Zerstörter Straßenzug in Aleppo.
Ein zerstörter Straßenzug in Aleppo. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Syrienkrieg Wie glaubwürdig ist die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte"?

Bei Berichten über den seit 2011 in Syrien tobenden Bürgerkrieg taucht oft als einzige Quelle die sogenannte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte auf - ein Onlineportal mit Sitz in Großbritannien. Diese Berichte werden von vielen Nachrichtenagenturen verbreitet, obwohl die Aussagen nicht unabhängig überprüft werden können. Wer steckt hinter der Beobachtungsstelle, wie glaubwürdig sind die Informationen?

Zerstörter Straßenzug in Aleppo.
Ein zerstörter Straßenzug in Aleppo. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Die "Syrische Beobachtungstelle für Menschenrechte" (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sammelt Informationen über den Bürgerkrieg in Syrien. Die Beobachtungsstelle informiert auf ihrer Internetseite, auf Facebook sowie Twitter in mehreren Sprachen über die Kampfhandlungen und Todesopfer in Syrien.

Mehr als 200 Informanten in Syrien

Betrieben wird das Portal von Großbritannien aus. Als zentrale Figur gilt Osama Suleiman, ein Exil-Syrer, der nach eigenen Angaben mehrfach in syrischen Gefängnissen saß, im Jahr 2000 nach Großbritannien auswanderte und inzwischen einen britischen Pass hat. Suleiman hatte in Coventry ein Bekleidungsgeschäft, sein Privathaus dort soll auch Sitz der Beobachtungsstelle sein. Andere Quellen nennen London als Zentrale.

Suleiman ist Sunnit und Gegner des Assad-Regimes. Er hat Helfer, die ihn beim permanenten Aktualisieren des Portals unterstützen. Die Informationen werden nach Aussage von Suleiman von mehr als 200 Aktivisten und Informanten aus den verschiedenen Regionen in Syrien geliefert. Viele seien Lehrer, Ärzte oder Anwälte und vertrauenswürdig. Meist überzeugten sie sich selbst in Krankenhäusern, wenn Bomben in Wohngebiete eingeschlagen seien, und meldeten dann die Zahl der Opfer.

Die Berichte, Fotos und Videos werden laut SOHR vor Veröffentlichung geprüft. Suleiman beteuert, die Informationen seien verlässlich, im Zweifelsfall verzichte er auf eine Veröffentlichung. Ziel des SOHR sei es, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Trotzdem gab es in der Vergangenheit auch Meldungen, die dementiert wurden. Über die Jahre ist das Portal nach Einschätzung von Experten jedoch professioneller geworden.

Angaben oft nicht überprüfbar

Dennoch bleibt eine Unsicherheit bei der SOHR-Berichterstattung. Denn weite Teile Syriens sind für unbeteiligte Beobachter wie das Internationale Rote Kreuz, für UN-Experten oder Reporter nicht zugänglich. Damit sind Informationen der Beobachtungsstelle häufig nicht nachprüfbar. Nach übereinstimmender Einschätzung von Syrien-Experten ist das SOHR-Portal jedoch eine wichtige Quelle und glaubwürdiger als das syrische Staatsfernsehen, die Verlautbarungen verschiedener Rebellengruppen oder gar die Propaganda der Terrormiliz IS.

Amnesty International nutzt die SOHR-Berichte ebenfalls zur Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen. Sprecherin Sara Hashash zufolge werden die Angaben mit anderen Quellen verglichen. Dabei habe sich gezeigt, dass die Informationen recht gut seien. Auch für ARD-Reporter sind die SOHR-Angaben oft einzige Quelle. Man versuche, die Informationen mit eigenen Recherchen und Zulieferern abzugleichen. Auch die ARD kommt zu dem Fazit: Die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" liefere brauchbare Hinweise auf Ereignisse in Syrien.

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 09:32 Uhr