Flüchtlinge auf einem Schlauchboot werden vom Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline aufgenommen.
Das Dresdner Rettungsschiff "Lifeline" bei einer Mission auf dem Mittelmeer. Bildrechte: dpa

Rettungsschiff "Lifeline" Böhmermanns Spendenaktion für "Lifeline" bringt fast 200.000 Euro

Fast 200.000 Euro in knapp über einer Woche: So viel Geld konnte Moderator Jan Böhmermann über eine Spendenaktion für die Besatzung des Rettungsboots "Lifeline" sammeln. Mit dem Geld sollen die Prozesskosten des in Malta vor Gericht stehenden Kapitäns übernommen werden.

Flüchtlinge auf einem Schlauchboot werden vom Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline aufgenommen.
Das Dresdner Rettungsschiff "Lifeline" bei einer Mission auf dem Mittelmeer. Bildrechte: dpa

Exakt 198.289,33 Euro sind auf der Crowdfunding-Plattform Leetchi zur Unterstützung der in Malta festgenommenen Besatzung des Rettungsschiffs "Lifeline" zusammengekommen. 9.010 Menschen haben sich an der Spendenaktion beteiligt, die meisten mit kleinen Beiträgen zwischen 5 und 50 Euro.

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Der angeklagte "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch. Bildrechte: dpa

Der Fernsehmoderator und Satiriker Jan Böhmermann hatte die Kampagne vor anderthalb Wochen gestartet. Mit dem Geld sollen die Kosten für den Prozess gegen den deutschen Kapitän des Dresdner Rettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, gedeckt werden. Er steht seit vergangenem Montag in Malta vor Gericht.

Reisch wird unter anderem vorgeworfen, sein Schiff falsch registriert zu haben. Die "Lifeline" dürfe daher in internationalen Gewässern nicht fahren, hatte die maltesische Schifffahrtsbehörde erklärt. Das in den Niederlanden zugelassene Schiff wurde von den maltesischen Behörden beschlagnahmt.

Zuvor hatte die "Lifeline" mit 234 vor der libyschen Küste geretteten Flüchtlingen an Bord erst nach einer mehrtägigen Odyssee die Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen von Malta erhalten.

Arbeit privater Seenotretter unterbunden

Jan Böhmermann
Jan Böhmermann hat mit einer Spendenaktion fast 200.000 Euro eingesammelt. Bildrechte: Ben Knabe/ZDF

Böhmermann sagte in einem Video, in dem er die Spendenaktion begründete, es könne nicht sein, dass der Besatzung, die mehr als 230 in Seenot geratenen Menschen das Leben gerettet hat, mit "rechtlichen Konsequenzen" gedroht werde.

Italien und Malta hatten ihre Häfen im Juni für Rettungsschiffe geschlossen. Mehrere Schiffe und Aufklärungsflugzeuge werden von den Behörden zurückgehalten. Damit wird die Arbeit der Seenotretter unterbunden. Seitdem ist die Zahl der Toten im Mittelmeer wieder stark gestiegen.

Unterdessen gibt es eine weitere Online-Spendenkampagne zugunsten von privaten Rettungsorganisationen im Mittelmeer. Initiator ist der Fernsehmoderator Klaas Heufer-Umlauf. Mit dem Geld sollen Schiffe für die Seenotrettung gechartert werden.

Weitere Spendenaktion sehr erfolgreich

Auch diese Spendenaktion läuft bisher sehr erfolgreich: Bis Montagmittag waren bereits rund 146.500 Euro zusammengekommen. Die Aktion läuft noch weitere 18 Tage. Der Comedian Nico Semsrott schrieb bei Twitter, er habe ein Honorar in Höhe von 1.000 Euro, das er für einen Vortrag bei der EU in Brüssel bekommen habe, gespendet. Damit flösse indirekt EU-Geld in die Rettung von Flüchtlingen.

Tausende Menschen hatten am Samstag bundesweit für die Seenotrettung auf dem Mittelmeer demonstriert. Sie forderten sichere Fluchtwege nach Europa und eine Entkriminalisierung der zivilgesellschaftlichen Seenotretter. Zu den Protesten hatte ein Bündnis "Seebrücke" aus 13 Flüchtlingsinitiativen und zivilgesellschaftliche Gruppen aufgerufen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juli 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2018, 14:54 Uhr

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48 Kommentare

10.07.2018 21:32 Ingrid 48

Frage: Wer hat eigentlich die Kosten für den Prozess gegen Herrn Böhmermann (Stichwort Schmähgedicht) übernommen?

10.07.2018 21:12 Fragender Rentner 47

Eben kam im MDR-Radio dass der Kapitän für eine Kaution von 5.000,- € nach Deutschland darf um seine kranke Mutter zu besuchen.

Na ob er nach Malta zum Prozeß zurückkehren wird?

10.07.2018 20:31 Fragender Rentner 46

@Beobachter zu 41

An der immer größer werdenden Bevölkerung kann nicht Afrika schuld sein, sondern die Menschen die dafür sorgen.

Aus welchen Gründen auch immer.

10.07.2018 20:27 Fragender Rentner 45

Hoffendlich reicht das Geld, dass er nicht nochmals sammeln muß.

10.07.2018 19:46 Bernd 44

@40, auf eine europäische Lösung zu warten kling nach Warten auf den Messias. Und welche Partei sollte das ihrer Meinung sein, könnte aber dann sein dass dort die falschen Spitzenkandidaten am Werk sind. Mit einem haben sie Recht, die Kritik an den einheimischen Eliten. Nimmt man z.B. Lagos (Nigeria), eine absolute Boom-Town und trotzdem verlassen Leute Nigeria, weil die Verteilung genauso wenig stimmt wie in Deutschland. Und genau da beginnt das Problem. Die Flüchtlingspolitik in Deutschland wird von denen bezahl die dieses Geld kaum haben und an die welche das Geld haben geht die Mutti nicht ran, denn das sind ihre wirklichen Kumpels. Also das Problem ist geschickt eingefädelt. Fairtrade ein guter Punkt, kostet einige Anstrengungen wenn man in einer Kleinstadt wohnt

10.07.2018 19:27 Martina 43

@40, goffmann: genau und unsere Verantwortung liegt darin Entwicklungshilfe einzustellen (da mehr Geld von den Eliten in Afrika rausgebracht wird als Entwicklungshilfe rein), also Afrika zur Eigenverantwortung zu bringen. Da haben Sie Recht.

10.07.2018 19:24 Werner 42

@10.07.2018 18:05 goffman 40: "um von unserer Verantwortung abzulenken." Wer ist "uns"? Verantwortung haben ausschließlich die UNO, Organisationen und politische Parteien, die Regierungen, unsere Regierung und die EU. Ich habe dort weder etwas zu melden, noch dort irtgendwas getan, nichts entschieden, oder irgendeinen Einfluss, und nichts unterlassen. Auch keine Kriege vom Zaun gebrochen, und über diverse "Rebellen" ganze Länder für Öl, Gas und Transportwege platt gemacht... oder mit Agent-Orange... Uran-Munition für Jahrzehnte verseucht. Das wird wohl den meisten Wählern, Lesern... Zuschauern bei diesem Trauerspiel so gehen. Diese Verantwortung lehne ich deshalb ab. Ich habe nur die Verantwortung, dringenst AN diese Dinge bei zukünftigen Wahlen zu denken, und dabei verantwortungsvoller zu wählen. Schuld-auf-Alle-Verteilung, Schuldumleitung und Schuldumkehr "is nich".

10.07.2018 19:02 Beobachter 41

goffman:
Die Hauptursache für die Massenmigration aus Afrika ist klipp und klar die Überbevlkerung und daran trägt nut Afrika selbst schuld, niemand anders.-
Was mich verstört bei den Schiffen wie "Lifeline" ist die Untätigkeit der deutschen Justiz. Hat keine Staatsanwaltschaft das Rückgrat, da vorzugehen? Ist Schlepperei nur strafbar, wenn dieTäter Osteuropäer sind?

10.07.2018 18:05 goffman 40

@ Martina 37: Diese Fakten sind bekannt, sollten jedoch nicht verwendet werden, um von unserer Verantwortung abzulenken.

@ Martina 37 & Corinna 36: Es gibt auch in der Politik Ansätze, wie zumindest auf lange Sicht die Fluchtursachen reduziert werden könnten. Den Parteien, die hier ansetzen (Waffenexporte verbieten, Umweltschutz, fairer Handel, uneingeschränkte Menschenrecht) wird aber meist vorgeworfen sich nicht ums "eigene Volk" zu kümmern. Entsprechend schlecht schneiden sie bei Wahlen ab. Dieser (national) Egoismus ist in der Bevölkerung (meist rechts der Mitte) verbreitet und der Grund, warum es derzeit keine Bemühungen gibt, die Fluchtursachen wirksam zu bekämpfen - zu unpopulär. Und selbst wenn in Deutschland die Politik aufwachen und nationale Interessen hinter internationale stellen würde: solange Deutschland damit alleine bliebe ist nichts gewonnen. Auch wenn Merkel keine Lösung für die Ursachen bietet, in einem hat sie recht: wir brauchen min. eine europäische Lösung.

10.07.2018 17:04 Beobachter 39

"Lifeline" Kapitän darf seine Mutter treffen, kam als Schlagzeile. Das finde ich gut, denn es könnte sein, dass er sie lange nicht sehen kann außer bei Besuchen.

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