EU-Gesundheitskommissarin Ein "spezielles" erstes Jahr im Amt für Stella Kyriakides

Im Dezember 2019 wurde sie EU-Gesundheitskommissarin, kurz darauf brach die Corona-Pandemie auch in Europa aus. Stella Kyriakides spricht über die Verantwortung der Pharmakonzerne und kritisiert Astrazeneca scharf.

Die Gesundheits-EU-Kommissarin.
Die konservative Politikerin Stella Kyriakides aus Zypern. Bildrechte: dpa

Es war eine Mission, die Stella Kyriakides ins Amt brachte. Nachdem an ihrem 40. Geburtstag Brustkrebs bei ihr diagnostiziert wurde und einige Jahre nach der Therapie erneut ausbrach, hat sie sich dem Kampf gegen die Krankheit verschrieben. Deshalb holte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen die zypriotische Gesundheitsexpertin Ende 2019 nach Brüssel.

Dann kam Corona und Stella Kyriakides stand plötzlich im Mittelpunkt des Geschehens: "Das Jahr 2020 war in jeder Hinsicht ein spezielles Jahr für jeden von uns. Das habe ich mir niemals vorstellen können, als ich kurz vor Ausbruch der Krise meine Arbeit als EU-Gesundheitskommissarin wurde."

"Kaum jemand, ausgenommen Science-Fiction-Schriftsteller, hätte sich vorstellen können, wie schnell die Welt sich so dramatisch verändern kann. Und wie das Thema Gesundheit plötzlich im Mittelpunkt der Politik und aller Entscheidungen stehen würde", sagt Stella Kyriakides.

Es ist wahr, dass niemand darauf vorbereitet war.

Stella Kyriakides EU-Gesundheitskommissarin

Stella Kyriakides im Dauerfeuer

Hat die EU zu zögerlich und zu wenig Impfstoff bestellt und sich dann auch noch von den Herstellern über den Tisch ziehen lassen? Die zierliche Frau steht im Dauerfeuer. Vielleicht liegt es daran, dass sie von Hause Psychologin ist, dass man den Druck nur selten bei ihr spürt.

Stella Kyriakides
Stella Kyriakides kurz nach ihrer Wahl. Hier zusammen mit dem ehemaligen Präsidenten der Ukraine, Petro Poroschenko. Bildrechte: imago/Ukrainian News

Stella Kyriakides erklärt: "Wir haben eine Pandemie, jeden Tag sterben Menschen. Das sind keine bloßen Zahlen, keine Statistiken, sondern Menschen mit Familien, mit Freunden und Kollegen, die ebenfalls alle betroffen sind. Pharmaunternehmen wie Impfstoffentwickler haben da moralische, gesellschaftliche und natürlich auch vertragliche Verpflichtungen, die sie einhalten müssen."

Die konservative Politikerin ist im Dauereinsatz, sich gegen Falschmeldungen und Halbwahrheiten zu verteidigen. Ihr Hauptgegner ist in diesem Moment der britische Pharmakonzern Astrazeneca.

Scharfe Kritik an AstraZeneca

Gegenüber Astrazeneca äußert sich Stella Kyriakides deutlich: "Die Auffassung, dass ein Unternehmen nicht verpflichtet ist zu liefern, weil es angeblich nur zugesagt hat, sein Bestes zu geben, ist nicht akzeptabel. Wir haben vorab investiert, damit sofort die Produktion beginnt und wir das Serum wie zugesagt bekommen, wenn es zugelassen wird. Jetzt zu sagen, man habe nicht die Herstellungskapazität, verstößt gegen klar die Vereinbarung. Es gibt da auch nicht die Logik, wer zuerst kommt mahlt zuerst."

Das mag beim Fleischer in der Nachbarschaft funktionieren, aber nicht bei Verträgen.

Stella Kyriakides EU-Gesundheitskommissarin

Die teilweise Offenlegung der Verträge mit Astrazeneca stützt die Position der Gesundheitskommissarin. Die muss aber in den kommenden Wochen sicher noch einiges über sich ergehen lassen, denn in vielen EU-Staaten wächst die Unzufriedenheit über die Verzögerungen bei der Einführung von Impfstoffen. Und auch wenn sie in die eigentlichen Vertragsverhandlungen kaum eingebunden war, weil Kommissionschefin von der Leyen damit eine andere EU-Spitzenbeamtin betraute, wäre es keine Überraschung, wenn am Ende Stella Kyriakidis für allen den Kopf hinhalten müsste.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Januar 2021 | 06:18 Uhr

11 Kommentare

nasowasaberauch vor 4 Wochen

Frau Kyriakides und ihre Berater scheinen überfordert zu sein. Deutschland (Merkel, Spahn) war auch involviert und Deutschland hatte die Ratsprädidentschaft und dann sowas. Die Verträge sind zu ungenau ausgefertigt und zwar vergleichbar damit, wenn ich früher eine Maschine eingekauft habe mit dem Vertragsinhalt, dass der Lieferant sich Mühe gibt, dass sie funktioniert und pünktlich geliefert wird. Da standen Termine drin, Paramerter der Funktionalität und eine Pönale bei Nichterfüllung. Solch ein Apparat und was für Dilettanten waren da am Werk. 860 Mrd. für Coronahilfen und keine 3 Mrd. für die Impfstoffbeschaffung, das ist nicht zu begreifen. Liebe EU, wieder eine Chance für mehr Akzeptanz bei den Bürgern vertan.

Jessy-2 vor 4 Wochen

Richtig! Blos das Deutsche Volk, scheint es nicht zu merken! Wann werden die zur Verantwortung gezogen? Der Hr. Spahn scheint hier nur der Prügelknabe zu sein! Wie lange will man das Deutsche Volk noch für Dumm zu Halten? Wahrheiten auf den Tisch und das sofort! Und das Alles Ungeschwärzt. Und nicht nach dem Motto, das geht dem Volk nichts an. Was wurde bei der Amtseinführung geschworen!

Jan-Lausitz vor 4 Wochen

"Das hätte ..., wenn sich hätte ..., dass der ... gewesen wäre oder ... gehabt hätte.

Was wollen Sie uns konkret hiermit sagen?

Andererseits - was hat konkret die EU nachher "geprüft" außer Papierkram? Hat die EU selbst "Impfversuche" durchgeführt in den vielen Monaten?