Einsatzkräfte untersuchen am 17.08.2017 in Alcanar (Spanien) die Trümmer eines Wohnhauses, das am 16.08.2017 explodiert ist. Die Explosion hängt nach Ansicht der Ermittler mit den Terroranschlägen vom 17.08.2017 in Barcelona und Cambrils zusammen. In dem Haus hatte eine Terrorzelle 120 Gasflaschen gehortet. Damit sollten nach Vermutung der Ermittler ein oder mehrere noch größere Attentate verübt werden
Der Kopf der Terrorzelle, Imam Es Satty, kam nach derzeitigem Ermittlungsstand bei einer großen Explosion in Alcanar ums Leben. Bildrechte: dpa

Anschläge in Spanien Richter stoppte Abschiebung des Terrorzellen-Anführers

Nach aktuellem Stand der Ermittlungen war ein Imam aus Marokko Kopf der Terrorzelle aus Katalonien. Wie sich nun herausstellte, sollte der Mann schon 2014 abgeschoben werden - aber ein Richter stoppte den Vorgang.

 Einsatzkräfte untersuchen am 17.08.2017 in Alcanar (Spanien) die Trümmer eines Wohnhauses, das am 16.08.2017 explodiert ist. Die Explosion hängt nach Ansicht der Ermittler mit den Terroranschlägen vom 17.08.2017 in Barcelona und Cambrils zusammen. In dem Haus hatte eine Terrorzelle 120 Gasflaschen gehortet. Damit sollten nach Vermutung der Ermittler ein oder mehrere noch größere Attentate verübt werden
Der Kopf der Terrorzelle, Imam Es Satty, kam nach derzeitigem Ermittlungsstand bei einer großen Explosion in Alcanar ums Leben. Bildrechte: dpa

Die spanische Justiz hat einen schweren Irrtum im Umgang mit dem mutmaßlichen Kopf der Terrorzelle von Katalonien eingeräumt. Wie die Behörden mitteilten, hatte der Imam Abdelbaki Es Satty im Jahr 2014 nach einem Gefängnisaufenthalt abgeschoben werden sollen. Ein Richter habe die Abschiebung aber im März 2015 gestoppt. Er habe damals befunden, der Imam stelle keine "ausreichend schwere Gefahr für die öffentliche Ordnung" dar und sei "um eine Integration in die spanische Gesellschaft" bemüht.

Imam plante Selbstmordattentat

Die Behörden bestätigten damit einen Bericht der Zeitung "El Mundo" vom Dienstag. Der aus Marokko stammende Es Satty hatte demnach eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßt. Am Dienstag hatten nach Justizangaben zwei der festgenommenen Terrorverdächtigen in einer Gerichtsanhörung ausgesagt, der Imam habe große Sprengstoffanschläge geplant, unter anderem auf die Kirche Sagrada Familia in Barcelona. Er habe sich dabei auch als Selbstmordattentäter in die Luft sprengen wollen.

Tod bei unbeabsichtigter Explosion in Alcanar

Nach den Anschlägen in Barcelona und Cambrils mit 15 Toten und mehr als 120 Verletzten war tagelang nach Es Satty gefahndet worden. Nach jetzigem Stand der Ermittlungen war er zu diesem Zeitpunkt aber schon tot. Demnach kam der Imam bei einer unbeabsichtigten Explosion eines Hauses in Alcanar, das wohl als Versteck der Terrorzelle diente, ums Leben. In den Trümmern wurden außerdem mindestens 500 Liter Aceton, große Mengen Nägel, Zünder und etliche Gasflaschen gefunden. Aus diesen Materialien lässt sich der Sprengstoff TATP herstellen, der häufig von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" eingesetzt wird.

Dem Geständnis des Terrorverdächtigen zufolge trat nach der Explosion "Plan B" in Kraft - der Autoanschlag von Barcelona. Dabei habe die Zelle ein Auto angemietet, das aber nach kurzer Zeit in einen Unfall verwickelt wurde, und mietete dann einen zweiten Wagen an, mit dem das Attentat durchgeführt wurde.

Suche nach Mitwissern und Auslandskontakten

Aktuell fahndet die Polizei weiter nach Mitwissern. Polizeiangaben zufolge gab es in der Nacht zu Mittwoch mehrere Razzien, um ein mögliches Unterstützer-Netzwerk der Terrorzelle ausfindig zu machen. Für wichtige Gebäude, unter anderem die Sagrada Familia, gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Die Ermittler gehen außerdem Spuren ins Ausland nach, unter anderem nach Frankreich, Belgien, in die Schweiz und nach Marokko, woher die meisten Mitglieder der Terrorzelle stammten. Spanische Medienberichte, wonach es in Marokko im Zusammenhang mit den Anschlägen Festnahmen gegeben habe, wollten die dortigen Behörden nicht bestätigen. Die belgischen Behörden haben allerdings bestätigt, dass Es Satty versuchte, in verschiedenen Moscheen des Landes eine Stelle als Imam zu bekommen. Von Januar bis März 2016 arbeitete er in der Kleinstadt Vilvoorde - sie gilt als Dschihadistenhochburg.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 23.08.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2017, 10:09 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

16 Kommentare

25.08.2017 20:26 Fragender Rentner 16

@H.E. zu 14

Hatte ml im Internet nach gesehen, es ist wirklich für jeden interessant doch zu lesen.

25.08.2017 11:03 Fragender Rentner 15

@ @ 13 - Fragender Rentner - H.E. 14

Mir wurde noch kein Koran geschenkt.

Und was steht zu den Ungläubigen im Koran?

Im Fernsehen war nur mal von der Sure 4 die Rede.

25.08.2017 04:14 @ 13 - Fragender Rentner - H.E. 14

Beschäftigen Sie sich mal bitte intensiv mit Mohammed und lesen Sie im Koran SURE 2 Vers 191 - 193, die immer auch von den Islamwissenschaftlern, die an unseren Universitäten inzwischen wie Pilze aus dem Boden schießen, noch relativiert werden.
Vielleicht verstehen Sie dann besser, was ich mit dem Satz "Der Islam sei eine Religion der Liebe und des Friedens" gemeint habe.

24.08.2017 16:26 Fragender Rentner 13

@H.E. zu 1 Was hat die Mutter des Fahrers von BARCELONA verkündet: "Der Islam sei eine Religion der Liebe und des Friedens".

Das stimmt vielleicht für alle die nach dem Koran leben nur mit sehr kleinen Differenzen der Glaubensrichtungen.

Lebst du und viele andere danach?

24.08.2017 16:20 Fragender Rentner 12

Zitat von Oben: Richter stoppte Abschiebung des Terrorzellen-Anführers

Und warum, wurde er und andere noch nicht richtig integriert?

Gibt es das auch in anderen Ländern so?

Stand nicht auf einer anderen Seite etwas von guter Integration?

24.08.2017 15:07 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 11

Wer zweifelt, detoniert nicht! Auf diese einfachen vier Worte hat es Dieter Nuhr reduziert.

Wenn der, der glaubt, so tut, als ob er weiß, ist dies meist der erste in einer ganzen Reihe von schweren Fehlern.

24.08.2017 09:43 Atheist - aus Mangel an Beweisen 10

Jetzt erst verstehe ich warum in der DDR die Religion keine Rolle spielen sollte - es war im nachhinein betrachtet eine sehr Gute Entscheidung.
Und K. Marx hatte recht!

24.08.2017 08:44 Michael Möller 9

ich muß sagen das ich fast allen Kommentatoren hier Recht gebe, sehr treffent ergündet. es wird wirklich Zeit das die Verantwortlichen Richter und die Staatsanwaltschaft sowie die Politiker für ihre Fehler genau wie der normal Bürger zur Rechenschaft gezogen wird und dafür gerade stehen muß und für den Schaden haften müßen. so sehe ich das.

24.08.2017 07:36 REXt 8

Immer wieder das gleiche Schema! Es wird Zeit solche Leute für ihr Handeln zur Verantwortung zu ziehen! Danach will es keiner gewesen sein, es muß aufhören, Gefährdern Schutz zu gewähren!

24.08.2017 07:10 Paula 7

Das kommt eben davon, wenn man den Anhängern der Religion, die die Liebe und den Frieden auf ihre Fahnen geschrieben hat, wie die Mutter des Fahrers in Barcelona äußerte , gegenüber zu gutgläubig ist.