Massenflucht der Rohingya Suu Kyi verurteilt erstmals Menschenrechtsverletzungen

In einer mit Spannung erwarteten Rede hat Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi ihr Schweigen zur Flucht der Rohingya gebrochen. Sie bot den Angehörigen der muslimischen Minderheit die Rückkehr an und lud Beobachter ein. Menschenrechtsverletzungen würden nicht hingenommen.

Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat sich erstmals zur Massenflucht der Rohingya aus Myanmar geäußert. Bei einer mit Spannung erwarteten Fernsehansprache in der Hauptstadt Naypiydaw sagte sie, Myanmar sei bereit, die nach Bangladesch geflüchteten Rohingya wieder aufzunehmen. Jederzeit könne der Status der Rohingya geprüft werden, die in den vergangenen Wochen außer Landes geflohen waren.

Ausländische Beobachter eingeladen

Die 72-Jährige lud ausländische Diplomaten ein, sich vor Ort in der Unruhe-Provinz Rakhine über die Lage zu informieren. Die meisten Dörfer der Region seien nicht von der Gewaltwelle betroffen, die Mehrheit der Rohingya sei nicht gegangen. Nachdem es viele Vorwürfe und Gegenvorwürfe gegeben habe, müsse nun herausgefunden werden, warum es zu diesem Exodus, so wörtlich, gekommen sei.

Menschenrechtsverletzungen verurteilt

Gegen alle, die gegen die Gesetze des Landes verstießen und Menschenrechte verletzten, werde vorgegangen, versprach sie und verurteilte Menschenrechtsverletzungen. Myanmar wolle so schnell wie möglich dem Leid aller Menschen ein Ende bereiten.

Verletzungen der Menschenrechte würden nicht hingenommen. Gegen alle, die Menschenrechte verletzten, werde unabhängig von Religion, ethnischer Herkunft oder politischer Stellung etwas unternommen, kündigte Suu Kyi an. Ihr Land wünsche eine dauerhafte Lösung des Konflikts und sei bereit, den geflohenen Menschen die Rückkehr zu ermöglichen.

Aung San Suu Kyi Suu Kyi steht als Friedesnobelpreisträgerin unter internationalem Druck, die Rechte der muslimischen Minderheit zu garantieren. Seit vergangenem Jahr ist die inzwischen 72-Jährige "Staatsrätin". Sie führt die Regierungsgeschäfte.

Das Militär hält in der Regierung aber immer noch mehrere Schlüsselposten. Es betrachtet sich als Garant der staatlichen Einheit und tritt entsprechend stark auf.

Suu Kyi hat wegen ihres Kampfes für Demokratie in Myanmar fast 15 Jahre in Hausarrest verbracht. 1991 erhielt sie den Friedensnobelpreis.

Rund 400.000 Rohingya geflohen

Zuletzt hatte die UN die Regierung Myanmars ethnische Säuberung vorgeworfen. Hintergrund waren Gewaltexzesse von Soldaten und anderen nach einem Angriff von Rohingya-Rebellen in Rakhine auf Polizei- und Militärposten. In den vergangenen Wochen waren Tausende Angehörige der Minderheit nach Bangladesch geflohen. Dort wird die Zahl der Flüchtlinge insgesamt mit mehr als 400.000 angegeben. Flüchtlingen zufolge wurden Dörfer niedergebrannt und wahllos Menschen erschossen.

Friedensnobelpreisträgerin schwieg

Suu Kyi wird in diesem Zusammenhang Untätigkeit vorgeworfen. Sie hatte zu der Krise in den vergangenen drei Wochen geschwiegen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte am Montag die Fernsehansprache der Friedensnobelpreisträgerin als "letzte Chance" zur Beilegung des Konflikts bezeichnet. Der Konflikt dürfte auch auf der Generaldebatte der UN-Vollversammlung am Dienstag thematisiert werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.09.2017 | 07:00 Uhr