Frankreich Höchste Terrorwarnstufe nach Messerangriff

In der französischen Stadt Nizza hat ein Mann mehrere Menschen mit einem Messer angegriffen. Drei Menschen starben, mehrere wurden verletzt. Die Ermittler vermuten einen terroristischen Hintergrund. Die Regierung rief die höchste Terrorwarnstufe aus.

Rettungswagen in einer Straße in Nizza
Vor der Kirche in Nizza ereignete sich der Angriff. Bildrechte: dpa

In der südfranzösischen Stadt Nizza sind drei Menschen bei einem Messerangriff getötet worden. Nach Angaben der Polizei gab es zudem zahlreiche Verletzte. Die Morde ereigneten sich den Berichten zufolge in der Kirche; das dritte Opfer starb kurz darauf in einem Cafe vor der Basilika, in das sich die Frau schwer verletzt geflüchtet hatte. Der mutmaßliche Täter wurde von Sicherheitskräften angeschossen und festgenommen. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, sagte, der Angreifer sei ähnlich vorgegangen wie der bei der Ermordung eines Lehrers vor zwei Wochen in der Nähe von Paris. Die Regierung in Paris rief nach der Attacke die höchste Terrorwarnstufe für Frankreich aus.

Täter kam aus Tunesien nach Frankreich

Bei dem mutmaßlichen Attentäter handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen 21-jährigen Tunesier. Der Mann sei Ende September über die italienische Insel Lampedusa in die EU gelangt und anschließend nach Frankreich gekommen, hieß es.

Der Festgenommene soll kein Asyl in Frankreich beantragt haben. Nach seiner Ankunft auf Lampedusa hatten ihn die italienischen Behörden demnach zunächst in Corona-Quarantäne genommen und ihn dann aufgefordert, das italienische Staatsgebiet zu verlassen.

Macron in Nizza

Emmanuel Macron (3.v.l), Präsident von Frankreich, und Christian Estrosi (4.v.l)), Bürgermeister von Nizza, sprechen nach einer Messerattacke in der Kirche Notre-Dame in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza mit Polizeibeamten.
Macron am Tatort in Nizza. Bildrechte: dpa

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron besuchte am Nachmittag in Begleitung mehrerer Minister Nizza. Er bezeichnete die Tat als einen "islamistischen Terroranschlag". Frankreich sei angegriffen worden, sagte der 42-Jährige in der südfranzösischen Küstenmetropole. Er kündigte einen verstärkten Schutz von Kirchen und Schulen an.

Der schon länger laufende inländische Anti-Terroreinsatz "Sentinelle" des Militärs solle von bisher 3.000 auf nun 7.000 Soldaten aufgestockt werden.

Der Französische Islamrat verurteilte die Bluttat von Nizza scharf und rief die Muslime in Frankreich auf, alle Feiern zum Geburtstag des Propheten Mohammed abzusagen.

Auch Angriff in Avignon

Auch in einem Vorort von Avignon in Südfrankreich gab es einen Angriff. Medienberichten zufolge bedrohte ein Mann mehrere Passanten mit einer Pistole. Polizisten sollen den Mann erschossen haben, hieß es.

Christian Estrosi mit Polizisten in der Nähe des Tatorts
Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi mit Polizisten in der Nähe des Tatorts. Bildrechte: dpa

Zudem gab es einen Messerangriff auf einen Wachmann des französischen Konsulats im saudiarabischen Dschidda, der Wachmann wurde dabei verletzt. Der einheimische Angreifer sei festgenommen worden, wie die französische Botschaft in dem Land in einer Erklärung bekanntgab. Die Botschaft rief alle Franzosen in Saudi-Arabien zu "erhöhter Wachsamkeit" auf. Ob die Attacke im Zusammenhang mit den Taten in Frankreich steht, war aber zunächst unklar.

Spannungen nach Mohammed-Karikaturen

Die Spannungen zwischen Frankreich und islamisch geprägten Ländern hatten zuletzt zugenommen, nachdem Präsident Macron mit Blick auf Mohammed-Karikaturen erklärt hatte, in Frankreich würden auch künftig umstrittene Karikaturen gezeigt. Nach einer Welle des Protestes in islamisch geprägten Staaten befeuerte das Satiremagazin "Charlie Hebdo" die Auseinandersetzung mit einer Karikatur des türkischen Präsidenten Erdogan.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Oktober 2020 | 13:00 Uhr