen Fällen erklärte Spanien sich daraufhin bereit, die Menschen aufzunehmen. Für das Rettungsschiff der deutschen Organisation "Sea-Watch" löste sich die Situation unterdessen noch nicht: Die Seenotretter warteten auch am Freitag mit 32 Geretteten an Bord, dass ihnen ein Anlandehafen zugewiesen wird.

28. Dezember | Berlin will Flüchtlinge der "Sea-Watch" aufnehmen

Das Land Berlin hat sich bereiterklärt, in Seenot geratene Flüchtlinge des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" aufzunehmen. Die Ausländerbehörde habe Kontakt mit dem Bundesinnenministerium aufgenommen, teilte der Chef der Senatskanzlei, Christian Gaebler (SPD), am Freitag mit. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte, neben Berlin hätten sich auch andere Städte zur Aufnahme bereiterklärt. Die Entscheidung, ob die Geretteten nach Deutschland kämen, liege aber letztendlich beim Bund. Das Innenministerium setze jedoch auf eine europäische Lösung der Flüchtlingsfrage und eine Verteilung auf die unterschiedlichen Mitgliedsstaaten.

27. Dezember | Sea-Watch: Deutschland soll 32 gerettete Bootsflüchtlinge aufnehmen

Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 3" sucht weiter nach einem Aufnahmeland für 32 im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge. "Das Schiff bleibt im Mittelmeer gestrandet", erklärte die Berliner Organisation Sea-Watch am Donnerstag. Die Flüchtlinge seien am Samstag vor dem Ertrinken gerettet worden und hätten Weihnachten auf See verbringen müssen. Darunter seien vier Frauen, drei unbegleitete Minderjährige und ein Baby. Man hoffe dringend auf eine Lösung vor dem Jahreswechsel.

Die fünf Länder Italien, Malta, Spanien, die Niederlande und Deutschland weigerten sich bislang, die Geretteten aufzunehmen. Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer sagte dem Evangelischen Pressedienst, das Schiff befinde sich zwischen Malta, Italien und Libyen. Er appellierte besonders an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), eine Aufnahme nicht für populistische Zwecke zu blockieren. Sobald eine Zusage aus Deutschland vorliege, könnten die Menschen in Malta an Land gebracht werden.

23. Dezember | Hilfsorganisationen retten 344 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer

Im Mittelmeer wurden nach Angaben der privaten Seenotretter der Hilfsorganisation "Sea-Watch" seit Freitag 344 Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet, berichtet der Evangelische Pressedienst. So habe allein die "Sea-Watch 3" am Samstag 33 Schiffbrüchige aufgenommen. Von der Bundesregierung forderten die Seenotretter für die Geretteten eine Lösung noch vor Weihnachten. Am Freitag seien zudem 311 Schiffbrüchige von der spanischen "Open Arms" gerettet worden. Während die "Open Arms" unterwegs nach Spanien sei, werde der "Sea-Watch 3" nach wie vor ein sicherer Hafen verweigert, erklärte die Hilfsorganisation weiter. Den Geretteten drohe nun, Heiligabend auf dem Mittelmeer verbringen zu müssen, da bislang kein europäischer Staat bereit sei, die Menschen aufzunehmen.

22. Dezember | Mehr als 300 Migranten im Mittelmeer von deutscher NGO gerettet

Private Seenotretter im Mittelmeer haben mehr als 300 Migranten an Bord ihres Rettungsschiffs genommen. Auch ein wenige Tage altes Baby sei gerettet worden, erklärte die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms am Freitagabend auf Twitter. Die Menschen seien auf drei verschiedenen Booten unweit der libyschen Küste unterwegs gewesen. "So ist Weihnachten auf dem Mittelmeer", schrieb die Hilfsorganisation dazu.

In welches Land die Geretteten gebracht werden können, war zunächst unklar. Der italienische Innenminister Matteo Salvini erklärte, die Häfen des Landes seien für zivile Schiffe erneut "geschlossen". Das Neugeborene wurde wegen seines Gesundheitszustands bereits in der Nacht per Hubschrauber nach Malta ausgeflogen, erklärte die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch.

20. Dezember | Zwölf tote Migranten auf Boot vor Spaniens Küste entdeckt

Mindestens zwölf Migranten sind bei dem Versuch ums Leben gekommen, von Nordafrika aus über das Mittelmeer die südspanische Küste zu erreichen. Die spanische Seenotrettung habe am Donnerstag 33 Menschen lebend von einem Boot im Alborán-Meer gerettet, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Einsatzkräfte. An Bord sei aber auch ein Dutzend Leichen entdeckt worden, darunter zwei Frauen, eine von ihnen schwanger, teilte das Rote Kreuz auf Twitter mit.

Das Boot war am Dienstag von Marokko aus in See gestochen. Zwölf weitere Menschen werden den Angaben zufolge noch im Meer vermisst. Die Überlebenden und Toten wurden in die Hafenstadt Almería in Andalusien gebracht.

18. Dezember | "Lifeline"-Kapitän: Prozess ist Teil einer Kriminalisierungsstrategie

Gut fünfeinhalb Monate nach Beginn des Prozesses gegen den Kapitän des Dresdner Flüchtlingsrettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist der Angeklagte vor Gericht in Malta erstmals zu Wort gekommen. "Ich hatte eineinhalb Stunden Zeit, um meine Sicht der Dinge zu erklären", sagte Reisch nach der Verhandlung im maltesischen Valletta am Dienstag auf Twitter. Er habe ausgesagt, dass er bei der Registrierung des Schiffes keinen Fehler erkennen könne.

Der 57-jährige Bayer zeigte sich erleichtert, dass der Prozess nun vorankomme, nachdem er zuvor bereits fünfmal "für mehr oder weniger nichts" in die maltesische Hauptstadt gereist sei. Dies sei Zeit- und Geldverschwendung gewesen, erklärte der Kapitän. Die Verhandlung wird demnach am 11. Januar fortgesetzt.

Auf Twitter bezeichnete Reisch den Prozess nach dem Termin am Dienstag als «Farce» und «Teil einer Kriminalisierungsstrategie. "Die EU bricht täglich das Völkerrecht", erklärte Reisch. Die Strategie der Union sei es, "Menschen ertrinken zu lassen oder in Folterlager zurückzuschieben". Alle, die diese Strategie durchkreuzten, seien ihr ein Dorn im Auge, schrieb der Kapitän.

17. Dezember | Fortstzung der Verhandlung gegen "Lifeline"-Kapitän

Der Prozess gegen den "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch wird am Dienstag fortgesetzt. Reporter Thomas Datt ist auf Malta und begleitet das Verfahren. "Mission Lifeline"-Sprecher Axel Steier sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), bei dem Termin solle die Organisation Gelegenheit bekommen, weitere Beweise vorzulegen. Im Anschluss habe die Staatsanwaltschaft bis zu 14 Tage Zeit für ihre Erwiderung. Danach - im neuen Jahr - solle das Urteil fallen.

12. Dezember | Flüchtlingshelferin Sarah Mardini "schockiert" über U-Haft in Griechenland

Die in Deutschland lebende syrische Flüchtlingshelferin Sarah Mardini hat sich entsetzt über ihre Untersuchungshaft in Griechenland geäußert. "Ich bin ein bisschen schockiert über das, was passiert ist, und über die Geschwindigkeit, mit der das alles passiert ist", sagte die 23-Jährige am Mittwoch nach ihrer Rückkehr nach Berlin.

"Ich wurde festgenommen, weil mir Menschenschmuggel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wurde." Dabei habe sie nur "Flüchtlinge retten" wollen. Mardini und ihre Schwester, die Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini, waren im Jahr 2015 aus Syrien geflohen. Als das Boot in Seenot geriet, schwammen Sarah und Yusra stundenlang und zogen das Boot mit seinen 18 Insassen an einem Seil hinter sich her. Danach ließen sich beide in Berlin nieder.

Yusra Mardini nahm 2016 als Mitglied einer Flüchtlingsmannschaft an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil und wurde so weltbekannt. Sarah Mardini engagierte sich für die Hilfsorganisation Emergency Response Centre International (ERCI). Ende August wurde sie auf Lesbos zusammen mit weiteren Aktivisten wegen des Verdachts der illegalen Flüchtlingshilfe festgenommen.

Nach mehr als drei Monaten im Gefängnis kam sie Anfang Dezember gegen Zahlung einer Kaution aus der Untersuchungshaft frei. Das Ermittlungsverfahren gegen sie wird aber fortgesetzt. Die griechischen Behörden werfen Mardini und den anderen Aktivisten vor, Migranten bei der Einreise nach Griechenland geholfen und dabei auch mit organisierten Schleppern zusammengearbeitet zu haben. Die Beschuldigten weisen die Anschuldigungen zurück. Mardinis Anwalt Zacharias Kesses warf den griechischen Behörden vor, die Arbeit der Flüchtlingshelfer auf Lesbos "kriminalisieren" zu wollen.

11. Dezember | Gegen das Sterben im Mittelmeer: EU-Parlament fordert humanitäre Visa

Schutzsuchende sollen nach dem Willen des EU-Parlaments mithilfe von humanitären Visa legal und sicher in die EU kommen können, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. In einem am Dienstag mit großer Mehrheit angenommenen Bericht forderten die Abgeordneten die EU-Kommission dazu auf, bis 31. März 2019 einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorzulegen. EU-Staaten sollten humanitäre Visa in ihren Botschaften und Konsulaten im Ausland ausstellen dürfen, heißt es in dem Bericht. Mit diesen Visa sollen Asylsuchende in das Land reisen dürfen, das die Papiere ausgestellt hat, um dort Schutz beantragen zu können.

Das EU-Parlament will so erreichen, dass weniger Menschen im Mittelmeer und auf anderen Flüchtlingsrouten nach Europa sterben. Außerdem soll Schleusern das Handwerk gelegt werden. Nach Schätzungen des Parlaments erreichen heute neun von zehn Asylsuchenden die EU auf illegalem Wege.

11. Dezember | Ärzte ohne Grenzen: Regierungen sabotieren Rettung im Mittelmeer

Die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen (MSF), Joanne Liu, hat den europäischen Regierungen eine Mitschuld für den Tod von Tausenden Menschen im Mittelmeer gegeben. Sie sabotierten private Seenotretter vor der libyschen Küste und "verschwören" sich damit gegen Such- und Rettungsaktionen, sagte Liu auf der UN-Migrationskonferenz im marokkanischen Marrakesch am Dienstag.

Liu kritisierte auch das erzwungene Ende der Einsätze des Schiffes "Aquarius", auf dem auch MSF an der Rettung Zehntausender Menschen seit 2016 beteiligt war. "Leben zu retten, ist kein Verbrechen", sagte Liu. Die rechte italienische Regierungspartei Lega wirft den NGOs dagegen unter anderem vor, sie unterstützten mit ihren Einsätzen das Geschäft von Menschenschleppern.

10. Dezember | Seenotretter Reisch wünscht sich weiter die Vatikanflagge

Trotz einer ersten Absage hofft Kapitän Claus-Peter Reisch auf den Vatikan als neuen Flaggenstaat für sein in Malta festsitzendes Seenotrettungsschiffm, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. "Ich denke, es wäre ein ganz starkes Zeichen der Kirche, zu zeigen: Wir unterstützen diese humanitären Einsätze", sagte Reisch. Er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, sein Anliegen im Vatikan persönlich vortragen zu dürfen, so der Kommandant der "Lifeline".

10. Dezember | Tag der Menschenrechte: Seenotretter erinnern an ertrunkene Flüchtlinge

Mit 800 Traueranzeigen erinnern die Seenotretter von Sea-Watch zum "Tag der Menschenrechte" an Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrunken sind. Unter dem Hashtag #UnsereToten würden die Anzeigen über 24 Stunden hinweg in sozialen Medien und verschiedenen Tageszeitungen veröffentlicht, erklärte die Hilfsorganisation am Montag in Berlin. Damit solle der Menschen gedacht werden, die seit der Schließung italienischer Häfen für zivile Rettungsschiffe im Juni ertrunken seien.

Sea-Watch bezieht sich auf Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM), wonach seitdem 800 Flüchtlinge im zentralen Mittelmeer ihr Leben verloren. Die Dunkelziffer liege aber wahrscheinlich weit höher, betonten die Seenotretter. Da die Identität der allermeisten Toten unbekannt sei, stützten sich die Anzeigen statt auf Namen auf fiktive Beschreibungen.

Die Aktion sei auf den Tag der Menschenrechte am 10. Dezember gelegt worden, weil die Tragödie im Mittelmeer keine Flüchtlingskrise widerspiegele, sondern eine Krise der Menschenrechte.

8. Dezember | Barley bedauert Aus für Rettungsschiff

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) bedauert das Aus für den Einsatz des Seenotrettungsschiffs "Aquarius". Das Schiff verdeutliche symbolisch das Sterben im Mittelmeer, sagte die Politikerin dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Die "Aquarius" stehe auch für ein besseres, menschliches Europa, sagte die designierte SPD-Europaspitzenkandidatin Barley. "Wer auf See Leben rettet, verdient Respekt und nicht Schikane und Kriminalisierung."

7. Dezember | UN rufen zu verstärkter Seenotrettung im Mittelmeer auf

Die Vereinten Nationen rufen zu verstärkter Seenotrettung im Mittelmeer auf. Auch nichtstaatliche Organisationen müssten die Möglichkeit haben, in koordinierter Absprache Such- und Rettungsmaßnahmen auszuweiten, erklärte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Freitag in Genf. Vorrang müsse immer haben, Leben zu retten. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte warnte davor, Hilfe für Migranten zu kriminalisieren. Wenn immer weniger Schiffe von Staaten und Hilfsorganisationen im Mittelmeer unterwegs seien, bedrohe dies das Überleben von Migranten, so eine Sprecherin.

7. Dezember | Flüchtlingsrettungsschiff "Aquarius" stellt Mission endgültig ein

Nach massivem Druck aus der Politik stellt das Flüchtlingsrettungsschiff "Aquarius" seine Mission im Mittelmeer endgültig ein. Die Entscheidung sei "äußerst schwierig" gewesen und die Folge "dauernder Attacken" auf die Einsätze, erklärte am Donnerstag der Geschäftsführer der Hilfsorganisation SOS Méditerranée, Frédéric Penard.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, der zweite Betreiber der "Aquarius", sprach von einem "finsteren Tag". SOS Méditerranée bemüht sich aber bereits um ein neues Schiff. Panama hatte der "Aquarius" Ende September auf Betreiben Italiens die Flagge entzogen. Das Schiff hing seitdem im Hafen der südfranzösischen Stadt Marseille fest. Später beantragten zudem die italienischen Behörden die Beschlagnahmung der "Aquarius" wegen angeblicher Fehler bei der Entsorgung von Bordabfällen.

Das Ende unserer Einsätze an Bord der 'Aquarius' bedeutet mehr Tote im Meer.

Nelke Manders Generaldirektorin von Ärzte ohne Grenzen

Trotz aller Anstrengungen gebe es zunächst kein einziges Flüchtlingsrettungsschiff von Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer mehr. Dabei seien allein in diesem Jahr 2133 Menschen auf der Flucht über das Meer ums Leben gekommen, sagte Manders weiter.

5. Dezember | 15 Migranten sterben nach Odyssee auf Mittelmeer

Mindestens 15 Migranten sind nach Angaben der libyschen Küstenwache nach tagelanger Odyssee auf dem Mittelmeer gestorben. Das Boot war nach dem Ablegen vor zwölf Tagen ohne funktionierenden Motor und bei schlechten Wetterbedingungen auf dem Wasser getrieben, sagte Sprecher Ajub Kasim der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Dann sei es nahe der Stadt Misrata an die Küste gespült worden.

Zehn der ehemals 25 Menschen an Bord hätten überlebt, die übrigen seien verhungert oder verdurstet. Das Mittelmeer zu überqueren ist für Migranten zuletzt deutlich gefährlicher geworden. Zwischen Januar und Juli 2018 kam nach UN-Angaben jeder 18. Flüchtling ums Leben, im September war es bereits jeder achte.

Das UNHCR erklärt die hohe Todesrate mit der geringen Präsenz von zivilen Rettungsschiffen vor der libyschen Küste. 2018 starben mehr als 2000 Menschen im Mittelmeer, rund 1280 davon auf der zentralen Route zwischen Libyen und Italien.

4. Dezember | "Lifeline"-Kapitän wird mit Menschenrechtspreis geehrt

Der Kapitän der "Lifeline" wird von der Österreichischen Liga für Menschenrechte mit dem Menschenrechtspreis 2018 geehrt, wie ein Sprecher von „Mission-Lifeline“ gegenüber MDR-exakt bestätigte. "Claus-Peter Reisch, hat als Kapitän der ,Lifeline' flüchtende Menschen aus Seenot gerettet, was ihm auf Malta ein Strafverfahren eingebracht hat", erklärte die Präsidentin der Liga für Menschenrechte, Barbara Helige. Trotzdem gebe er nicht klein bei. "In einer Zeit, in der die Politik - europaweit, aber besonders auch in Österreich - menschenverachtende Tendenzen fördert, rettet Claus-Peter Reisch an der Spitze seines Teams nicht nur Menschenleben, sondern gibt all jenen Mut, die auch nicht nur zuschauen wollen." 

Claus-Peter Reisch: "Diese Auszeichnung der Österreichischen Liga für Menschenrechte ehrt mich sehr und ich nehme sie im Namen der ,Mission Lifeline' und meiner gesamten Besatzung entgegen. Als Schiffskapitän ist es meine Pflicht, jedem zu Hilfe zu eilen, der auf See in Not gerät - da muss ich nicht lange überlegen und bin sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Schließlich kann man niemanden - egal woher er kommt - ertrinken lassen."

Die Österreichische Liga für Menschenrechte ist die älteste österreichische Menschenrechtsorganisation. Sie wurde 1926 als Teil der Internationalen Liga für Menschenrechte gegründet und setzt sich für die Umsetzung und Einhaltung der Menschenrechte ein.

3. Dezember | Bern verweigert Schweizer Fahne für Flüchtlingsrettungsschiff "Aquarius"

Das Flüchtlingsrettungsschiff "Aquarius" darf seine Mission nicht unter Schweizer Flagge ausführen. Die Regierung in Bern lehnte am Montag einen entsprechenden Vorstoß aus dem Parlament ab und erklärte, für die Seenotrettung im Mittelmeer sei ein koordinierter und langfristiger Ansatz aller europäischer Staaten erforderlich, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Ein Boot mit Flüchtlinge schwimmt vor der libyschen Küste neben dem Seenotrettungsschiff Aquarius 2 der Hilfsorganisation SOS Méditerranée.
Das Rettungsschiff "Aquarius". Bildrechte: Maud Veith/SOS Mediterranee/dpa

Vier Abgeordnete hatten die Regierung aufgefordert, die "Aquarius" aus humanitären Gründen unter Schweizer Flagge fahren zu lassen, wie es nach dem Seeschifffahrtsgesetz möglich wäre. Doch die Schweizer Regierung, der Bundesrat, sah sich nach eigenen Angaben "unter den gegebenen Umständen nicht in der Lage, die Ausnahmeklausel des Seeschifffahrtsgesetzes für das Seeschiff 'Aquarius' anzuwenden". Panama hatte dem von den Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée betriebenen Schiff die Flagge entzogen.

Die Abgeordneten hatten ihren Antrag damit begründet, dass die "Aquarius" ihren Betrieb einstellen müsse, falls kein anderes Land als Flaggenstaat einspringe.Der Nationalrat Kurt Fluri von der Partei FDP.Die Liberalen erinnerte daran, dass das Schiff seit 2016 rund 29.000 Migranten vor dem Ertrinken gerettet habe. Aline Trede von den Grünen wies darauf hin, dass die "Aquarius" das einzige verbliebene nichtstaatliche Such- und Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer sei. Dort seien seit Jahresbeginn mehr als 1250 Menschen ertrunken.

3. Dezember | Wintergefahr Gasöfen: Feuer tötet zwei Flüchtlinge im Libanon

Bei einem Feuer in einem Flüchtlingslager sind im Osten des Libanons zwei Syrer ums Leben gekommen. Nahe der Stadt Baalbek brannten insgesamt 50 Zelte nieder, wie die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA am Montag berichtete. Dichter Rauch und starker Nebel hätten die Löscharbeiten erschwert. Besonders im Winter brechen in Flüchtlingslagern immer wieder Feuer aus, weil die Menschen in ihren Zelten häufig mit Gasöfen heizen. Im Libanon sind ungefähr 950.000 Flüchtlinge registriert, die vor dem Bürgerkrieg im benachbarten Syrien geflohen sind. Viele von ihnen leben in inoffiziellen Lagern, da die libanesische Regierung keine offiziellen Camps erlaubt.

2. Dezember | Erstes privates Seenotrettungsschiff unter deutscher Flagge

Die deutsche Flüchtlingshilfsorganisation "Sea-Eye" kündigte am Sonntagabend den Start einer neuen Mission an. Das umgerüstete deutsche Forschungsschiff "Professor Albrecht Penck" habe am Samstag Cuxhaven verlassen und sei nun auf dem Weg ins Mittelmeer, erklärte die Organisation. Es sei "das erste Schiff einer zivilen Rettungsorganisation unter deutscher Flagge". Die erste Beobachtungsmission solle am 16. Dezember ab Spanien starten und drei Wochen dauern.

2. Dezember | Malta nimmt elf Flüchtlinge nach zehntägiger Irrfahrt im Mittelmeer auf

Elf Flüchtlinge, die nach ihrer Rettung durch ein spanisches Fischerboot zehn Tage lang durch das Mittelmeer geirrt waren, sind vorübergehend von Malta aufgenommen worden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Das Schiff "Nuestra Madre Loreto" habe die Migranten an die maltesische Küstenwache übergeben, teilte die spanische Hilfsorganisation "Pro Activa Open Arms" am Sonntag mit. In Kürze könnten sie an Land gehen.

Maltas Regierung kündigte an, die Migranten nach einer medizinischen Untersuchung nach Spanien zu überstellen. Die Besatzung des Fischerboots hatte am 22. November zwölf Flüchtlinge aus Somalia, Ägypten, Niger, Sudan und Senegal von einem Schlauchboot gerettet, das aus Libyen kam. Jedoch fand sich kein aufnahmebereiter Hafen. Die Regierung in Madrid versuchte ohne Erfolg, Libyen zur Rücknahme der Migranten zu bewegen. Auch Italien und Malta wiesen die Anfrage aus Spanien zunächst ab. Am Sonntag gab Malta schließlich grünes Licht. Einer der Migranten war bereits am Freitag wegen akuter Dehydrierung mit einem Rettungshubschrauber auf die Mittelmeerinsel geflogen worden.

30. November | Mahnung zu mehr Dialog in Flüchtlingsdebatte

Der Kieler Philosoph Konrad Ott hat Unterstützer und Kritiker der Flüchtlingshilfe zum Dialog aufgerufen, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. Angesichts rückläufiger Asylbewerberzahlen sei die Debatte derzeit "von unmittelbarem Handlungsdruck entlastet", sagte Ott am Donnerstagabend in der Berliner Katholischen Akademie. Er forderte mehr Bemühungen, die gegensätzlichen moralischen Positionen zu verstehen.

Dies sei notwendig, weil sich Staaten sonst "bitter zerstreiten" könnten. Ott plädierte für eine mittlere Position, die zwischen den Forderungen nach einer vollständigen Öffnung der Grenzen und der Abschottung einer "Festung Europa" liege. Erforderlich seien Regelungen, die das Asylrecht bei politischer Verfolgung sicherstellten. Dabei dürfe es keine Rolle spielen, ob Flüchtlinge sich durch die Wahl ihres Fluchtweges selbst in Lebensgefahr bringen. So müssten sie grundsätzlich gerettet werden, wenn sie in Seenot geraten.

29. November | Spanien weiter Hauptziel der Migranten

Der Migranten-Zustrom in Richtung Spanien geht auch kurz vor Winterbeginn unvermindert weiter, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Im Alborán-Meer im westlichsten Teil des Mittelmeeres seien am Mittwoch erneut mehr als 560 Menschen aus einem Dutzend Booten gerettet worden, teilte die spanische Seenotrettung auf Twitter mit. Drei Menschen seien tot aus dem Meer geborgen worden. Die meisten Geretteten wurden ins andalusische Málaga gebracht, die anderen gingen in den Häfen von Almería und Motril von Bord.

27. November | Fischerboot mit geretteten Migranten darf nicht in Häfen einlaufen

Vor der Küste Libyens bahnt sich ein neues Migrantendrama an, nachdem ein spanisches Fischerboot im Mittelmeer zwölf Menschen gerettet hat. Sie waren von der Küste Nordafrikas aus in See gestochen. Seit der Rettung am Donnerstag bekommt der Kapitän aber weder von Italien noch von Malta die Erlaubnis, in einen Hafen einzufahren.

Der spanischen Zeitung "El País" sagte er, die Lage auf seinem Boot werde langsam prekär, weil die Afrikaner aus Libyen, Mali und dem Senegal sich strikt weigerten, zurück in das Bürgerkriegsland Libyen gebracht zu werden. Viele hätten dort Misshandlungen und Gewalt erlitten: "Ihr Leben ist ihnen egal, aber sie wollen nicht zurück", zitierte das Blatt Kapitän Pascual Durá. Das Fischerboot "Nuestra Madre Loreto" aus Alicante habe Lebensmittel und Benzin für eine Woche an Bord, hieß es. Die spanische Regierung verhandele mit Libyen über eine Rücknahme der Migranten.

26. November | 23.000 Migranten seit Jahresbeginn in Italien gelandet

Rund 23.000 Migranten und Flüchtlinge haben seit Jahresbeginn einen italienischen Hafen erreicht. Diese Zahl gab das Innenministerium in Rom am Montag bekannt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum gingen die Ankünfte um 80 Prozent zurück, im Vergleich zu 2016 waren es demnach sogar fast 87 Prozent weniger. Als Herkunftsland gaben laut dem Ministerium 5.000 Personen Tunesien an, 3.350 Eritrea. Danach folgen der Irak (1.670), Sudan (1.620), Pakistan (1.510), Nigeria (1.250), Algerien (1.180) und Elfenbeinküste (1.050). Unter den registrierten Flüchtlingen befanden sich 3.418 unbegleitete Minderjährige. 2016 waren es noch 25.84 - das entspricht ebenfalls einem Rückgang von rund 87 Prozent.

25. November | Italien kritisiert Malta: Migranten auf See gelassen

Nach der erneuten Ankunft Hunderter afrikanischer Migranten in Italien hat der italienische Innenminister Matteo Salvini Malta beschuldigt, Bootsflüchtlinge in sein Land weiterzuleiten. In Pozzallo auf Sizilien kam am Samstagabend ein Boot mit 236 Menschen an Bord an, von denen die meisten aus Eritrea stammen. "Da haben wir's wieder. Ein maltesisches Patrouillenboot hat den Kurs gewechselt und mitten im Mittelmeer ein Schlauchboot mit 150 bis 200 Migranten auf dem Weg nach Italien im Stich gelassen", erklärte Salvini auf Twitter. Malta habe zwar die Koordinierung der Rettungseinsätze übernommen. "Doch wie immer versucht es, die Einwanderer in unser Land weiterzuschicken", sagte Salvini. "Es ist die x-te Schande, die dieser unfähigen und schädlichen Europäischen Union würdig ist."

Dagegen erklärte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte: "Die Herausforderung der Einwanderung besteht langfristig und erfordert eine strategische, strukturierte Antwort." Wer die Anzahl der Ankünfte senke und die Netze der Menschenhändler auflöse, senke vor allem die Anzahl der Toten auf See. «Diese Regierung ist von Anfang an für eine komplexe Antwort Europas eingetreten. Diese Antwort hat immer noch Mühe, zustande zu kommen, und das sage ich mit gewisser Bitterkeit», sagte Conte der Agentur Ansa zufolge.

23. November | Ärzte ohne Grenzen kritisiert fehlenden Zugang zu Migranten in Libyen

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisiert, dass ihnen seit der Räumung eines Flüchtlingsbootes mit etwa 80 Migranten in Libyen der Zugang zu den Menschen verwehrt bleibe, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Zehn Tage lang hatte sich die Organisation um die verletzten Menschen an Bord gekümmert, die sich weigerten, das Containerschiff im Hafen von Misrata zu verlassen. Am Dienstag hätten libysche Sicherheitskräfte die rund 80 Migranten dann gewaltsam an Land gebracht, teilte Ärzte ohne Grenzen am Freitag mit. Seitdem werde den Medizinern der Zugang zu den Menschen verwehrt.

23. November | Hillary Clinton: Europa muss Zuwanderung drosseln

Die ehemalige US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat sich für eine striktere Regulierung der Zuwanderung in Europa ausgesprochen. Der britischen Zeitung "The Guardian" sagte sie: "Ich glaube, Europa muss die Zuwanderung in den Griff bekommen. Denn dieses Thema hat die Flamme entzündet." Die dadurch aufgebrachten Wähler hätten beigetragen zum Ergebnis der Brexit-Abstimmung und zum Sieg Donald Trumps im Präsidentschaftswahlkampf.

22. November | Private Seenotretter von "Sea-Watch" wieder im Mittelmeer unterwegs

Die privaten Seenotretter von der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Watch" sind wieder im Mittelmeer in Richtung der nordafrikanischen Küste unterwegs, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Nachdem das Schiff mehr als drei Monate lang von maltesischen Behörden wegen angeblicher Bedenken an der ordnungsgemäßen Eintragung im Schiffsregister am Auslaufen gehindert worden war, fuhr die "Sea-Watch 3" zunächst in eine spanische Werft und dann nach Korsika. Von dort aus legte das Schiff am Donnerstag ab, wie die Organisation auf Twitter mitteilte.

20. November | Angeblich Müll illegal entsorgt: Italien will "Aquarius" beschlagnahmen

Die italienische Staatsanwaltschaft will das private Rettungsschiff "Aquarius" an die Kette legen lassen, weil es potenziell gefährlichen Müll wie blutbefleckte Verbände und Kleidung von Migranten illegal entsorgt haben soll. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag. Das von Ärzte ohne Grenzen (MSF) und SOS Méditerranée gemeinsam betriebene Schiff liegt derzeit im französischen Marseille vor Anker und ist damit außer Reichweite der italienischen Behörden. Panama hatte Anfang Oktober dem Schiff die Flagge entzogen, so dass es nicht in See stechen kann. MSF Italien wertete die Pläne zur Beschlagnahme auf Twitter als weiteren Versuch, die Rettungseinsätze zu blockieren.

20. November | Flüchtlingsstreit mit Rom bedroht EU-Mittelmeermission "Sophia"

Der Streit mit Italien um die Flüchtlingsverteilung bedroht die EU-Mittelmeermission "Sophia". Europas Verteidigungsminister konnten sich am Dienstag nicht auf eine Verlängerung des Marineeinsatzes einigen, dessen Mandat Ende des Jahres ausläuft, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini warnte eindringlich vor den Folgen eines Endes der Mission. Die italienische Justiz forderte Frankreich unterdessen auf, das Flüchtlings-Rettungsschiff "Aquarius" wegen Verstößen bei der Entsorgung von Bordabfällen zu beschlagnahmen.

Es gebe bei "Sophia" noch keine Lösung, sagte Mogherini nach dem Treffen der Verteidigungsminister. Nun blieben zwei Optionen: Entweder die EU-Staaten stimmten in den kommenden Wochen zumindest einer vorübergehenden Verlängerung zu oder die Mission müsse zum Jahresende eingestellt werden. Das Mandat für die Mission vor der Küste Libyens läuft am 31. Dezember aus. Die Regierung in Rom fordert, dass von "Sophia" gerettete Flüchtlinge künftig nicht mehr automatisch nach Italien gebracht werden. Dazu müssten die Einsatzregeln geändert werden.

20. November | Libyer stürmen Frachter mit geretteten Flüchtlingen

Libysche Sicherheitskräfte haben am Dienstag im Hafen von Misrata den Frachter "Nivin" mit 79 im Mittelmeer geretteten Flüchtlingen gestürmt, schreibt der Evangelische Pressedienst. Mindestens fünf Flüchtlinge seien anschließend mit Verletzungen in Krankenhäuser in Misrata gebracht worden, die übrigen in Gefangenenlager, berichtete der italienische Rundfunk unter Berufung auf die nichtstaatliche Organisation Mediterranea. Deren Schiff "Mare Ionio" kreuzt vor der libyschen Küste, um die Lage von Flüchtlingsbooten und den Einsatz der libyschen Küstenwache zu dokumentieren.

Die "Nivin" hatte am 10. November vor der libyschen Küste rund 90 Bootsflüchtlinge aus Seenot gerettet. Nach der Ankunft des Frachters in der libyschen Hafenstadt Misrata weigerte sich ein Großteil der Geretteten aus Angst vor Gewalt in den dortigen Haftanstalten, das Schiff zu verlassen.

19. November | Urteil gegen "Lifeline"-Kapitän erst 2019

Im Prozess um den Kapitän des Flüchtlingsrettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, wird erst im neuen Jahr ein Urteil gesprochen. Das habe der zuständige Richter am Montag im maltesischen Valletta angekündigt, schrieb die Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" auf Twitter. Damit sei klar, dass sie "bis ins nächste Jahr von der Rettung von Leben abgehalten" werde, schrieb die Organisation.

Ein weiterer Verhandlungstermin wurde demnach für den 18. Dezember angesetzt. Reischs Anwalt Cedric Mifsud sagte, bei dem Termin am Montag hätten die niederländischen Behörden ihre Antworten auf seit langem gestellte Fragen von Anklage und Verteidigung vorgelegt. Diese seien jedoch auf Niederländisch verfasst, weshalb das Gericht zunächst ihre Übersetzung angeordnet habe, so der Anwalt. Diese soll demnach am Mittwoch vorliegen. "Mission Lifeline"-Sprecher Axel Steier sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), bei dem Termin im Dezember solle die Organisation Gelegenheit bekommen, weitere Beweise vorzulegen. Im Anschluss habe die Staatsanwaltschaft bis zu 14 Tage Zeit für ihre Erwiderung. Danach solle das Urteil fallen.

15. November | "Ärzte ohne Grenzen": Verzweifelte Flüchtlinge auf Frachtschiff

Dutzende aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge harren nach Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" seit Tagen auf einem Frachtschiff im Handelshafen der libyschen Stadt Misrata aus. Knapp 80 Menschen weigerten sich, von Bord zu gehen, weil ihnen in Libyen willkürliche Inhaftierung drohe, erklärte die Hilfsorganisation am Donnerstag in Berlin. Weitere 16 der aus Seenot geretteten Flüchtlinge hätten in den vergangenen Tagen das Schiff verlassen und seien in Internierungslager gebracht worden. Teams von "Ärzte ohne Grenzen" hätten am Mittwoch medizinische Hilfe an Bord leisten können. "Die Menschen waren völlig verzweifelt", erklärte Landeskoordinator Julien Raickman. In der Gruppe seien mehrere Personen, darunter Minderjährige, die in Libyen ein Jahr oder länger gefangen gehalten und von Menschenhändlern gefoltert worden seien.

13. November | Ermittlungen gegen private Seenotretter

Seit mehr als einem Jahr liegt das Schiff "Iuventa" in einem italienischen Hafen. Es wurde von den italienischen Behörden stillgelegt. Insgesamt mehrere Wochen haben Kathrin, Dariush und Hendrik auf dem umgebauten Kutter im Mittelmeer Flüchtlinge in Seenot gerettet. Bis das Schiff von den italienischen Behörden beschlagnahmt wurde. Jetzt wird gegen die drei ermittelt, den Seenotrettern drohen bis zu 15 Jahren Gefängnis.

10. November | Seenotretter Neugebauer: "Wir werden nicht aufgeben"

Ruben Neugebauer, Aktivist für die Seenotrettung von Flüchtlingen, hat weiteres Engagement gegen das Ertrinken von Menschen auf der Flucht angekündigt. "Wir werden nicht aufgeben und wir werden wieder rausfahren, solange auf dem Mittelmeer Menschen sterben", sagte Neugebauer am Sonntag beim Grünen-Parteitag in Leipzig der dpa. Neugebauer hatte die Seenotrettungsorganisation Sea Watch mit aufgebaut. Im Einklang mit den Zielen der Grünen wandte er sich gegen die "Abschottung» Europas und für die Aufnahme von Flüchtlingen, für die es stabile Mehrheiten gebe. Sogar CDU-Bürgermeister signalisierten Aufnahmebereitschaft", sagte er.

10. November | Salvini: Malta schickt Bootsflüchtlinge mit Kompass nach Italien

Matteo Salvini, Innenminister von Italien
Der Innenminister von Italien: Matteo Salvini. Bildrechte: dpa

Der italienische Innenminister Matteo Salvini hat Malta erneut beschuldigt, ankommende Bootsflüchtlinge weiter nach Italien zu schicken. Laut Salvinis Ministerium hätten Menschen in Uniformen, die denen der maltesischen Küstenwache ähnlich sähen, die Migranten unter anderem mit Treibstoff und einem Kompass ausgestattet, berichtet dieDeutsche Presse-Agentur. Am Mittwochabend hatten die italienischen Behörden laut Innenministerium ihre maltesischen Partner auf ein Boot mit 13 Migranten in maltesischen Gewässern aufmerksam gemacht, denen der Treibstoff ausgegangen war. Dasselbe Boot habe am Freitag die italienische Insel Lampedusa erreicht.

Die Insassen hätten ausgesagt, ihnen sei auf See geholfen worden: Uniformierte in einem Schlauchboot hätten ihnen Wasser, zwei Kanister mit Treibstoff, Rettungswesten und einen Kompass gegeben, und sie etwa eine Stunde lang in Richtung Italien begleitet. Salvini nannte das einen "feindseligen Akt. Einige EU-Mitglieder scheren sich nicht um Migranten und wälzen sie auf uns ab, während Brüssel uns mit Sanktionen wegen unseres Budgets droht: Wir lassen uns nicht einschüchtern", teilte Salvini mit.

9. November | "Mission Lifeline" setzt auf private Segelyachten

Die Dresdner Flüchtlingsinitiative "Mission Lifeline" hat eine neue Kampagne zur Seenotrettung gestartet, berichtet der Evangelische Pressedienst. Dabei würden unter dem Titel "The Real Civil Fleet" private Segelyacht-Besitzer gesucht, die ihr Boot zur Verfügung stellen, teilte die Initiative am Freitag in Dresden mit. Der Verein will Spenden für die Ausrüstung sammeln und mit den Besitzern eine passende Crew zusammenstellen.

Die Hilfe dieser Boote konzentriere sich auf das Sichten und Melden von Schiffbrüchigen und deren Rettung vor dem Ertrinken. Es könnten aber nur in Ausnahmefällen Flüchtlinge an Bord genommen werden. Ausgestattet mit Rettungswesten, Rettungsinseln, medizinischer Ausrüstung und einem Schlauchboot seien auch kleinere Schiffe in der Lage, Menschen in Seenot beizustehen, hieß es. Während größere Schiffe "widerrechtlich am Retten gehindert werden", werde dies bei kleineren Schiffen kaum gelingen.

7. November | Libysche Küstenwache hält 315 Migranten von Überfahrt nach Europa ab

Die libysche Küstenwache hat 315 Migranten auf dem Weg nach Europa aufgegriffen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Menschen aus verschiedenen arabischen und afrikanischen Ländern hätten versucht, in Schlauchbooten das Mittelmeer zu überqueren, sagte ein Sprecher der Küstenwache am Mittwoch. Sie seien in Lager gebracht worden. Unter ihnen seien auch 32 Frauen und acht Kinder.

Von der libyschen Westküste aus brechen die meisten Migranten auf der Flucht vor Krieg und Armut nach Europa auf. Allerdings ist ihre Zahl seit Juli 2017 deutlich gesunken. Unter dem Druck Italiens sind Schmugglerringe in Libyen zerschlagen wurden. Insgesamt hat die libysche Küstenwache in diesem Jahr über 7000 Migranten an der Überfahrt gehindert und aufs Festland zurückgebracht.

6. November | UNHCR: Mehr als 2000 Migranten seit Januar im Mittelmeer gestorben

Mehr als 2000 Menschen sind nach UN-Angaben seit Jahresbeginn bei ihrer Flucht über das Mittelmeer in Richtung Europa ums Leben gekommen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Mehr als die Hälfte von ihnen verlor dabei auf dem Weg nach Italien das Leben, wie das UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Dienstag in Genf mitteilte. Insgesamt erreichten 2018 bisher rund 105.000 Menschen auf der Suche nach Asyl Europa - ein Rückgang im Vergleich mit den beiden Vorjahren. Ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) erklärte, 2018 sei "das fünfte Jahr in Folge", in dem die Zahl von 100.000 Flüchtlingen übertroffen werde. In diesem Jahr sei diese Schwelle jedoch sehr viel später überschritten worden als etwa 2017, als dies bereits im Juli der Fall war.

6. November | 149 Flüchtlinge vor Malta gerettet

Vor der Mittelmeerinsel Malta sind am Dienstag 149 Flüchtlinge gerettet worden. Die Gruppe befand sich auf einem großen Schlauchboot, das rund 60 Seemeilen von Malta entfernt "in Schwierigkeiten" geraten sei, wie die maltesischen Streitkräfte mitteilten. Ein Patrouillenboot der Küstenwache habe die Flüchtlinge aufgenommen, sie wurden in der Nacht zum Mittwoch auf Malta erwartet, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Über den Zustand der Menschen war zunächst nichts bekannt.

4. November | Rettungsschiff "Seefuchs" trägt jetzt deutsche Flagge

Das seit Monaten in Malta festgehaltene Rettungsschiff "Seefuchs" trägt nach Angaben seiner Betreiber nun die deutsche Flagge. Der in Regensburg ansässige Verein "Sea-Eye" teilte am Freitagabend mit, dass es nach einem viermonatigen Flaggenstreit mit den Niederlanden nun einen positiven Bescheid der deutschen Behörden gegeben habe.

Das Schiff soll nun nach Deutschland überführt werden, zur Flüchtlingsrettung wird es nicht mehr eingesetzt. Die deutschen Behörden hätten sich gegenüber der Organisation "aufgeschlossen, unpolitisch und sehr konstruktiv" verhalten, erklärte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler. Er sprach von einer "lösungsorientierten Zusammenarbeit". Die "Seefuchs" wird seit Juni in Malta festgehalten, weil die Niederlande dem Schiff den Flaggenschutz entzogen hatten. Sea-Eye forderte die Behörden des Mittelmeerstaates auf, das Schiff nun auslaufen zu lassen. "In den kommenden Tagen wird sich nun zeigen, wie Malta mit der Souveränität eines deutschen Schiffes umgeht", erklärte der Verein.

3. November | Zuwanderung über Mittelmeer geht weiter zurück

Rund 100.000 Migranten sind bis Ende Oktober im Jahr 2018 über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Seit dem Jahr 2015 geht die illegale Zuwanderung über diese Route jährlich zurück, wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine Auswertung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) berichtet. Nach dem Höchstwert von knapp über einer Millionen im Jahr 2015 lagen die Ankünfte im Folgejahr bei 366.849 und 2017 bei 177.913. Bevor die illegale Zuwanderung über die verschiedenen Meeresrouten stark angestiegen war, waren es den Angaben zufolge 2013 nur rund 89.000 Migranten. 2014 verdreifachten sich der Wert dann zunächst auf 251.519.

26. Oktober | "Mission Lifeline" wieder im Mittelmeer unterwegs

Die Dresdner Flüchtlingsinitiative "Mission Lifeline" ist nach einer Zwangspause wieder im Mittelmeer unterwegs. Das etwa 15 Meter lange Segelboot sei "jetzt etwa 80 Meilen nördlich der libyschen Küste", sagte "Lifeline"-Sprecher Axel Steier am Freitag in Dresden dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es fahre unter deutscher Flagge, sein Heimathafen sei Hamburg. Mit der heimischen Registrierung wollen die Seenotretter bürokratische Hürden in Malta und Italien umgehen. Das erste Rettungsschiff von "Mission Lifeline" war im Sommer von den maltesischen Behörden beschlagnahmt worden.

Bei ihrer siebten Mission im Mittelmeer wollen sich die Seenotretter auf das Sichten und Melden von Schiffbrüchigen konzentrieren. An Bord des neues Bootes seien 180 Rettungswesten und Vorrat für 300 Mahlzeiten als Notration für Schiffbrüchige, sagte Steier.

24. Oktober | EU-Parlament vergibt Sacharow-Preis - "Mission-Lifeline" war nominiert

Der ukrainische Filmemacher Oleg Senzow erhält den "Sacharow-Preis für geistige Freiheit". Das hat das Europäische Parlament entschieden. Es ist der wichtigste Menschenrechtspreis in der Europäischen Union. Senzow war einer von drei Nominierten. Kandidaten für den Sacharow-Preis waren auch der marokkanische Regierungskritiker Nasser Zefzafi und Seenotretter. Zu den nominierten Hilfsorganisationen gehören SOS Méditerranée, Ärzte ohne Grenzen, Sea Watch und die Dresdner "Mission Lifeline".

23. Oktober | Neues Schiff: Dresdner Seenotretter bereiten siebte Fahrt vor

Die Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" hat für den Einsatz im Mittelmeer ein neues Rettungsschiff gekauft. Die Anschaffungskosten von etwa 100.000 Euro wurden aus Spenden bestritten, sagte Vereinssprecher Axel Steier MDR SACHSEN. Ein neuer Einsatz soll in den kommenden Tagen vor der libyschen Küste beginnen. Das neue Schiff soll unter deutscher Flagge auslaufen.

23. Oktober | "Lifeline"-Kapitän Reisch darf Malta nicht verlassen

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist nach einer Anhörung vor einem maltesischen Gericht gegen eine Kaution von 10.000 Euro vorerst frei. Der 57 Jahre alte Reisch darf Malta aber nicht verlassen. Sein Pass wurde eingezogen. Das Schiff bleibt im Hafen von Valletta vorerst beschlagnahmt. Als nächsten Termin setzte das Gericht in Valletta den 5. Juli fest. 

9. Oktober | Erzbistum München unterstützt private Seenotretter mit 50.000 Euro

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx. Bildrechte: dpa

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Münchner Kardinal, Reinhard Marx, unterstützt die Seenotretter des Schiffes "Lifeline" mit einer Spende von 50.000 Euro. Das bestätigten eine Sprecherin des Erzbistums München und Freising am Dienstag. Der Verein "Mission Lifeline" sammelt derzeit Spenden, um mit einem neuen Schiff entlang der libyschen Küste Menschen aus Seenot zu retten. "Ich bedanke mich für die überaus großzügige Unterstützung durch das Erzbistum München-Freising für die nächste Mission!", schrieb "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch beim Kurznachrichtendienst Twitter. Das ursprüngliche "Lifeline"-Schiff ist aktuell beschlagnahmt und wird in diesem Jahr nicht mehr zu einem Rettungseinsatz aufbrechen.

"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch steht seit Anfang Juli in Malta vor Gericht. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, das Rettungsschiff nicht ordnungsgemäß registriert zu haben. Inzwischen ist er gegen Kaution auf freiem Fuß, der Prozess aber noch nicht abgeschlossen.

2. Oktober | Prozess gegen "Lifeline"-Kapitän erneut vertagt

Der Prozess gegen den Kapitän des deutschen Seenotrettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist am Dienstag erneut vertagt worden. Die niederländischen Behörden hätten Anfragen nach der Registrierung des Schiffs noch nicht beantwortet, berichtete die Tageszeitung "Malta Today" in ihrer Online-Ausgabe. Dem Medienbericht zufolge wies das Gericht zudem den Vorwurf der Verteidigung zurück, das Verfahren werde absichtlich in die Länge gezogen, um die Hilfsorganisation daran zu hindern, Menschenleben zu retten. Die nächste Anhörung vor Gericht wurde für den 19. November angesetzt.

Während dem Gerichtstermin demonstrierten Crewmitglieder von Rettungsschiffen, die sich als Hunde verkleidet hatten. Der Protest richtete sich gegen den maltesischen Premierminister Joseph Muscat. Dieser hatte am Sonntag das Bild eines Hundes auf Twitter weiterverbreitet, der zusammen mit 58 Migranten gerettet worden war. "Heute sind wir alle Bella!" schrieb die Seenotretter dazu auf Twitter. "Der einzige gerettete Migrant, der das Herz und das Gewissen von Malta erwärmt hat."

26. September | Transfer von "Aquarius"-Migranten nach Malta verzögert sich

Der Transfer von den geretteten Migranten auf dem Schiff "Aquarius" (offiziell "Aqurius 2") nach Malta verzögert sich. Grund dafür sei schlechtes Wetter, sagte eine Sprecherin der Hilfsorganisation SOS Méditerranée der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Es könne zwei bis drei Tage dauern, bis die 58 Migranten an Bord eines maltesischen Schiffes gehen können, das sie an Land bringen soll. Die "Aquarius" selbst darf nicht im Hafen des Inselstaats anlegen, sondern fährt weiter ins südfranzösische Marseille. Dort dürfte das Schiff seine Flagge verlieren: Der Flaggenstaat Panama hatte angekündigt, es aus seinem Schifffahrtsregister zu streichen.

Damit wäre das letzte noch aktive private Rettungsschiff in der Zone vor Libyen zunächst stillgelegt. Von Malta aus sollen die Menschen auf vier weitere EU-Länder verteilt werden. Nach Angaben des Büros des französischen Premierministers handelt es sich dabei um Deutschland, Spanien, Portugal und Frankreich. Nachdem sich die nächstgelegenen Länder Malta und Italien geweigert hatten, das Schiff anlanden zu lassen, war die Lösung ausgehandelt worden.

23. September | Panama will Flüchtlings-Rettungsschiff "Aquarius" Flagge entziehen

Auf Betreiben der italienischen Regierung will Panama dem Flüchtlings-Rettungsschiff "Aquarius" seine Flagge entziehen. Das Verfahren zum Entzug der Registrierung sei eingeleitet, erklärten die panamaischen Behörden am Samstag. Grund sei eine Beschwerde der italienischen Behörden, wonach die "Aquarius" sich geweigert habe, aufgenommene Flüchtlinge in ihren Ausgangshafen zurückzubringen. Der Verlust der Flagge würde das Rettungsschiff de facto lahmlegen.

23. September | Salvini verärgert: "Aquarius" nimmt Migranten vor Libyens Küste auf

Das Rettungsschiff "Aquarius" hat vor Libyen weitere Migranten in Seenot aufgenommen. Nach einem komplizierten Einsatz und nach Verhandlungen mit der libyschen Küstenwache hätte die "Aquarius" am Sonntag in internationalen Gewässern 47 Menschen aufgenommen, twitterte die Hilfsorganisation SOS Mediterranee. Darunter seien 17 Minderjährige und eine Schwangere. Bereits letzte Woche hatte das Rettungsschiff elf Migranten aufgenommen.

Bisher ist allerdings unklar, wohin die "Aquarius" fahren wird. Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini erklärte, diejenigen anzeigen zu wollen, die illegale Einwanderung begünstigten. Er warf der NGO vor, nicht mit der libyschen Küstenwache kooperiert zu haben. "Für diese Herren (der NGO) bleiben die italienischen Häfen geschlossen", so Salvini. Er will, dass die libyschen Behörden die Rettungseinsätze übernehmen

20. September | "Aquarius" rettet elf Menschen im Mittelmeer

Das Rettungsschiff "Aquarius" hat erneut Migranten eines in Seenot geratenen Bootes im Mittelmeer gerettet. Alle elf Menschen, die sich auf dem Boot vor der libyschen Küste befanden, seien sicher an Bord der "Aquarius", teilte die Hilfsorganisation SOS Méditerranée am Donnerstag auf Twitter mit. Keiner der Migranten habe Rettungswesten gehabt; in das überfüllte Boot sei bereits Wasser eingedrungen, und das Benzin sei ausgegangen. Wohin die Migranten gebracht werden, war unklar. Die "Aquarius" ist das einzige private Rettungsschiff, das noch in die Such- und Rettungszone vor der libyschen Küste zurückgekehrt war. Nach der Rettung der Migranten droht den Helfern wieder eine Hängepartie wie bei den letzten beiden Einsätzen.

17. September | Seenotretter werfen Italien unterlassene Hilfeleistung vor

Internationale Seenotretter werfen Italien unterlassene Hilfeleistung für Dutzende Flüchtlinge vor, schreibt die Nachrichtenagentur epd. Die Besatzung des Suchflugzeuges "Colibri" sei am Sonntag Zeuge eines drastischen Falles solch verweigerter Hilfe geworfen, erklärte die Organisation "Sea-Watch" am Montag in Berlin. Ein Schlauchboot mit mehr als 80 Menschen an Bord habe sich über neun Stunden hinweg in Seenot befunden und sei schließlich von der libyschen Küstenwache in das Bürgerkriegsland zurückgeschleppt worden.

Das Boot trieb demnach etwa 40 Kilometer vor der libyschen Küste. Die Menschen seien in akuter Gefahr für Leib und Leben gewesen, das Schlauchboot hätte jederzeit kollabieren können. Die "Colibri"-Besatzung habe umgehend die italienische Seerettungsleitstelle in Rom informiert. "Anstatt einen Rettungseinsatz in die Wege zu leiten, wozu jede Seenotrettungsleitstelle verpflichtet ist, verwies Rom die Flugzeugbesatzung jedoch an das neu eingerichtete und meistens inaktive Headquarter der sogenannten libyschen Küstenwache", erklärten die zivilen Retter. Dort sei aber der Seenotruf der "Colibri" nicht entgegengenommen worden.

Ein Handelsschiff habe sich gescheut einzugreifen, aus der Befürchtung, es könne in eine ähnliche Situation kommen, wie zuletzt die zivilen Rettungsschiffe "Aquarius" und "Lifeline" oder das italienische Küstenwachschiff "Diciotti", meldete Sea-Watch.

17. September | Kurz beklagt vor Gipfel "zu viele Spannungen" in der EU

Zwei Tage vor dem EU-Gipfel in Salzburg hat der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz die Mitgliedstaaten zur Beilegung ihrer Konflikte vor allem in der Flüchtlingsfrage aufgerufen. "Es gibt deutlich zu viele Spannungen in der Europäischen Union zwischen Osten, Westen, Norden und Süden", sagte der amtierende EU-Ratsvorsitzende am Montag bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris. Kurz rief Länder wie Italien auf, ihre harte Haltung aufzugeben: "Länder an den Außengrenzen brauchen unsere Hilfe, aber sie müssen auch die Unterstützung und Hilfe der Europäischen Union annehmen", betonte er. Macron betonte, dabei gehe es auch um gemeinsame "Werte". Italien weigert sich seit dem Antritt der neuen Rechts-Regierung im Juni, seine Häfen für Flüchtlings-Rettungsschiffe zu öffnen.

16. September | "Aquarius" kehrt ins Mittelmeer vor Libyen zurück

Das Schiff "Aquarius" kehrt zur Rettung von Migranten ins Mittelmeer vor der libyschen Küste zurück. "Der technische Hafengang in Marseille ist beendet und die Aquarius ist nun auf dem Weg zurück in die internationalen Gewässer", erklärte die Hilfsorganisation "SOS Méditerranée" am Samstag auf Twitter. Es werde mindestens drei Tage dauern, bis man die Such- und Rettungszone im zentralen Mittelmeer erreiche, twitterte Ärzte ohne Grenzen. Die "Aquarius" ist das einzige private Rettungsschiff, das noch in das Gebiet zurückkehrt. Sollte es zur Rettung von Migranten kommen, droht den Helfern wieder eine Hängepartie wie bei den letzten beiden Einsätzen. Nach tagelangem Warten auf See hatte die "Aquarius" Mitte August mehr als 140 Migranten nach Malta bringen können. Italien verwehrt Hilfsorganisationen mittlerweile die Einfahrt in die Häfen.

14. September | Seenotretter werfen Italien unterlassene Hilfeleistung vor

Elf Seenotrettungsorganisationen aus dem Mittelmeer sind für den Sacharow-Preis für Menschenrechte des EU-Parlaments nominiert, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA). Die Mitarbeiter und Freiwilligen der Nichtregierungsorganisationen hätten ihr eigenes Leben bei der Rettung von Migranten im Mittelmeer riskiert, begründete die Fraktion der Sozialdemokraten und der Grünen im EU-Parlament ihre Nominierung in der Kandidatenliste.

Unter den Nominierungen seien neben anderen auch die afrikanische Nichtregierungsorganisation Agriforum; Dewayne Johnson, der einen Rechtsstreit gegen die Firma Montsanto in den USA gewann; der in Marokko inhaftierte Aktivist Nasser Zefzafi sowie die inhaftierte Kanadierin Mary Wagner, die sich gegen Abtreibung einsetzt.

14. September | UN: Fast 75.000 Migranten kamen 2018 über das Mittelmeer nach Europa

In diesem Jahr sind nach Angaben der Vereinten Nationen 74.500 Migranten und Flüchtlinge über das Mittemeer nach Europa gekommen.

Fast 1.600 Menschen seien seit Anfang Januar bei der gefährlichen Überfahrt gestorben, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Freitag in Genf mit. Damit hätten deutlich weniger Menschen über das Mittelmeer die europäischen Küsten erreicht als in den Vergleichszeiträumen der Vorjahre.

2017 zählte die IOM bis Mitte September knapp 130.000 angekommene Migranten und Flüchtlinge, im Jahr 2016 seien es fast 300.000 Menschen gewesen. Die IOM erklärte den starken Rückgang mit der restriktiven Migrations- und Flüchtlingspolitik vieler europäischer Staaten, wie der Schließung der sogenannten Balkanroute durch Südosteuropa oder die Sperrung der italienischen Häfen private Seenotrettungsschiffe.

12. September | Merkel: Migration ist größte Herausforderung für Europa

Eine gemeinsame europäische Lösung der Migrationsfrage ist nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entscheidend für die Zukunft der Europäischen Union. "Da haben wir noch keine Lösung gefunden", sagte sie am Mittwoch im Bundestag. Die Herausforderung sei noch größer als die der Finanz- und Eurokrise, die vor zehn Jahren ausgebrochen war. Merkel warnte vor Alleingängen und einer Fragmentierung der EU.

"Wenn Europa einfach sagt: Wir schotten uns ab und wir kümmern uns nicht um das, was in unserer Nachbarschaft passiert, dann wird das schiefgehen", so die Kanzlerin weiter. Zur Bekämpfung der Fluchtursachen forderte die Kanzlerin mehr Investitionen in Afrika. "Afrika ist ein toller Kontinent, ein junger Kontinent, ein Kontinent mit den zukünftigen Märkten," sagte sie. Es gehe jetzt darum, aus der klassischen Entwicklungszusammenarbeit echte wirtschaftliche Entwicklung zu machen.

11. September | "Lifeline"-Kapitän vermutet "Verzögerungstaktik" der maltesischen Behörden

Der Kapitän der "Lifeline" hat den maltesischen Behörden eine "Verzögerungstaktik" vorgeworfen. In einem am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter veröffentlichten Video sagte Claus-Peter Reisch, der sich auf Malta aufhielt, es sei "sehr schade", dass der Gerichtstermin abgesagt worden sei. "Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass hier eine Verzögerungstaktik gefahren wird." Der auf Malta angeklagte Kapitän muss weiter auf ein Urteil warten. Ein für Dienstag angesetzter Gerichtstermin, bei dem mit einer Urteilsverkündung gerechnet worden war, wurde abgesagt, wie der Mitgründer der Organisation Mission Lifeline, Axel Steier, am Montag der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der Richter habe der Anklagebehörde zum dritten Mal mehr Zeit für die Vorlage von Beweisen gegeben. Der nächste Gerichtstermin sei auf den 2. Oktober festgesetzt worden.

11. September | Hilfsorganisation Sea-Watch macht Regierung von Malta schwere Vorwürfe

Wegen der Blockade ihres Rettungsschiffes in einem Hafen von Malta hat die deutsche Hilfsorganisation "Sea-Watch" der Regierung in Valletta schwere Vorwürfe gemacht. In einem offenen Brief an den maltesischen Regierungschef Joseph Muscat schrieb die Flüchtlingshilfsorganisation am Dienstag: "Für jeden vermeidbaren Tod auf See trägt Ihre Regierung die direkte Verantwortung." Es sei an der Zeit, dass Muscat und andere hohe Entscheidungsträger für "ihre tödlichen Entscheidungen zur Verantwortung gezogen werden".

Das Schiff "Sea-Watch 3", mit dem Flüchtlinge aus dem Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet wurden, wird seit mehr als zwei Monaten auf Malta in einem Hafen festgehalten. "Dies ist ein bewusster Versuch, die Rettung von Menschen in Not im zentralen Mittelmeer zu verhindern", erklärte Sea-Watch in dem offenen Brief. Es sei "eine nicht tolerierbare und beschämende Haltung", "durch Machtspiele den Rechtsstaat so eklatant außer Kraft zu setzen". Sea-Watch führte aus, dass sie sich um Sorgfalt und die Einhaltung von behördlichen Auflagen bemüht habe, um das Schiff wieder frei zu bekommen. Allerdings sei - trotz einer Genehmigung durch das maltesische Verkehrsministerium - die Ausfahrt des Rettungsschiffs "bewusst" von der obersten Regierungsebene verhindert worden.

11. September | Bootsunglück vor Libyen - Mehr als 100 tote Migranten befürchtet

Mehr als 100 Migranten könnten nach einem Bootsunglück vor der libyschen Küste ertrunken sein, darunter 20 Kinder und zwei Babys. Das berichteten italienische Medien am späten Montagabend unter Berufung auf die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Das Unglück ereignete sich den Angaben zufolge bereits Anfang September. Zwei Schlauchboote mit jeweils etwa 160 Menschen an Bord seien in Seenot geraten. Die libysche Küstenwache habe einige Überlebende zurück in das nordafrikanische Land gebracht. Nach Aussagen der Geretteten hatte eines der Schlauchboote einen Motorschaden, das andere verlor Luft. Die italienische Küstenwache sei um Hilfe gerufen worden, aber zu spät am Ort des Geschehens eingetroffen.

10. September | Nur Salvini muss Flüchtlingsvereinbarung noch zustimmen

Für eine Vereinbarung mit Italien zur Rücknahme von Flüchtlingen von der deutsch-österreichischen Grenze fehlt laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nur noch die endgültige Zustimmung seines italienischen Kollegen. "Auf Mitarbeiterebene ist die Verhandlung abgeschlossen. Das liegt jetzt beim Innenminister Salvini auf dem Schreibtisch", sagte der CSU-Vorsitzende am Montag vor einer Parteivorstandssitzung in München. "Und jetzt schauen wir, ob er das, was vereinbart ist, auch unterschreibt."

Am Streit über die von Seehofer geforderte Zurückweisung von bereits anderswo in der EU registrierten Asylsuchenden direkt an der Grenze wäre im Frühsommer beinahe die Koalition zerbrochen. Seehofer wurde damals beauftragt, Abmachungen mit Italien, Griechenland und Spanien auszuhandeln. Mitte August hatte Deutschland nach einem Abkommen mit Spanien auch mit Griechenland eine Absprache zur Rücknahme dort schon registrierter Asylbewerber getroffen.

10. September | UN-Hochkommissarin: Panikmache bei Migration erzeugt nur Leiden

Die neue UN-Kommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hat zu einer menschlicheren Migrationspolitik aufgerufen. "Es ist im Interesse aller Staaten, eine Migrationspolitik zu verfolgen, die sich an der Realität orientiert - und nicht an Panik", sagte die frühere Präsidentin Chiles während ihrer ersten großen Rede vor dem UN-Menschenrechtsrat am Montag in Genf. Eine menschlichere Migrationspolitik muss nach ihren Worten Möglichkeiten für eine sichere und reguläre Überfahrt beinhalten, statt Menschen auf eine Flucht voller tödlicher Risiken zu schicken. Mauern aufstellen, Angst und Schrecken erzeugen und Flüchtlingen ihre fundamentalen Rechte zu versagen, seien keine langfristigen Lösungen. "Das erzeugt nur mehr Feindseligkeit, Not, Leiden und Chaos", sagte Bachelet.

9. September | Österreichs Kanzler Kurz sieht Trendwende in Migrationspolitik

Europa hat nach Einschätzung von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Fortschritte in der Migrationsfrage erzielt. "Immer weniger Menschen machen sich auf den Weg über das Mittelmeer, immer weniger sterben", sagte Kurz in einem "Spiegel"-Interview. Jetzt gehe es Schritt für Schritt weiter. "Wir sollten verhindern, dass Schiffe mit Migranten in Nordafrika überhaupt ablegen und dass sie nach ihrer Rettung aus Seenot automatisch in die EU gebracht werden", sagte Kurz. Ägypten sei schon heute bereit, Menschen zurückzunehmen, die in Ägypten aufgebrochen seien. "Genau das müssen wir jetzt auch in Libyen, Marokko oder Tunesien durchsetzen, etwa durch eine stärkere Kooperation mit der jeweiligen Küstenwache." Kurz plädierte außerdem dafür, das Mandat der Grenzschutzagentur Frontex robuster zu gestalten.

7. September | Prozess gegen "Lifeline"-Kapitän zieht sich weiter in die Länge

Der Prozess gegen den deutschen Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline" zieht sich weiter in die Länge. Die Anhörung von Claus-Peter Reisch nächsten Dienstag entfällt. "Da die Staatsanwaltschaft bis heute keine Beweise vorgelegt hat, wird der Prozesstag am 11. September ausfallen", sagte der Sprecher von Mission Lifeline, Axel Steier, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Reisch werde am Dienstag dennoch anreisen, um Stellung zum Verfahren zu beziehen. Der nächste Termin finde nun am 2. Oktober statt, sagte der Anwalt von Mission Lifeline, Cedric Mifsud. Ein Urteil werde da noch nicht erwartet.

2. September | Tausende Menschen demonstrieren für Seenotrettung im Mittelmeer

Am Sonntag haben in Hamburg und Berlin Tausende Menschen demonstriert. Die Teilnehmer forderten eine ungehinderte Seenotrettung im Mittelmeer. Allein in Hamburg kamen mehr als 10.000 Menschen zusammen. Die Veranstalter sprachen von 16.400 Teilnehmern, die sich an dem Demonstrationszug von den Landungsbrücken zum Rathaus beteiligten.

31. August | "Mission Lifeline": Wie die Geschichte angefangen hat

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 15. Mai 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Dezember 2018, 15:00 Uhr