Mesale Tolu und Suat Corlu
Ein Gericht in Istanbul hat das Ausreiseverbot gegen den Ehemann der Journalistin und Übersetzerin Tolu aufgehoben. Bildrechte: dpa

Istanbuler Gericht Ausreisesperre gegen Tolus Ehemann aufgehoben

Nach der Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu darf auch ihr Mann die Türkei verlassen. Am Dienstag war Tolu noch zur Fortsetzung ihres Prozesses in die Türkei zurückgekehrt und hatte sich für ihren Mann eingesetzt.

Mesale Tolu und Suat Corlu
Ein Gericht in Istanbul hat das Ausreiseverbot gegen den Ehemann der Journalistin und Übersetzerin Tolu aufgehoben. Bildrechte: dpa

Der Ehemann der deutschen Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu darf die Türkei verlassen. Das zuständige Istanbuler Gericht hob die seit Monaten geltende Ausreisesperre gegen Suat Corlu auf.

Tolu forderte Freispruch

Mesale Tolu war am Dienstag zur Fortsetzung der Verhandlung aus Deutschland in die Türkei zurückgekehrt. Vor Gericht hatte die 33-Jährige die Aufhebung der Ausreisesperre gegen ihren Mann und eine Freispruch für ihn und sich selbst gefordert.

Ihre Familie sei "geschädigt" worden, weil sie monatelang mit ihrem dreijährigen Sohn in Untersuchungshaft gesessen habe und ihr Mann nicht ausreisen dürfe. Tolu hatte 2017 mehr als sieben Monate in U-Haft verbracht und war nach ihrer Freilassung im Dezember unter einer Ausreisesperre in der Türkei festgehalten worden. Erst Ende August durfte sie mit ihrem Sohn nach Deutschland fliegen, während ihr Mann weiter in der Türkei bleiben musste.

Terrorvorwürfe gegen Ehepaar

Dem Ehepaar werden Verbindungen zu Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) vorgeworfen, die in der Türkei als Terrororganisation gilt. Dafür drohen ihnen bis zu 20 Jahre Haft. Der Prozess gegen die beiden wurde auf den 10. Januar vertagt. Neben Tolu und Corlu sind in dem Verfahren 21 weitere Menschen angeklagt. Kritiker sehen das Verfahren als politisch motiviert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Oktober 2018 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2018, 14:44 Uhr

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9 Kommentare

17.10.2018 17:29 Huber 9

@8 Objektivität ist der Sinn eines Gesetzes. Würde nur nach Subjektivität entschieden, würde das zu Unberechenbarkeit, Ungerechtigkeit und Instabilität führen. Empfinden als alleiniger und erster Maßstab für Rechtssprechung ist inakzeptabel, weil sie zu Unrecht und Ungerechtigkeit führen würde. Das ist eindrucksvoll nachzuvollziehen an Zeiten, in denen "gesundes Volksempfinden" als Maßstab akzeptiert war.

17.10.2018 10:04 Wachtmeister Dimpfelmoser 8

Berichterstattung hin - Deutschtürkentum her: Fakt ist, dass diese Art der Berichterstattung ganz stark an die ideologisch-propagandistisch eingefärbte zu früheren DDR-Zeiten erinnert. Nur dass damals wie heute dadurch keinerlei Emotion, geschweige denn ein Umdenken, eine Sympathie oder auch nur der Hauch einer positiven Emotion diesen Personen gegenüber erzeugt und aufgebaut wird - was ja das eigentliche Ziel war und auch hier wieder ist. Was Gesetze definieren und vorgeben, die ohnehin von Minderheiten erarbeitet und dann mit vermeintlichem Mehrheitsmandat umgesetzt werden, entspricht noch lange nicht dem Denken und der Gefühlswelt breiter Kreise der autochthonen Bevölkerung. Von daher empfinde ich eher wie Dettleff und Blumenfreund - unabhängig davon, wie die Rechtslage ist.

17.10.2018 09:56 aus Sachsen und denkt 7

Wisst Ihr, was mich an jedem einzelnen Artikel über Mesale Tolu wirklich aufregt?

Dass sich Foristen darüber zerreißen, ob sie nun für Sympathie deutsch genug ist oder nicht.

Und dabei geht es ausschließlich darum, dass es in der Türkei unzählige politische Häftlinge gibt, es wird die Pressefreiheit mit Stiefeln getreten!

Mittlerweile ist vielleicht der IQ im Knast dort höher als der draußen ;)

17.10.2018 09:23 aus Sachsen und denkt 6

@Dettleff: Was würde denn was aussagen, und was wäre so schlimm daran, wenn man mal begreift, dass es der Realität nicht gerecht wird, Menschen nach Vorfahren in Schubladen zu stecken? Sicher ist es für Schubladendenker beunruhigend, dass die Einordnung nicht mehr eindeutig ist - genaugenommen war sie das nie. Die im Forum als linksgrün Verschrienen haben es bereits verinnerlicht, dass es weder für Nationalitäten noch z. B. für Geschlechter nur das eine und nur das andere gibt. Das war schon immer so, aber nunmehr dämmert vielen der Fakt. Und das beunruhigt die konservativeren (oder soll ich sagen "schlichteren"?) Gemüter.

Augen auf! Es ist nicht schlimm, dass eine Journalistin in der türkischen wie auch in der deutschen Kultur zu Hause ist.

17.10.2018 09:04 Huber 5

@4 Es "ist so", dass Frau Tolu in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, dass sie dort studiert hat und dass sie dort wohnt und dass sie Staatsangehörige der Bundesrepublik Deutschland ist. Da fielen mir so manche ein, die Sie vermutlich als "wirklich deutsch" o.ä. bezeichnen würden, obwohl auf diese Personen nicht all' diese Punkte zutreffen...

16.10.2018 22:53 Dettleff 4

Deutsch und Deutsch sind weiterhin 2 paar Schuhe, #2&3, das ist so. Der Pass sagt gar nichts aus. Leider mitlerweile.

16.10.2018 17:04 aus Sachsen und denkt 3

Solches Gesülze wie in #1 war so was von klar.

Wer deutsch ist, bestimmen nicht Sie. Zum Glück.

Ich freue mich, dass diese starke Frau und ihre Familie wieder etwas mehr Freiheit gewonnen hat und gratuliere gern.

16.10.2018 16:54 Huber 2

@1 Ad1: Frau Tolu ist in Ulm geboren und hat dort Abitur gemacht. Sie hat dann in Frankfurt studiert. Alles ziemlich eindeutige Hinweise auf Deutschland... Ad2: Frau Tolu hat keine doppelte Staatsangehörigkeit, da sie 2007 mit dem Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft ihre türkische abgelegt hat.

16.10.2018 15:49 Blumenfreund 1

Das ist keine deutsche Journalistin, sondern ein türkische Journalistin mit deutschem Pass. Tja, das ist eben der Fluch der doppelten Staatsbürgerschaft. Man bekommt am Ende mehr, als man eigentlich will.