Bosnien-Herzegowina Steinmeier mahnt 25 Jahre nach Srebrenica zu Versöhnung

In Bosnien-Herzegowina ist am Samstag an das Massaker von Srebrenica vor 25 Jahren erinnert worden. Coronabedingt fiel die Zeremonie kleiner aus. Bundespräsident Steinmeier schickte eine Videobotschaft. Auch Bundesaußenminister Maas erinnerte an das Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während eines Statements zur Coronavirus-Pandemie.
Via Videobotschaft beim Gedenken an die Opfer von Srebrenica: Frank-Walter Steinmeier Bildrechte: Guido Bergmann/Bundesregierung /dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum 25. Jahrestag des Massakers von Srebrenica zur Aufarbeitung und zur Versöhnung aufgerufen.

In einer Videobotschaft für die zentrale Gedenkveranstaltung in Bosnien und Herzegowina sagte Steinmeier, dazu gehörten das Erinnern an das Leid und den Schmerz ebenso wie die strafrechtliche Aufarbeitung: "Damit ist es aber nicht getan." Es gelte, "neue Brücken zu bauen, wo alte zerstört wurden. Vertrauen zu schaffen, wo hasserfüllte Kriegsrhetorik gegeneinander aufgewiegelt hat. Das Gespräch zu suchen, wo lange kein Wort mehr gesagt wurde."

Maas: Srebrenica darf sich niemals wiederholen

Heiko Maas (SPD), Außenminister
Mahnt Erinnerung , aber auch Versöhnung und Aufarbeitung an: Außenminister Heiko Maas. Bildrechte: dpa

Zuvor hatte auch Bundesaußenminister Heiko Maas an die Opfer des Massakers vor 25 Jahren erinnert und eine weitere Aufarbeitung der Verbrechen angemahnt. Maas sagte am Sonnabend: "Am heutigen Tag sind wir mit unseren Herzen und unseren Gedanken bei den Opfern des Völkermords von Srebrenica und ihren Angehörigen." Der Außenminister erklärte, Srebrenica stehe wie kein zweiter Ort "für die Gräuel und Verbrechen gegen die Menschlichkeit", die in den 1990er-Jahren in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien begangen worden seien: "Wir sind uns einig: Srebrenica darf sich niemals wiederholen."

Außenminister appelliert an Verantwortung der Länder

Maas fügte hinzu, das Gedenken müsse zugleich Ansporn sein, den Weg der Versöhnung und Aufarbeitung konsequent zu gehen. Neben der internationalen Strafgerichtsbarkeit komme es dabei auch auf die Länder selbst an. Diese trügen eine Verantwortung, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Beisetzung von weiteren Opfern

betende Frau in Srebrenica
Trauer in Srebrenica Bildrechte: dpa

In Srebrenica haben am Sonnabend Hinterbliebene an das Massaker vor 25 Jahren erinnert. Im Srebrenica Memorial Center wurden acht Opfer beigesetzt, deren Gebeine in den zurückliegenden Monaten identifiziert worden sind. Ursprünglich waren zu der Zeremonie bis zu 100.000 Menschen erwartet worden. Coronabedingt kam es zu deutlichen Einschränkungen.

Srebrenica als Völkermord eingestuft

Das Massaker von Srebrenica vor 25 Jahren gilt als das größte Verbrechen in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Serbische Einheiten waren im Juli 1995 während des Bosnienkrieges in die UN-Schutzzone um Srebrenica eingedrungen und töteten mehr als 8.100 bosnische Männer und Jungen. Rund 1.000 Opfer wurden bis heute nicht gefunden. Ein Sprecher der Internationalen Kommission für vermisste Personen erklärte bei MDR AKTUELL, die Toten seien in Massengräbern verscharrt, später ausgegraben und in ganz Bosnien verteilt worden. Das UN-Tribunal in Den Haag stufte das Massaker als Völkermord ein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juli 2020 | 08:00 Uhr