Mi 22.08. 2018 20:45Uhr 29:45 min

Exakt - Die Story Gefeiert, gehasst, blockiert

Die Seenotretter der "Lifeline"

Film von Thomas Datt und Marcel Siepmann

Komplette Sendung

Lifeline 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Mi, 22.08.2018 20:45 21:15
Sie retten Menschen auf dem Mittelmeer vor dem sicheren Ertrinken – und werden dafür als Schlepper verunglimpft: Die freiwilligen Seenotretter auf der "Lifeline" – dem Schiff eines privaten Dresdner Vereins. Warum machen sie das? Und warum wird ihr Tun, das im besten Sinne als christliche Nächstenliebe gelten dürfte, auch von Politikern der CDU und CSU verurteilt

Im Juni 2018 irrte die "Lifeline" mit 234 geretteten Migranten an Bord tagelang übers Mittelmeer. Weder Italien noch Malta ließen das Schiff anlegen. Kapitän Claus-Peter Reisch hatte sich geweigert, die Geretteten der libyschen Küstenwache zu übergeben. In Malta muss sich der 57-Jährige Bayer nun sogar vor Gericht verantworten – die "Lifeline" soll nicht korrekt registriert sein. Zur Seenotrettung kam der Unternehmer, der früher die CSU wählte, durch eine Diskussion mit seiner Freundin. Er sagt, ihm gehe es nicht darum, dass alle nach Europa kommen: "Ich will keinen politischen Kampf führen, sondern ich möchte Menschenleben retten."

Mit auf dem Schiff ist Catharine Scheller. Die Frau aus Thüringen arbeitet als Krankenschwester in einer Schweizer Klinik. Ihre Kolleginnen unterstützen sie, übernehmen ihre Schichtdienste, wenn eine Rettungsmission ansteht.

Vier Mal war Rine, wie alle an Bord sie nennen, bereits bei Einsätzen auf See dabei. Ihr Blick hat sich verändert: "Was man in den Medien als Flut, als Masse erfährt, wird viel greifbarer, wenn man auf so einem Boot Menschen mit Gesichtern und Schicksalen trifft, die zum Teil auch davon erzählen", sagt sie. "Manchmal sind die Leute bereits seit mehr als zwei Jahren auf der Flucht."

Die Reportage begleitet Seenotretter zuhause in Deutschland, auf der "Lifeline" und während der unfreiwilligen Wartezeit auf Malta, wo das Schiff für die Dauer des Prozesses gegen Kapitän Claus-Peter Reisch beschlagnahmt wurde. "exakt – die Story" trifft auch Kritiker wie Marian Wendt, sächsischer CDU-Bundestagsabgeordneter. Der Hobby-Skipper wirft der "Lifeline"-Crew und anderen privaten Seenotrettern eigenmächtiges Handeln vor, weil sie Gerettete ausschließlich nach Europa bringen wollen: "Die nächstgelegenen Orte sind dabei in der Regel in Libyen oder Tunesien. Hierher sollten die Menschen auch aus der Notlage gebracht werden." Wendts Fazit: "Jeder Ort, an dem keine aktiven Kampfhandlungen stattfinden, ist zunächst ein sichererer Aufenthaltsort als ein Schlauchboot im Meer."

Deutschland diskutiert über die Seenotrettung im Mittelmeer. Was sagt die Debatte "Retten oder lieber nicht?" über die Stimmung in unserem Land und über den Zustand der Europäischen Union aus?

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