Menschen umarmen sich vor einem provisorischen Denkmal mit Blumen.
Der brutalste Anschlag in der jüngeren Landesgeschichte hat in Neuseeland und weltweit Entsetzen ausgelöst. Bildrechte: dpa

Christchurch Was bisher zum Terroranschlag in Neuseeland bekannt ist

Bei einem Anschlag auf Muslime im neuseeländischen Christchurch sind Dutzende Menschen getötet worden. Der mutmaßliche Täter stammt aus Australien. Er hatte vor der Tat im Internet ein rassistisches Manifest veröffentlicht. Er sieht den norwegischen Rechtsextremisten Anders Breivik als Vorbild. Der Tatverdächtige war nach eigenen Angaben mehrfach in Europa unterwegs. Was bisher bekannt ist.

Menschen umarmen sich vor einem provisorischen Denkmal mit Blumen.
Der brutalste Anschlag in der jüngeren Landesgeschichte hat in Neuseeland und weltweit Entsetzen ausgelöst. Bildrechte: dpa

Was ist geschehen?

Während des Freitagsgebets in der Al-Noor-Moschee im Zentrum von Christchurch eröffnet ein Angreifer das Feuer auf die muslimischen Gläubigen, 41 Menschen sterben dort. In fünf Kilometern Entfernung werden bei einem weiteren Angriff auf eine kleine Vorort-Moschee sieben weitere Menschen getötet. Ein weiteres Opfer stirbt nach Behördenangaben später im Krankenhaus. Insgesamt werden 49 Menschen getötet.

Augenzeugen berichten später, dass einige der Opfer in der Hauptmoschee aus nächster Nähe erschossen wurden und unter den Toten auch Kinder sind. Ein Palästinenser, der dem Angriff entkommen konnte, sprach von mehreren in rascher Folge abgegebenen Schüssen, wie mit einer automatischen Waffe. In der Moschee brach Panik aus, blutverschmierte Menschen versuchten zu entkommen.

Wer sind die Opfer?

Die Toten sind noch nicht identifiziert. In der Al-Noor-Moschee waren zum Zeitpunkt des Anschlags Muslime aus aller Welt zum Gebet versammelt, unter ihnen sechs Indonesier. Unter den Verletzten waren ein Saudi-Araber, zwei Malaysier, zwei Türken und mindestens fünf Jordanier. Nach Angaben des diplomatischen Vertreters Indiens werden neun Menschen mit indischer Staatsbürgerschaft oder indischer Abstammung vermisst.

Insgesamt 48 Verletzte wurden im Krankenhaus von Christchurch behandelt, darunter auch kleine Kinder. Andere Gläubige entkamen knapp dem Angriff. Unter ihnen waren Mitglieder des Kricket-Teams von Bangladesch, deren Mannschaftsbus gerade bei der Moschee ankam, als die Schüsse fielen.

Was ist über den Angreifer bekannt?

Sein Name wurde offiziell noch nicht bekannt gegeben, doch bestätigte Australiens Premierminister Scott Morrison, dass es sich um einen 28-jährigen Australier handle. Er beschrieb den Mann als "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen".

Vor seinem Anschlag veröffentlichte der Mann ein Hass-Manifest gegen Muslime mit dem Titel "The Great Replacement" (Der große Austausch). Der Titel geht auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie zurück, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer mit einer höheren Geburtenrate ersetzt werden soll.

Auf Bildern sind auf den Waffen des Täters handgeschriebene Namen historischer Militärvertretern zu erkennen, von denen viele an der Tötung von Muslimen beteiligt waren. Dazu wurde bekannt, dass der mutmaßliche Attentäter Südosteuropa besucht hat. So bereiste er Mitte im November 2018 Bulgarien. Die bulgarischen Sicherheitsbehörden prüfen seine Angaben, wonach er historische Stätten besuchte. Auch mögliche Kontaktpersonen werden gesucht. Weitere Ziele war Rumänien und Ungarn. 2016 war der Australier in Serbien, Kroatien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina unterwegs.

Der Täter beschreibt in seinem Manifest, dass er aus einer einkommensschwachen Arbeiterfamilie stamme. Auch sei er mehrere Jahre in Frankreich, Spanien und Portugal unterwegs gewesen. Australischen Medienberichten zufolge arbeitete er vor vor seiner Übersiedlung nach Neuseeland als Fitnesstrainer in einem Ort bei Sydney.

Wie haben Polizei und Behörden reagiert?

Karte von Christchurch in Neuseeland
Die Anschlagsorte in Christchurch. Bildrechte: MDR

Die Polizei riegelte die Innenstadt von Christchurch ab und schickte bewaffnete Beamte an mehrere Schauplätze in der Stadt. An einem verdächtigen Auto wurden zwei selbstgebaute Sprengsätze entdeckt und entschärft. Drei Männer und eine Frau wurden festgenommen. Einer der Männer wurde später des Mordes beschuldigt. Die beiden anderen Männer blieben in Gewahrsam. In welcher Verbindung sie zu den Anschlägen standen, war zunächst unklar.

Die Polizei rief Muslime im ganzen Land auf, vorsichtshalber keine Moscheen zu besuchen. In der angespannten Lage sprengte das Militär zwei herrenlose Taschen im Zentrum von Auckland. Ihr Inhalt erwies sich als harmlos. Im Zentrum von Christchurch fand zum Zeitpunkt des Anschlags gerade eine Schülerdemo für den Klimaschutz statt. Der Stadtrat richtete eine Hotline für besorgte Eltern ein, die nach ihren Kindern suchten. Im 350 Kilometer von Christchurch entfernten Dunedin gab es einen Polizeieinsatz, der in Verbindung mit den Angriffen stehen soll.

Welche Parallelen gibt es zum norwegischen Massenmörder Breivik?

In seinem Manifest nennt der Todesschütze ausdrücklich den norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik als Vorbild. Dieser hatte im Juli 2011 insgesamt 77 Menschen ermordet. Breivik hatte seinerzeit ebenfalls einen Text veröffentlicht, allerdings war dieser mehr als 1.500 Seiten lang. Beide vergleichen sich in ihren Manifesten mit Nelson Mandela. Ihre Opfer waren Menschen, die für kulturelle Vielfalt stehen, die Waffen von beiden waren beschriftet.

Der Täter von Christchurch schreibt in seinem Manuskript, dass er mit Breivik kurz Kontakt gehabt habe. Dessen Anwalt Oystein Storrvik hält das allerdings aufgrund der strengen Kontrollen, denen sein Mandant im Gefängnis unterliege, für "unwahrscheinlich".

Quelle: mit Material von AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. März 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 16:08 Uhr