Sojabohnen
Kommen wohl bald reichlicher in die EU: US-amerikanische Sojabohnen wie diese hier aus einem Betrieb in Iowa Bildrechte: dpa

Kompromiss zwischen EU und USA Wer mehr vom Sojabohnen-Deal hat

Es war eine Überraschung: Die EU und die USA wollen den Handelsstreit beilegen. Es bleiben aber viele Fragen. Welche Seite hat mehr von dem Deal? Und wer in Europa braucht eigentlich die ganzen Sojabohnen?

Sojabohnen
Kommen wohl bald reichlicher in die EU: US-amerikanische Sojabohnen wie diese hier aus einem Betrieb in Iowa Bildrechte: dpa

Praktisch sofort würde die EU beginnen, mehr Sojabohnen zu importieren, so formulierte es US-Präsident Donald Trump nach dem offiziellen Deal zur baldigen Beilegung des Handelsstreits. Sojabohnen spielten eine wichtige Rolle, setzte er nach und bedankte sich bei EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker für die Zusage von mehr Importen.

Sojabohnen sind das wichtigste landwirtschaftliche Exportgut der USA. 2017 gingen mehr als sechs Millionen Tonnen nach Europa und fast 18 Millionen nach China. Doch nicht nur mit der EU streitet sich Trump um die Handelsbeziehungen, sondern eben auch mit China. Als die USA damit angefangen haben, Zölle auf chinesische Waren zu erheben, reagierten die Chinesen mit Gegenzöllen. Die Nachfrage nach den Bohnen aus den USA ging deutlich zurück.

Das traf vor allem die Farmer im Mittleren Westen, die als wichtige Unterstützer des Präsidenten gelten. Die US-Regierung verkündete deshalb erst am Dienstag, ein Nothilfepaket von bis zu zwölf Milliarden Dollar für den Agrarsektor bereitzustellen. Jetzt soll zusätzlich die EU aushelfen.

Experte: Einigung zulasten von Drittländern

Die Frage ist nur: Braucht die EU überhaupt so viele Sojabohnen? Bisher steht noch nicht fest, von wann an genau die EU ihre Importe aus den USA erhöhen wird. Auch wie das technisch ablaufen soll, ist unklar: Anders als China kann Europa nicht von sich aus die Importe erhöhen, sondern muss die großen Agrarimporteure in den Mitgliedsstaaten davon überzeugen.

Experten zufolge ist aber nicht zu befürchten, dass die EU nun massenhaft überflüssige Sojabohnen anhäuft - nach dem Vorbild der Butterberge, die ein jahrelang diskutiertes Problem waren. "Wenn Europa mehr Sojabohnen aus den USA importiert, dann geht das eher zu Lasten der Drittländer", sagt Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig MDR AKTUELL. "Dann werden eben zum Beispiel weniger Bohnen aus Brasilien importiert."

Gebraucht wird die Sojabohne vor allem als Futtermittel, denn Europa selbst produziert zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen. Außerdem wird ein geringerer Teil zur Herstellung von Biodiesel benötigt. Die Bohnen aus den wichtigsten Erzeugerländern, zu denen neben den USA auch Südamerika gehören, sind übrigens fast immer gentechnisch verändert - anders als die europaeigenen Pflanzen.

Deal nutzt beiden Seiten

Sojabohnen
Wichtiger Mann für Trump? Die Bauern im Mittleren Westen der USA, wie dieser hier auf seinem Sojafeld in South Dakota, gelten als fleißige Wähler des US-Präsidenten. Bildrechte: dpa

Internationale Beobachter glauben, dass Trump der EU nur deshalb Zugeständnisse gemacht hat, weil er innenpolitisch unter Druck steht. "Trump hat unter den Bauern und bei den Öl- und Erdgasbossen wichtige Unterstützer", sagt auch Wirtschaftswissenschaftler Schnabl.

Er bezweifelt aber, dass der amerikanische Präsident mit seinen Zollerhöhungen und Drohungen gegen die Handelspartner sehenden Auges in eine innenpolitische Krise gelaufen ist.

"Kein Politiker, dem am eigenen Machterhalt gelegen ist, kann es sich leisten, dass wegen höherer Zölle die Preise an den Ladenkassen steigen." Für Schnabl waren die Handelskonflikte der vergangenen Wochen daher auch eher "Schattengefechte, um in einzelnen Partialmärkten Vorteile zu Gunsten der USA zu erreichen".

Bekommen wir eher mehr freien Handel?

Folgt man der Intepretation, so ist das Trump jetzt für die Landwirtschaft und den Energiesektor (die EU will auch mehr Flüssiggas aus den USA importieren) gelungen - sofern der Deal mit der EU tatsächlich zustande kommt. Aber auch für Europa sei die Einigung positiv, sagt Schnabl: "Niedrige Preise sind auch für EU gut."

Derzeit sehe es sogar insgesamt so aus, als führten die Handelskonflikte am Ende eher zu mehr freiem Handel als zu weniger. Aber das müsse abgewartet werden. "Momentan ist ja alles sehr volatil und geht mal in die eine und mal in die andere Richtung", erklärt Schnabl.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juli 2018 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2018, 16:08 Uhr

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12 Kommentare

27.07.2018 22:48 konstanze 12

mit einem pain or gain hat sich trump nun doch gegenüber der eu durchgesetzt. der vorteil ist: nun evtl. oder evtl. auch nicht auf autozölle zu verzichten. der schmerz ist: der sinnbefreite import von gensoja und frackinggas. hat juncker sich eigentlich privat eine tüte gensoja gekauft ? zu mehr hat er keine befugnis ! oder haben wir keine marktwirtschaft mehr ?

27.07.2018 11:25 Werner 11

@part 10: "Bednklich stimmt mich aber um so mehr das Fracking- Gas aus den USA, um ein Drittel teurer als aus Rußland. Soll so unbedingt Nord- Stream II verhindert werden?" Vermutlich. Mindestens ein Tritt ins Schienbein. Als finanzpolitisch-geschäftliches Torpedo auf die Nord-Stream, dessen "Interessenten" für billiges Gas hauptsächlich hier ansässig sind. Hr. Juncker, der offensichtlich andere Prioritäten setzt, hat sich "als EU-Vertreter" meiner Meinung nach über den Tisch ziehen lassen. Ein Vertreter aus D. hätte dort "keine Luft rangelassen". Thema ist Unverhandelbar. Noch ein Grund, die EU.... aber für unseren FM nicht schlecht. Höhere Kosten tragen allein die Verbraucher - mit noch mehr Steuern. Während die Industrie mit Steuersubvention sicher keine höheren Kosten hat. Wegen dem "Erhalt der Arbeitsplätze" und so. Das ist so sicher, wie... am Sonntag. Ansonsten auf diesen "genialen Deal", aus Sicht deutscher Interessenten, einen Prost. Wegen dem Ischias und anderen Zipperlein.

26.07.2018 23:24 part 10

Als Vegatarier freue ich mich schon auf das große Schweinesterben, wenn selbst Holzkohle im Tierfutter nicht mehr hilft bei so viel GVO. Bednklich stimmt mich aber um so mehr das Fracking- Gas aus den USA, um ein Drittel teurer als aus Rußland. Soll so unbedingt Nord- Stream II verhindert werden? Was die Autozölle betrifft, so waren dies nur Fake- News, besonders die deutsche Autoindustrie produziert schon ausreichend in den USA, die Auswirkungen wären unbedeutend gewesen. Vielmehr scheint hier die wirtschaftliche Spaltung zwischen Europa und Eurasien oder Asien im Focus der USA zu liegen. Zudem kann man den Worten und meinungen des amtieren US- Präsidenten kein Vertrauen schenken, er revidiert zu oft und verfasst Erklärungen auf sozialen Medien. Europa soll indess den Ausputzer machen auf die Importbeschränkungen von China. Bleibt zu hoffen der EU-Kommissionschef nüchtern war und bleibt bei den Verhandlungen.

26.07.2018 16:32 Fragender Rentner 9

Der Bütikofer, kennt wohl schon den Inhalt der möglichen Verhandlungen?

26.07.2018 16:18 Fragender Rentner 8

Na ob die EU und deren Vertreter wieder vor Trump gekuscht haben werden?

26.07.2018 16:14 Peter 7

@3 Morchelchen: Das mit der Zunahme der veganen Ernährung mag stimmen.
Fakt ist aber auch, dass 80 Prozent der Sojaimporte als Tierfutter genutzt wird. Ganz nach der Devise: Viel Soja = billiges Fleisch.
Einige der Veganer haben sich auch wegen der Massentierhaltung gegen den Fleischkonsum entschieden.
Ergo: Die Veganer für die Umwandlung von Ackerland in Soja-Anbau-Kulturen verantwortlich zu machen, zieht nicht. Eher wohl das Konsumverhalten von Otto-Normal-Verbraucher, der billiges Fleisch im Supermarkt kaufen will.

26.07.2018 15:44 Fragender Rentner 6

Na hoffentlich bekommen wir das Flüssiggas der USA bald, was durch das gute Fracking gewonnen wurde. :-(

Hat man sich nicht dieser Tage über ähnliches der exDDR bei der Gas- oder Ölförderung im Fernsehen berichtet?

26.07.2018 14:57 OHNEWORTE 5

Trump laesst sich nicht durch irgendeinen Vertreter der EU aufhalten......Fuer den ist die EU ein Dorn im Auge ..... Und wenn dann noch ein Vertreter EU kommt der Rueckenleiden hat , da ist die Verhandlung schon gelaufen. Sojabohnen , warum nicht irgendwelchen Bergschotter,den niemand braucht.Trump sagt frontal heraus was ihm gelegen kommt, und nicht Junkers gerne als knallharter Verhandlungspartner erreichen moechte.....

26.07.2018 14:47 wirtz 4

Bravo Mr. President kaum kommen diese falschen abzockendenTeuroterroristen gekrochen sind diese schon wieder weg nur das jetzt die Sojabohnen über D nach China gehen.

26.07.2018 14:23 Morchelchen 3

Also, so eine Frage ist selbst von Ihnen, Redaktion des MDR, erstaunlich! Alle Veganer und Vegetarier benötigen Soja. Und bei der stetigen Zunahme der "Fleischlosen" in Europa, immer mehr! Nun wurde ja beklagt, dass dadurch in Afrika Wälder gerodet wurden, da ist es eigentlich eine gute Nachricht, dass bald Soja in Massen aus Amerika kommen wird. Es ist ein offenes Geheimnis, dass eben gerade Soja als Grundlage der fleischlosen Ernährung Unmengen an Flächen benötigt, die man früher zur Erzeugung von für Afrikaner wichtigen Nahrungsmitteln genutzt hat.

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