Brennender Öltanker
Haftminen oder Luftangriff - USA und japanische Reederei liefern unterschiedliche Erklärungen für die Explosion. Bildrechte: dpa

Berichte über Luftangriffe und Haftminen Widersprüchliche Angaben zu Tanker-Angriffen

Nach dem mutmaßlichen Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman sind die genauen Abläufe und Hintergründe weiterhin unklar. Die japanische Reederei, zu der eines der Schiffe gehört, berichtete am Freitag von Hinweisen auf einen Luftangriff. Die USA veröffentlichten hingegen ein Video, das ein iranisches Marineschiff an dem japanischen Tanker zeigen soll.

Brennender Öltanker
Haftminen oder Luftangriff - USA und japanische Reederei liefern unterschiedliche Erklärungen für die Explosion. Bildrechte: dpa

Nach der mutmaßlichen Attacke auf zwei Schiffe im Golf von Oman hat der japanische Betreiber eines der beiden Tanker bestritten, dass sein Schiff von einem Torpedo getroffen worden sei. Die Besatzungsmitglieder hätten noch vor der Explosion "fliegende Objekte" gesehen, sagte der Präsident der japanischen Firma Kokuka Sangyo bei einer Pressekonferenz in Tokio am Freitag.

Video zeigt angeblich iranisches Boot

Die USA bekräftigten derweil ihre Vorwürfe gegen den Iran. Das US-Zentralkommando Centcom, das für die US-Truppen im Nahen und Mittleren Osten zuständig ist, veröffentlichte ein Video, das ein iranisches Marineschiff an dem japanischen Tanker zeigen soll. Auf den grobkörnigen Schwarz-Weiß-Bildern soll ein Patrouillenboot der iranischen Revolutionsgarden zu sehen sein, wie es auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufährt und dort eine nicht explodierte Haftmine vom Schiffsrumpf entfernt.

Auch im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wiederholten die USA ihre Anschuldigungen. US-Botschafter Jonathan Cohen sagte, alle Hinweise ließen auf eine Verantwortung Teherans schließen, unter anderem die Art der eingesetzten Sprengsätze. Zuvor hatte bereits US-Außenminister Mike Pompeo gesagt: "Es ist die Einschätzung der USA, dass die Islamische Republik für die Angriffe verantwortlich ist."

Iran weist alles Vorwürfe zurück

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wies die Schuldzuweisungen als "gegenstandslos" zurück. Sarif schrieb am Freitag im Onlinedienst Twitter, die US-Regierung habe "sofort" den Iran beschuldigt, ohne einen "Schnipsel" Beweise oder Indizien vorzulegen. Damit sei "mehr als klar", dass die US-Regierung nun zu einem "Plan B" und "Sabotage-Diplomatie" übergehe, um ihren "Wirtschaftsterrorismus" gegen den Iran zu verschleiern.

EU und China mahnen zu Zurückhaltung

Mehrere andere Regierungen zeigten sich besorgt über die Situation. China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf. "Wir alle wollen keinen Krieg in der Golfregion", sagte Außenamtssprecher Geng Shuang am Freitag in Peking. Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern. Die Sicherheit der Schifffahrt in den betreffenden Seegebieten müsse gewahrt werden.

Lagekarte Golf von Oman
Bildrechte: OpenStreetMap contributors

Der Auswärtige Dienst der EU mahnte ebenfalls zur Zurückhaltung. Weitere Provokationen müssten vermieden werden. Den Schuldzuweisungen der USA Richtung Iran wolle man sich vorerst nicht anschließen. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel.

Der norwegische Tanker "Front Altair" und der japanische Tanker "Kokuka Courageous" hatten am Donnerstagmorgen im Golf von Oman nach Detonationen Notrufe abgesetzt. Die Besatzungen wurden evakuiert und blieben unverletzt. Die Brände auf den Schiffen sind inzwischen gelöscht. Zumindest die Crew des japanischen Schiffes kehrte inzwischen wieder an Bord zurück.

Ölpreis steigt weiter

Die mutmaßlichen Angriffe ereigneten sich einen Monat nach mutmaßlichen Sabotageakten gegen vier Schiffe vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate. Auch in diesen Fällen verdächtigten die USA den Iran, der Urheber zu sein, was Teheran zurückweist.

Der Vorfall vom Donnerstag sorgte an den Börsen für einen Anstieg des Ölpreises. Auch am Freitagmorgen legte der Kurs weiter leicht zu.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Juni 2019 | 09:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2019, 18:52 Uhr

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26 Kommentare

15.06.2019 20:35 Peter 26

@24 Rentner: Wer sind wir? Was ist unsere Wahrheit?
Zitat aus dem aktuellen MDR-Bericht: "Mehrere andere Staaten und internationale Organisationen hielten sich mit Schuldzuweisungen ausdrücklich zurück. UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte eine genaue Untersuchung der Vorfälle. Auch die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein EU-Beamter in Brüssel."
Was wollen Sie uns, lieber Rentner, also mit Ihrem nebulösem Beitrag also sagen?

15.06.2019 19:00 Wessi 25

@ 12 In diesem Fall kann es sonstwer gewesen sein, der einen Krieg provozieren will..Nethanjahu.die Saudis, die Revolutionsgarden, Scharfmacher im Pentagon.Einzig klar dürfte sein, daß es NICHT die iranische Regierung gewesen ist, denn das behaupten selbst Trump+Co. nicht.Gibt es unabhängige Zeugen für den "Beschuß von Beuthen"?NEIN! Die einzig belgbare Tatsache ist, daß es "Schüsse" im Grenzbereich gab.Wer das aber war ist nicht klar,sondern eine der üblichen Rechtsaussenchimären.

15.06.2019 17:04 Fragender Rentner 24

Wir sind die Guten, also ist unsere Wahrheit die Richtige.

.

15.06.2019 13:55 susi_s 23

Die Nominierung des Friedensnobelpreis steht demnächst an, wieder ein Favorit -der US-Präsident-!!!
Wann erkennen auch mal die deutschen staatlichen Medien wer der größte Kriegstreiber/Unruhstifter der Welt ist!!!!

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15.06.2019 10:24 Vidiot 22

Auffallend auf dem Video:
- es fehlen eingeblendete geografische Koordinaten
- kein Datum sichtbar
- Videoqualität extrem schlecht
Das sieht nach einem Fake aus!

14.06.2019 23:20 part 21

Es ist schon eigenartig das die Angriffe ausgerechnet während des Staatsbesuchs des japanischen Premierministers Shinzo Abe in Teheran stattfanden. Da möchte wohl jemand gern die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern stören. Die Glaubwürdigkeit der US-Außenpolitik ist spätestens seit den Fakes um angebliche Chemiewaffen im Irak oder dem sogenannten ›Racak-Massaker‹ im Kosovo, die beide als offizielle Kriegsgründe dienten, erschüttert. Der Zwischenfall im Golf von Tonking und weitere 218 Anlässe in 233 Jahren lassen da böse Ahnungen aufkeinem.

14.06.2019 22:56 Schneemann - lieber "rechts" als käuflich 20

Dazu noch ein Fakt, wohl der wichtigste. Die USA sind dermaßen verschuldet, das sie das niemals begleichen können. Und jedesmal wenn der Schulfenstand der Amis so hoch wurde ein Schurke ausgemacht und einem Land Demokratie und Werte eingebombt.

Hoffen wir das sich Trump gegen die Kriegstreiber durchsetzt.

14.06.2019 22:54 D.o.M. 19

@Anton1: USA war noch nie vertrauenswürdig. Spätestens nach der zweiten, ohne jede militärische Notwendigkeit auf Zivilisten abgeworfenen Atombombe nicht.

14.06.2019 22:51 D.o.M. 18

Ist das von den USA gezeigte "Beweismaterial" so echt, wie die damals dem Irak unterstellten Massenvernichtungswaffen?
Die Nettiquette und meine gute Erziehung verbieten mir, meine Meinung über die USA in der Wortwahl darzulegen, die angemessen wäre

14.06.2019 22:39 Meier @ 15 17

Die Lüge beim Dreißigjährigen war, daß es sich angeblich um einen Krieg der Religionen gehandelt hätte. Tatsächlich war er Ausdruck der Schwäche der deutschen Zentralgewalt. Es ging es um Machtstreitigkeiten zwischen den Habsburgern und den deutschen Fürsten. Dies war auch der Grund, warum deutsche Fürsten zuvor überhaupt die Reformation unterstützt hatten. Es ging darum, die Vormacht Wiens und Roms zu brechen. Nur so ist auch erklärbar, warum das katholische Frankreich an der Seite der deutschen Protestanten kämpften. Die Religion war hier nur ein Mittel, um die schlichten Gemüter der Massen zu mobilisieren. Und dieses Narrativ funktioniert ja noch bis heute. Ganz ähnlich verhielt es sich übrigens mit der Sklavenfrage in Amerika. Lincoln war es völlig egal, ob er mit oder ohne die Sklaverei gewinnt. Tatsächlich waren die Ursachen des Krieges - wie immer - wirtschaftlicher Natur.

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