Carola Rackete wird abgeführt.
Der Sea-Watch-Kapitänin drohen in Italien zehn Jahre Haft. Bildrechte: actionpress/SIPA PRESS

Seenotrettung Maas fordert Freilassung von Sea-Watch-Kapitänin Rackete

Bundesaußenminister Heiko Mass ist für die Freilassung der in Italien festgenommenen deutschen Kapitänin der "Sea Watch 3", Carola Rackete. Am Ende eines rechtsstaatlichen Verfahrens könne nur die Freilassung stehen. Für Prozesskosten und mögliche Strafzahlungen gingen binnen zwei Tagen mehr als eine Million Euro Spenden ein.

Carola Rackete wird abgeführt.
Der Sea-Watch-Kapitänin drohen in Italien zehn Jahre Haft. Bildrechte: actionpress/SIPA PRESS

Bundesaußenminister Heiko Maas erwartet eine schnelle Freilassung der in Italien festgenommene Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete. Maas twitterte: "Aus unserer Sicht kann am Ende eines rechtsstaatlichen Verfahrens nur die Freilassung von Carola Rackete stehen." Das werde er Italien nochmal deutlich machen.

Maas: Geschachere unwürdig

Zugleich kritisierte Maas grundsätzlich den Umgang mit Flüchtlingen in Europa. Das Geschachere um die Verteilung der Geflüchteten sei unwürdig und müsse beendet werden.

Auch Regierungssprecherin Martina Fietz sagte, Seenotretter sollten nach Ansicht der Bundesregierung nicht kriminalisiert werden. Deutschland sei bereit, eine bestimmte Anzahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Dies müssten andere EU-Partner auch machen. Sie betonte, die EU brauche in der Asylfrage eine europäische Lösung.

Ich denke, der internationale Druck auf die italienische Regierung wird einiges bewirken.

Vater Ekkehart Rackete aus dem niedersächsischen Hambühren

Verhaftung war gerechtfertigt

Doch es gibt auch Stimmen, die die Festnahme Racketes für gerechtfertigt halten. Der außenpolitische Sprecher der FDP, Bijan Djir-Sarai, sagte der Zeitung "Die Welt", dass Rackete trotz ihrer "edlen Motive" Verantwortung für "diese illegale Aktion" übernehmen müsse. Die Rechtsstaatlichkeit sei gefährdet, wenn "unter Berufung auf gesinnungsethische Motive Gesetze gebrochen werden".

Im gleiche Artikel nannte der außenpolitische Obmann der AfD, Petr Bystron, Rackete eine gewöhnliche Kriminelle. Die AfD-Fraktionschefin Alice Weidel gab zu bedenken, dass die Schiffbesatzung gewollt oder nicht, "Vehikel der unmenschlichen Schlepperindustrie, die Unsummen mit dem Elend der Menschen verdiene", sei.

Am Montag Vernehmung durch Ermittlungsrichter

Die deutsche Kapitänin Carola Rackete war in der Nacht zum Sonnabend festgenommen worden, nachdem sie ihr Schiff "Sea-Watch 3" mit 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte. Ein italienisches Polizei-Schnellboot, das die Einfahrt verhindern wollte, wurde von der "Sea Watch 3" dabei gerammt. Italiens Innenminister Salvini bezeichnete das Manöver als "kriegerische Handlung". Der 31-Jährigen drohen in Italien bis zu zehn Jahre Gefängnis. Am Montagnachmittag soll sie vor einem Ermittlungsrichter erscheinen. Ihre Festnahme rief in Deutschland Empörung hervor.

Mehr als eine Million Euro Spenden gesammelt

Die Spenden für die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch sind nach der Festnahme ihrer Kapitänin Carola Rackete in die Höhe geschossen. Mehr als eine Million Euro gingen bereits ein. Über den Aufruf der Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf kamen bis Montagmittag mehr als 730.000 Euro zusammen, auf einer italienischen Facebook-Seite wurden mehr als 410.000 Euro gesammelt.

Das Spendengeld sei einerseits für die Gerichtskosten von Rackete, erklärte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer. Er fügte hinzu, wenn die "Sea-Watch 3" beschlagnahmt bleibe, brauche die Organisation ein neues Schiff. Die italienische Regierung sieht für das unerlaubte Einfahren bis zu 50.000 Euro Strafe vor. Die "Sea-Watch 3" wurde konfisziert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juli 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2019, 13:09 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

85 Kommentare

01.07.2019 19:45 Eulenspiegel 85

Also ich frage mich wo bleiben hier eigentlich unsere viel gerühmten Europäischen Werte? So zum Beispiel das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Das fällt an der Stelle aus bis Europa sein Hausaufgaben erledigt hat. Vielleicht im nächsten Jahrhundert. Wieso gibt es für die wirklichen Flüchtlinge keine Möglichkeit ohne irgendwelche Schlepper nach Europa zu kommen. Wieso gibt es für die Leute die für eine noch so geringe Chance nach Europa zu gelangen das wahrscheinliche Ertrinke im Mittelmeer in kauf nehmen keine Hilfe irgendwie in Sicherheit zu kommen. Für mich ist Carola Rackete eine Heldin der Menschlichkeit und der Menschenwürde. Mir ist klar geworden das nicht nur das „Absaufen“ grölen von Pegida sondern auch viele Kommentare hier das sowohl Hitler als auch die KZ jeder Zeit wieder Realität werden können. Und es gibt offensichtlich jede Menge Leute die gerne bereit sind zum Massenmörder zu werden.

01.07.2019 19:30 Bundesbürger 84

@70 PeterPlys: Na,na, mein Lieber. Hier geben Sie aber selber ganz schön den sog. "Wutbürger"! Könnten Sie vielleicht mal glaubhaft erläutern warum die Einhaltung italienischer Gesetze und die Einmischung in innere Angelegenheiten eines anderen Landes durch Herrn Maas die die Kommentatoren hier richtigerweise und meist sachlich beurteilen in ihren Augen von Inkompetenz und Wutbürgertum zeugen? Passt das nicht in ihre Ideologie? Also bei solcherlei Geschreibsel auch betreffs ihres stornierten Urlaubs in Italien könnte ich auch zum Wutbürger werden! Oh Gott, wie peinlich....

01.07.2019 19:26 Anton 83

@70 PeterPlys - "Die Kapitänin und die Besatzung hat menschlich gehandelt" ??? Warum hat sie dann das Schnellboot gerammt??? Sie hat angeblich die Flüchtlinge gerettet, und gleich Polizisten in Seenot gebracht. Komische Art, Menschen zu retten. Sind Polizisten für diese Frau keine Menschen?

01.07.2019 19:11 Aha 82

Letztlich darf sich jedoch niemand über das Gesetz stellen-oder was mein der Ex-Justizminister.
Deutschland ist ein Pullfaktor und stützt das Geschäft der kriminellen Schlepperbanden. Wie wäre es denn, den Migranten in ihren Heimatländern zu helfen? Das tun bereits Menschen aus Deutschland , jedoch brauchen sie den medialen Hype nicht. Sie machen es einfach-so ist das. (Wasserversorgung, Wohnstätten errichten usw.) Diese Projekte müssten durch die EU mehr gefördert werden, nicht jedoch das Geschäftsmodell krimineller Schlepperbanden.

01.07.2019 19:02 Hossa 81

Der ganze Vorgang ist eine innere Angelegenheit von Italien.
Man kann protestieren,aber nichts fordern.

01.07.2019 18:51 Theo 80

Viele Kommentare fordern einen starken Staat, damit dieser sogenannte Rechtsbruch keine Schule macht. Wie erbärmlich und armselig muß ein Mensch werden, um so eine Auffassung zu haben. Frau Rackete hält uns lediglich den Spiegel vor Augen. Diese Wahrnehmung gefällt halt vielen (ostdeutschen?) Mitmenschen nicht. Wo Staaten mit besonderer Gesetzestreue landen (Deutsches Reich, DDR) dürften viele ja dann doch noch wissen. Vielleicht hätten die italienischen Polizei nach dieser Lesart doch das Feuer eröffnen sollen? Frau Rackete verdient unseren Respekt.

01.07.2019 18:43 Roberto 79

Ob das italienische Gesetz, auf dessen Grundlage die Kapitänin festgesetzt wurde, mit EU-Recht bzw. internationalem Seerecht in Einklang steht, will ich mal bezweifeln. Wir leben weder im Mittelalter noch im Wilden Westen. Am Ende werden die Gerichte entscheiden, ich bin gespannt.
Ich finde, den Umstand, dass die EU nicht in der Lage ist, ein europaweites Asylrecht mit gerechter Flüchtlingsverteilung zu schaffen, darf man weder an den Flüchtlingen noch den Seenotrettern auslassen. Herr Salvini soll sich doch mal seinen Freund Orbán zur Brust nehmen, der gehört doch zu denjenigen, die zu Lasten der Mittelmeerstaaten alle Lösungen blockieren.

01.07.2019 18:41 Ralf Richter 78

Freilassung? Hr. Maas, was haben Sie für eine eigenwillige Rechtsauffassung? Unabhängig davon, ob dieser Art von "Seenotrettung" rechtmäßig ist, hat diese Frau vorsätzlich gegen Verbote Italiens verstoßen, hat (wie im TV zu sehen) ein ital. Polizeiboot in Gefahr gebracht, um sich das Anlegen zu erzwingen, was mind. eine Nötigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt ist. Und dann spricht dieser Minister von "schneller Freilassung".....

01.07.2019 18:39 gerd 77

In Italien schlägt in weiten Teilen der Bevölkerung Carola Rakete Hass entgegen ,sie soll verschwinden aus Italien ist der Tenor und ihre Seenotretter gleich mit -Welt Online-.
Kein Wunder haben die Italiener seid Jahren mit dieser Art
von SELBSTBEWEIHRÄUCHERUNG der deutschen Moralisten zu kämpfen ,die laden die Probleme in Italien ab und scheren sich einen Teufel um die Folgen .

01.07.2019 18:34 Horst1 76

an PeterPlys@70: wieso hat diese Kapitänin menschlich gehandelt? Wenn ich jemanden aus angeblicher Seenot rette,dann bringe ich diese Person an den nächsten Strand und nicht hunderte Kilometer nach Europa! Wenn ich in der Nähe des Strandes auf Asylanten warte und nach Europa bringe,dann ist dies Schlepperei und strafbar! Wenn sich der Herr Maas für eine Freilassung einsetzt, dann macht er sich der Strafvereitelung schuldig!