Der Supertanker «Grace 1» auf dem Meer.
Der Supertanker "Grace 1" ankert derzeit vor Gibraltar. Bildrechte: dpa

Iranischer Supertanker "Grace 1": US-Gericht ordnet Beschlagnahmung an

Seit Wochen wird der mit iranischem Öl beladene Supertanker "Grace 1" vor Gibraltar festgehalten. Nun sollte er eigentlich wieder freikommen, doch ein US-Gericht ordnet eine Beschlagnahmung an. Grund sind Verstöße gegen Sanktionen.

Der Supertanker «Grace 1» auf dem Meer.
Der Supertanker "Grace 1" ankert derzeit vor Gibraltar. Bildrechte: dpa

Der Streit um den mit Öl aus dem Iran beladenen Supertanker "Grace 1" geht in die nächste Runde. Ein US-amerikanisches Gericht in Washington DC verfügte die Beschlagnahmung des vor Gibraltar liegenden Schiffes. Das US-Justizministerium begründete das mit mutmaßlichen Verstößen gegen US-Sanktionen, Geldwäschegesetze und Terrorismusstatuten.

Welche konkrete Folgen der Gerichtsentscheid für den Tanker hat, war zunächst unklar. Nach Angaben des Internet-Ortungsdiensts "Marine Traffic" ankerte die "Grace 1" am Samstagvormittag weiterhin vor der Küste Gibraltars.

Dort wird die "Grace 1" bereits seit etwa sechs Wochen von der britischen Marine festgehalten. Am 4. Juli hatte die britische Royal Navy den unter der Flagge Panamas fahrenden Tanker geentert und wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen an Syrien festgesetzt. Das britische Außenministerium betonte, der Iran müsse sich nun an seine Zusicherung halten, die Ladung nicht nach Syrien zu bringen - dies wäre ansonsten ein Verstoß gegen EU-Sanktionen.

USA: Illegale Lieferungen an Syrien

Am Donnerstag hatte dann allerdings das oberste Gericht des britischen Überseegebiets Gibraltar bestätigt, den Supertanker freizugeben. Doch bevor das Schiff Gibraltar verlassen konnte, kam der Gerichtsentscheid aus Washington. Das Gericht verfügte auch die Beschlagnahmung des Öls an Bord der "Grace 1" und von knapp einer Million Dollar Bankvermögen einer Briefkastenfirma, die Verbindungen zu dem Schiff haben soll.

Die Staatsanwaltschaft führte aus, das Schiff sei Teil eines Plans der iranischen Revolutionsgarden zur Unterstützung illegaler Lieferungen des Irans an Syrien. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte die Revolutionsgarden im April als ausländische Terrororganisation eingestuft. Die USA haben außerdem harte Sanktionen gegen den Iran verhängt, die vor allem auf den Ölsektor des Landes abzielen.

Konfliktzone Straße von Hormus

Immer wieder kam es in den vergangenen Wochen zu Zwischenfällen vor allem in der Straße von Hormus, die zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman liegt. Sie zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft.

Nur zwei Wochen nach dem Festsetzen der "Grace 1" Anfang Juli stoppten die iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormus den britischen Öltanker "Stena Impero". Zur Begründung hieß es, das Schiff habe internationale Regeln der Seefahrt nicht eingehalten, sein GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien an Bord.

Einen vom Iran vorgeschlagenen Austausch der beiden Tanker lehnte London ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2019, 11:57 Uhr

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11 Kommentare

18.08.2019 10:19 Fragender Rentner 11

@Anton zu 9
Du schreibst: Wenn US-Gericht, dann wirkt das nur, wenn das Schiff in Hafen von USA einfährt. Anders wäre das gegen internationale Gesetze. Stimmt?

Du scheinst wohl nicht zu wissen wie groß die USA weltweit ist?

Da wo ein US-Schiff ist, da ist auch die USA.

17.08.2019 22:54 part 10

Leider ist es so das US- Sanktionen über fast alle Ebenen im Welthandel wirken. In diesem Fall hat sich GB angemaßt, den US- Sanktionen zu folgen und internationales Recht zu mißachten in einem Piratenakt. Für andere Länder wie Venezuela oder Kuba, nebst unzähligen eselbstbestimmten Nationen, sieht es ähnlich aus, Wirtschaftskrieg ohne Ende, Todesopfer durch Unterversorgung mit einberechnet. Oder versuchen sie mal über die Postbank als Tochter der Deutschen Bank eine Überweisung nach Kuba zu tätigen. Bleibt nur zu hoffen, das sich die Europäische Politik endlich ihrer selbst entsinnt, was aber bei der mulinationalen Verflechtung und der vorgallopierenden Hörigkeit des Finanzkapitals schwierig werden würde. Auf einen besseren Präsidenten oder Interessenvertreter in den USA hofft eh niemand mehr. Die Welt befindet sich Modus der Rezession, ob zyklisch systematisch oder durch Amerika First forciert bleibt deutungswürdig.

17.08.2019 17:39 Anton 9

Wenn US-Gericht, dann wirkt das nur, wenn das Schiff in Hafen von USA einfährt. Anders wäre das gegen internationale Gesetze. Stimmt?

17.08.2019 17:05 Fragender Rentner 8

Nur gut, dass sich die USA überall auf der Welt einmischen darf.

Ach richtig sind ja auch die Guten.

17.08.2019 17:00 D.o.M. 7

@Ingrid1: Geduld! China macht bereits sehr grosse Fortschritte in der Militärtechnik. Es hat zB die erste einsatzfähige, auf einem Schiff montierte Railgun . Damit lassen sich in naher Zukunft auch anfliegende Raketen eliminieren und damit wertlos machen

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17.08.2019 16:55 D.o.M. 6

Welches Recht der Welt gibt irgendeinem Staat das Recht, einfach mal über das Eigentum eines anderen zu verfügen, bloss weil der einem Sanktion genannten Befehl dieses Staates nicht nachgekommen ist? Ups! Ich vergass! Edle Befreierländer haben natürlich jedes Recht dieser Welt, zu sanktionieren was sie wollen. Es wird Zeit, dass China so an militärischer Stärke gewinnt, dass man daran nicht mehr vorbeikommt. Auch als edler Befreierstaat nicht. Ordentlicher Interkontinentalraketen bedarf es dazu. Auf ostwärts gerichteten Rampen. Das ist die einzige Sprache, die dort verstanden wird. Ausser einem grottigen Englisch natürlich

17.08.2019 14:13 Keine Bereicherungen mehr 5

@17.08.2019 13:06 JanoschausLE "Populisten" an der Macht" Wissen Sie was Populismus bedeutet? Fürs Volk!! und ich glaube nicht das Trump für sein Volk kämpft, sondern für sein Kapital und die Macht.
Sinnloses Geschwafel, was sie uns erzählen.
Hier zeigt sich, wie gewalttätig die Amis sind, um das Ziel der Weltherrschaft zu erreichen.
Sie brauchen immer ein Krieg um zu überleben, was anderes als Waffen bauen können die Amis nicht.
Ohne Krieg kein Absatz, kein Gewinn. Was macht unsere Regierung, kein Kommentar dazu. Ami go home, aus ganz Europa.

17.08.2019 14:03 Part 4

Ein US- Gericht hat gar nichts anzuorden, noch immer gilt internationales Seerecht, was hier stattfindet ist ein staatlicher Piratenakt ohne Gleichen, der vor die UNO und den Internationalen Strafgerichtshof gehört. Sanktionen von Staaten können diese gern auf ihrem Territorium umsetzen aber nicht in fremden Staaten und internationalen Gewässern. Ich dagegen sanktioniere US- Produkte als Verbaucher durch Nichtkauf.

17.08.2019 13:57 Walter 3

Was bitte hat ein amerikanisches Justizministerium mit einen Tanker in europäischen oder internationalen Gewässern zu tun.

NICHTS!!!

Nach meinen, zugegeben nicht fundierten, juristischen Verständnis hat ein Ministerium eines Landes nur Befugnisse für das eigene Land.

Kann demnächst das Justizministerium der USA über mein Eigentum verfügen?

17.08.2019 13:06 JanoschausLE 2

Sowas passiert, wenn "Rechts) Populisten" an der Macht sitzen. Trumps Gericht ordnet die Beschlagnahme an. Obwohl bindende Sanktionen eigentlich nur von der UN beschlossen werden dürfen, klar, wenn die USA und andere westliche Länder Sanktionen verhängen, ihr Problem, national. Aber, wenn der Iran an das gebeutelte Syrien liefern sollte, so geht das die USA erstmal nichts an. Die brauchen das Öl sicher, auch zum Wiederaufbau. Die USA und andere erpressen Syrien, entweder eine westlinientreue Regierung, oder keine Hilfe. Mit der Hilfe von Islamisten (die sog. "Rebellen") und dem IS, der einst von den USA mit aufgebaut wurde, die dann, ebenso, wie einst bei den Taliban, die Kontrolle verloren, haben die USA nichts erreicht. Im Gegenteil, die syrier rücken näher zusammen um ihren gewählten Präsidenten. Man stelle sich vor, es gäbe eine Allianz gegen den Rechtsnationalisten Trump...