Seenotrettung Salvini lehnt Seehofer-Forderung nach Öffnung von Häfen ab

Bundesinnenminiser Seehofer hat umsonst an seinen italienischen Amtskollegen Salvini appelliert, die Häfen für Rettungsschiffe zu öffnen. Er forderte stattdessen, den Schiffen die deutsche Flagge zu entziehen.

Horst Seehofer (CSU, r), Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, und Matteo Salvini, Innenminister von Italien
Bundesinnenminister Seehofer will offene Häfen für Seenotretter und ein europäisches Verteilsystem, Salvini besteht darauf, dass der Staat, unter dessen Flagge ein Rettungsschiff fährt, die geborgenen Migranten aufnimmt. Bildrechte: dpa

Der italienische Außenminister Matteo Salvini und Bundesinnenminister Horst Seehofer streiten weiter über die Öffnung italienischer Häfen für Rettungsschiffe. Matteo wies eine entsprechende Forderung Seehofers zurück.

Matteo sagte stattdessen, er fordere die Merkel-Regierung auf, den Schiffen die deutsche Flagge zu entziehen, die Menschenhändlern und Schmugglern helfen würden. Die Merkel-Regierung solle ihre Bürger, die die italienischen Gesetze missachteten, zurückholen.

Seehofer will Dauerkrise beenden

Seehofer hatte zuvor Salvini aufgefordert, die Dauerkrise der Rettungsschiffe im Mittelmeer zu beenden. Man könne es nicht verantworten, dass Schiffe mit geretteten Menschen an Bord wochenlang im Mittelmeer treiben, weil sie keinen Hafen finden könnten.

Seehofer erklärte, es dürfe im Einzelfall keinen Unterschied machen, durch welche Organisation Migranten aus dem Mittelmeer gerettet wurden, woher die Besatzung stammt und unter welcher Flagge das Schiff fährt.

"Alex" legt an, "Alan Kurdi" wartet

Migranten sitzen auf einem Boot der Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans, als sie in den Hafen auf der italienischen Insel Lampedusa einfahren.
Die "Alex" legte am Sonnabend im Hafen von Lampedusa an. Bildrechte: dpa

Trotz eines Verbots ist die italienische Hilfsorganisation Mediterranea mit ihrem Rettungsschiff "Alex" in den Hafen von Lampedusa eingelaufen. Mediterranea erklärte, der Motorsegler habe ohne Probleme festgemacht.

Zuvor hatte Mediterranea den Notstand ausgerufen. Die Gesundheits- und Hygienesituation an Bord sei unerträglich. Es befänden sich fast 60 Personen auf dem Schiff. Zugelassen sei es für 18. Die italienische Regierung hatte der "Alex" ebenfalls untersagt, anzulegen.

Die "Alan Kurdi" des Regensburger Rettungsvereins Sea-Eye will sich dagegen an ein Einlauf-Verbot halten und auf eine Lösung warten. Das Schiff liegt seit Samstagmorgen vor der Zwölfmeilenzone um Lampedusa. Das Rettungsschiff hatte am Freitag 65 Migranten aus einem Schlauchboot vor der libyschen Küste aufgenommen und danach Kurs auf die italienische Insel genommen.

 Tausende demonstrieren für Seenotretter

Teilnehmer einer Demonstration aus Solidarität mit der Kapitänin des deutschen Rettungsschiffes «Sea-Watch 3», C. Rackete, und Flüchtlingen auf dem Mittelmeer zieht durch den Stadtteil Sankt Pauli und halten ein Schild mit der Autschrift «Sea-Watch 3 rettet Leben!».
Unter anderem in Hamburg demonstrierten zahlreiche Menschen für die Seenotretter. Bildrechte: dpa

In mehreren deutschen Städten demonstrierten am Sonnabend tausende Menschen gegen eine Kriminalisierung von Flüchtlingshelfern im Mittelmeer. Zu den Kundgebungen in Dutzenden Städten hatte die Bewegung "Seebrücke" aufgerufen. Sie sprach von bundesweit 30.000 Teilnehmern. Die größten Aktionen gab es in Berlin und Hamburg.

In Magdeburg forderte der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, eine europäische "Koalition der Willigen" zur Aufnahme von Migranten. Man dürfe Menschen, die aus reiner Verzweiflung flüchteten, nicht einfach ersaufen lassen.

Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete rief in einer aufgezeichneten Botschaft an die Demonstranten die Bundesregierung auf, mutig voranzugehen. Sie müsse erklären, dass sie bis auf Weiteres alle geretteten Flüchtlinge aufnehme. Das seien momentan nicht wirklich viele.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juli 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juli 2019, 20:22 Uhr