Ein Besatzungsmitglied des spanischen Rettungsschiffes «Open Arms» von der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms tröstet einen Migranten.
Ein Besatzungsmitglied des spanischen Rettungsschiffes "Open Arms" kümmert sich um einen Flüchtling. Bildrechte: dpa

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer Spanien bietet "Open Arms" Menorca als Zuflucht an

Im Ringen um mehr als 100 Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff "Open Arms" hat Spaniens Regierung Mahón auf Menorca als sicheren Hafen angeboten. Italien verweigert dem vor Lampedusa liegenden Schiff weiter den Zugang zum Land.

Ein Besatzungsmitglied des spanischen Rettungsschiffes «Open Arms» von der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms tröstet einen Migranten.
Ein Besatzungsmitglied des spanischen Rettungsschiffes "Open Arms" kümmert sich um einen Flüchtling. Bildrechte: dpa

Die spanische Regierung hat dem Rettungsschiff "Open Arms" auch die Balearen als sicheren Zufluchtsort angeboten. Wie die spanische Zeitung "El Pais" online berichtet, könnte das Schiff den Hafen Mahón auf Menorca ansteuern.

Die Baleareninsel liegt knapp 1.000 Kilometer von der italienischen Insel Lampedusa entfernt, wo das Rettungsschiff eine Lösung für die mehr als 107 afrikanischen Flüchtlinge an Bord sucht. Die spanische Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" hatte ein Angebot vom Sonntag, den andalusischen Hafen Algeciras anzusteuern, zurückgewiesen. Die Lage an Bord sei zu prekär, um weitere fünf Tage auf See zu verbringen. Algeciras liegt deutlich weiter entfernt als Mahón.

Dritte Woche für die Flüchtlinge an Bord

Die "Open Arms" befindet sich seit vergangenem Donnerstag in unmittelbarer Nähe der italienischen Insel Lampedusa, darf wegen der harten Haltung des rechten Innenministers Matteo Salvini die Menschen aber nicht an Land bringen. Lediglich einige Kinder und Jugendliche ohne Begleitung durften einreisen.

Mallorca und Menorca sind die nächstliegenden spanischen Anlaufstellen. Deshalb habe Vizeregierungschefin Carmen Calvo die Regionalbehörden der Balearen gebeten, dort einen Hafen zu öffnen, berichteten spanische Zeitungen. Eine offizielle Reaktion von "Proactiva" gab es zunächst nicht. Mehrere europäische Länder haben sich bereit erklärt, die Flüchtlinge auf "Open Arms" aufzunehmen.

Die Lage auf dem Schiff war am Sonntag nach zweieinhalb Wochen auf See kurzzeitig eskaliert. Mehrere Migranten sprangen ins Meer - offenbar um nach Lampedusa zu schwimmen. Helfer brachten sie zurück an Bord. Das spanische Fernsehen zeigte am Montag Bilder der resignierten Menschen. Einige hatten Weinkrämpfe und wurden von Psychologen betreut.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. August 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 12:44 Uhr

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48 Kommentare

21.08.2019 05:24 Auf der Sonnenseite des Lebens 48

@Klaus 42
"Natürlich sind wir für diese Regierung verantwortlich, weil die Mehrheit die Regierungsparteien gewählt hat."

da gebe ich ihnen recht, die Union und die SPD hatten damals die Mehrheit.

Inzwischen liegt die Union aber bei knapp 30 Prozent und die SPD bei rund 15 Prozent.

Das ist nicht unbedingt eine Mehrheit mehr.

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21.08.2019 02:12 Klaus 47

Die Geretteten dürfen jetzt doch an Land und die italienische Regierung ist zerbrochen.
Manchmal kommt Vernunft ganz schön schnell.
Na also, es geht doch, zumindest sobald man Vernunft zulässt.

20.08.2019 21:00 Auf der Sonnenseite des Lebens 46

"Italien ordnet Beschlagnahmung von "Open Arms" an"
https://www.mdr.de/nachrichten/politik/ausland/rettungsschiff-open-arms-italien-spanien-100.html

das ist doch mal ein Anfang dem Ganzen ein Ende zu setzen.

20.08.2019 20:22 Auf der Sonnenseite des Lebens 45

vielleicht bringt ja das Spanische Marineschiff die Schiffbrüchigen nach Tunesien.

Da gibt es einen Aufnahmehafen!

20.08.2019 20:21 Auf der Sonnenseite des Lebens 44

alle Angebote von Spanien werden abgelehnt. Jetzt schickt Spanien auch noch ein Marineschiff.

Werden hier Konflikte provoziert?

20.08.2019 18:44 Klaus 43

@ { 20.08.2019 12:03 Theophanu }
Dieses falsche Argument wird immer wieder gebracht.
Der MDR hat das ja gleich richtig gestellt.
So langsam müssten das die Fake-News-Schreiber doch verstehen. Oder doch nicht?

20.08.2019 18:40 Klaus 42

@ { 20.08.2019 10:33 sh }
Natürlich sind wir für diese Regierung verantwortlich, weil die Mehrheit die Regierungsparteien gewählt hat.
Und es kommt ja auch so, wie ich das vorhergesagt habe.
Hier sind weitere aktuelle Infos zum Streit um "Open Arms"
https://www.tagesschau.de/ausland/open-arms-schiff-101.html
Überschrift: "Schande für die gesamte Menschheit"
Dem kann ich nur zustimmen.

20.08.2019 17:15 Bernd L. 41

Zum MDR-Beitrag 40:
Ihr Beitrag gibt die Rechtslage nicht richtig wieder.
Nach Seerecht:
"Ein "sicherer Ort" ist dort, wo das Leben der Überlebenden nicht mehr weiter in Gefahr ist und wo ihre menschlichen Grundbedürfnisse gedeckt werden können. "
Das ist in Tunesien, Ägypten, Marokko etc absolut sicher erfüllt, sogar in Lybien. Dieser Begriff stimmt nicht mit dem bei uns in den Medien benutzten Begriff des "sicheren Hafens" überein.
Und: Es gibt nur das Recht auf Versorgung auf den Schiffen, kein Recht der Anlandung. Australien hat das 2001 bei dem norwegischen Schiff so gemacht. Italien ist also völlig in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht. Diesen wichtigen Hinweis vermisse ich im Artikel!.

20.08.2019 12:03 Theophanu 40

Tunesien ist wohl das nächste sichere Land. Man sollte auch mal erinnern, dass das internationale Seerecht bei Seenotrettung das Bringen zum nächsten Hafen vorsieht- von sicherem Hafen isrt dort nicht die Rede. Der Terminus "sicherer Hafen" ist eine ideologische und politische Nebelkerze - es gibt keine echtes Kriterium, wann ein Hafen "sicher" ist.

[Lieber Theophanu, in den "Richtlinien für die Behandlung von auf See geretteten Personen" ist der sichere Ort wie folgt definiert:

"Es ist auch ein Ort, an dem das Leben der Überlebenden nicht mehr weiter in Gefahr ist und an dem ihre menschlichen Grundbedürfnisse (wie zum Beispiel Nahrung, Unterkunft und medizinische Bedürfnisse) gedeckt werden können. Es ist weiter ein Ort, von dem aus Vorkehrungen für den Transport der Überlebenden zu ihrem nächsten oder endgültigen Bestimmungsort getroffen werden können."
(Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/faq-seerecht-101.html)
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

20.08.2019 10:33 sh 39

@34Klaus, Ihr Kommentar geht komplett in die falsche Richtung, wenn wie Sie schreiben, der Waffenhandel schuld ist, dann sollten auch die Waffenhändler und die Regierenden, welche dies zulassen die Verantwortung übernehmen und z.B. eine Insel kaufen, wo sie die Menschen unterbringen und versorgen. Wir die Steuerzahler sind nicht dafür zuständig und auch nicht für die Folgen dieser gesamten Asylproblematik. Sie verwechseln also die Verantwortlichen mit uns Bürgern, die für diese Politik keinerlei Verantwortung tragen. Und zweitens braucht niemand zu ertrinken, wenn diese "Retter" endlich aufhören, die Überfahrten zu Ende zu bringen, wird niemand mehr aufs Wasser gehen, siehe Australien. Und wenn wir von Werten reden, dann wäre es schön, wenn wir Europäer endlich darüber befinden dürften, ob wir unsere Werte und unsere Kultur beibehalten können, wenn ich etwas Anderes will, reise ich in diese Länder.

[Lieber sh, die Behauptung, dass Flüchtlinge den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nicht mehr antreten würden, wenn es keine Seenotretter gäbe, ist nicht belegbar. Fluchtursachen und die Motivation der Menschen sind unterschiedlich und nicht pauschal zu benennen. Mehr dazu können Sie hier lesen: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/migrationsforschung-zusammenhang-von-seenotrettung-und-fluechtlingszahlen
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]