Handschlag zwischen Kim und Trump
Nobelpreis-Verdächtig? Historischer Handschlag zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump Mitte Juni in Singapur. Bildrechte: dpa

Spekulationen vor Vergabe Könnte der Friedensnobelpreis nach Korea gehen?

Schon häufig waren Friedensnobelpreisträger umstritten: Zuletzt galt das insbesondere für die EU, Barack Obama sowie Myanmars Defacto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Die Liste könnte in diesem Jahr fortgesetzt werden: In Online-Wettbüros rangieren Nordkoreas Machthaber Kim und US-Präsident Trump weit oben.

Handschlag zwischen Kim und Trump
Nobelpreis-Verdächtig? Historischer Handschlag zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump Mitte Juni in Singapur. Bildrechte: dpa

Am Freitag wird die wichtigste politische Auszeichnung der Welt vergeben: Der Friedensnobelpreis. In diesem Jahr scheint die Wahl für das fünfköpfige Komitee schwieriger zu sein als in den Vorjahren. Gibt es doch einige sehr unterschiedliche vermeintliche Favoriten. Nominiert sind insgesamt 331 Kandidaten, darunter 216 Persönlichkeiten und 115 Organisationen. Das ist die bislang zweithöchste Zahl an Vorschlägen nach dem Rekord von 376 im Jahr 2016.

Kim, Moon und Trump bei Buchmachern vorn

In mehreren Online-Wettbüros gelten Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und der südkoreanische Präsident Moon Jae als Top-Anwärter. Ihr Aufeinandertreffen in diesem Jahr weckte Hoffnungen auf einen Friedensvertrag und nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel. Die Annäherung Nord- und Südkoreas gilt als der große Durchbruch in internationalen Beziehungen in diesem Jahr. Hoch gehandelt wird auch US-Präsident Donald Trump wegen seines historischen Treffens mit Kim Mitte Juni in Singapur.

Experten sehen mögliche Ehrung skeptisch

Doch kann es für eine Annäherung schon einen Friedensnobelpreis geben? Experten halten eine Auszeichnung Koreas für verfrüht. So sei der Erfolg noch nicht ausreichend zementiert, sagt der schwedische Friedens- und Konfliktforscher Peter Wallensteen von der Universität Uppsala. Auch für den Hamburger Friedensforscher Michael Brzoska sind die Fortschritte bei der Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel "eher bescheiden".

Der Direktor vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri, Dan Smith, sieht auch die "Protagonisten" um Korea mit Skepsis und meint damit vor allem den unberechenbaren nordkoreanischen Machthaber.

Doch ich frage mich wirklich, ob das Friedensnobelpreis-Komitee imstande wäre, Kim Jong Un einen Preis zu verleihen.

Prio-Chef favorisiert UN-Welternährungsprogramm

Auf der Favoritenliste des Osloer Friedensforschungsinstuts Prio steht dagegen das UN-Welternährungsprogramm (WFP) auf dem ersten Platz. "Hunger ist wieder einmal eine der großen humanitären Herausforderungen unserer Zeit", sagt Institutsleiter Henrik Urdal.

Gleich hinter dem WTP rangieren bei Urdal der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die Jesidin Nadia Murad. Mukwege operiert in seiner Heimat vergewaltigte Frauen. Die jetzt 25-jährige Murad war vom IS im Irak als Sexsklavin verschleppt worden. Beide seien führende Persönlichkeiten, wenn es darum gehe, die Aufmerksamkeit auf sexuelle Gewalt in Konflikten zu lenken.

Auch die US-Bürgerrechtlerin Tarana Burke ist als Mitbegründerin für die #MeeToo-Kampagne für den Prio-Chef preiswürdig, ebenso Organisationen der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer.

Nominierte bleiben geheim

Laut der Statuten der Nobelstiftung ist und bleibt die Liste der Nominierten geheim - mindestens für die nächsten 50 Jahre. Es ist also unbekannt, ob Kim, Trump oder Südkoreas Regierungschef Moon wirklich vorgeschlagen wurden. So ist auch nicht bekannt, wer neben dem Preisträger im Jahr 2017 nominiert war. Der Friedensnobelpreis jedenfalls ging 2017 an das Anti-Atomwaffen-Bündnis Ican.

Über den Friedensnobelpreis Die Auszeichnung soll auf Wunsch ihres Stifters, Alfred Nobel, an denjenigen gehen, "der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat."

Für die Vergabe ist keine schwedische Institution, sondern ein vom norwegischen Parlament bestimmtes fünfköpfiges Komitee zuständig.

Die Auszeichnung wird seit 1901 jedes Jahr am Todestag ihres Stifters am 10. Dezember in Oslo verliehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Oktober 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2018, 05:03 Uhr

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3 Kommentare

05.10.2018 10:42 Fragender Rentner 3

Diese Leute sollen doch solche Preise erst verteilen wenn es Wirklichkeit gewurden ist.

Haben doch schon viele verteilt, die sich dann zum Rohrkrepierer sich entwickelt haben !!!

05.10.2018 10:30 ralf meier 2

Da lese ich: 'Experten halten eine Auszeichnung Koreas für verfrüht. So sei der Erfolg noch nicht ausreichend zementiert, sagt der schwedische Friedens- und Konfliktforscher Peter Wallensteen von der Universität Uppsala. Auch für den Hamburger Friedensforscher Michael Brzoska sind die Fortschritte bei der Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel "eher bescheiden".

Da stellt sich mir die Frage: 'Weil nicht sein darf. was nicht sein soll ?

Nach der Preisverleihung an den laut Bento 'offiziellen US-Kriegspräsidenten No. 1' Herrn Obama wäre eine Preisverleihung an Herrn Trump ein echter Fortschritt. Ich gebe allerdings zu, das das eine oder andere Qualitätsmedium das anders sehen könnte.

05.10.2018 08:22 Lilly 1

ich würde Herrn Stoltenberg nominieren.

Der passt gut in die Reihe ;-)