US-Präsident Donald Trump (r.) empfängt bei einem Arbeitsessen Abe, Ministerpräsident von Japan, in seinem Privatanwesen in Mar-a-Lago, mit dabei US-Sicherheitsberater John Bolton (2.v.l.).
John Bolton galt als Hardliner - und wurde nun von Präsident Trump entlassen. Bildrechte: dpa

Entlassung Trump feuert Sicherheitsberater Bolton

Nächste Entlassung innerhalb der US-Regierung: Präsident Trump entließ am Abend überraschend seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton – er galt als Hardliner.

US-Präsident Donald Trump (r.) empfängt bei einem Arbeitsessen Abe, Ministerpräsident von Japan, in seinem Privatanwesen in Mar-a-Lago, mit dabei US-Sicherheitsberater John Bolton (2.v.l.).
John Bolton galt als Hardliner - und wurde nun von Präsident Trump entlassen. Bildrechte: dpa

US-Präsident Trump hat überraschend seinen Sicherheitsberater John Bolton entlassen. Bei Twitter schrieb Trump: "Ich war mit vielen seiner Vorschläge nicht einverstanden, wie auch andere in der Administration, und deshalb habe ich ihn gebeten, zurückzutreten." In der kommenden Woche werde er einen Nachfolger benennen. Vorerst ernannte Trump Charles Kupperman zum kommissarischen Nationalen Sicherheitsberater, wie ein Sprecher des Weißen Hauses bestätigte. Seit Anfang des Jahres war Kupperman Boltons Stellvertreter.

Bolton hatte das Amt erst seit April 2018 inne und hatte es damals von H.R. McMaster übernommen – der zuvor ebenfalls von Trump entlassen wurde. Bolton galt als Hardliner und unter anderem als Befürworter eines Regimewechsels im Iran. Einen Anlass für die jetzige Entlassung könnten die gescheiterten Friedensgespräche zwischen den USA und den Taliban gegeben haben. Trump hatte die Gespräche vor wenigen Tagen überraschend als gescheitert erklärt. Bolton hatte die Verhandlungen stets kritisiert.

Streit bei Twitter

In den vergangenen Monaten war Trump mehrfach mit Nachfragen konfrontiert worden, ob er mit der Arbeit seines Sicherheitsberaters zufrieden sei. Er hatte Bolton bis jetzt immer verteidigt und etwa gesagt, er wisse um dessen Rolle als Hardliner, habe aber auch andere Berater, die einen weniger harten Kurs verfolgten.

Stühlerücken im Weißen Haus Trumps Personalkarussell

Rotationsprinzip im Weißen Haus: In der bisheringe Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben selbst engste Vertraute ihren Hut genommen. Andere traten nicht freiwillig zurück, sondern wurden gefeuert. Ein Überblick.

Sally Yates
Die geschäftsführende Justizministerin Sally Yates wurde von Präsident Trump Ende Januar 2017 entlassen. Sie hatte sein umstrittenes Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimischen Ländern für nicht rechtmäßig erklärt. Sie wurde abgelöst von Jeff Sessions, der später ebenfalls seinen Hut nahm. Bildrechte: IMAGO
Sally Yates
Die geschäftsführende Justizministerin Sally Yates wurde von Präsident Trump Ende Januar 2017 entlassen. Sie hatte sein umstrittenes Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimischen Ländern für nicht rechtmäßig erklärt. Sie wurde abgelöst von Jeff Sessions, der später ebenfalls seinen Hut nahm. Bildrechte: IMAGO
Michael Flynn
Schon Mitte Februar 2017, nur 23 Tage nach seinem Amtsantritt, trat Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn zurück. Grund war ein Telefonat von Flynn mit dem russischen Botschafter wenige Tage nach Trumps Wahlsieg. Später soll er dazu falsche Angaben gemacht haben, unter anderem gegenüber Vizepräsident Pence. Bildrechte: dpa
James Comey, 2014
Der ehemalige FBI-Chef James Comey zählte von Anfang an nicht zu den Vertrauten von Donald Trump. Er war bereits 2013 unter Barack Obama Direktor der Bundespolizei geworden, obwohl er ein republikanisches Parteibuch besitzt. Comey wurde von Republikanern und Demokraten als prinzipientreuer und standfester Behördenchef respektiert – doch er brachte Trump mit Ermittlungen in der Russland-Affäre gegen sich auf. Am 9. Mai 2017 feuerte Trump den FBI-Chef. Bildrechte: imago/UPI Photo
Weißes Haus in Washington
Nach rund drei Monaten im Amt warf Trumps Kommunikationschef Michael Dubke Ende Mai 2017 das Handtuch. Er selbst gab persönliche Gründe für seinen Rückzug an. Bildrechte: dpa
Reince Priebus, Politiker der Republikanischen Partei
Nach nur etwa sechs Monaten im Amt trat Stabschef Reince Priebus im Juli 2017 zurück - wie er selbst sagte, "gern und freiwillig". Doch an dieser Darstellung gibt es Zweifel. Offenbar hatte Trump seinen Stabschef so unter Druck gesetzt, dass dieser gar nicht mehr anders konnte, als den Hut zu nehmen. Bildrechte: Getty Images
US-Heimatschutzminister und Ex-General John Kelly
John F. Kelly An die Stelle von Priebus trat am 31. Juli 2017 der Ex-General des U.S. Marine Corps John F. Kelly. Zuvor war er Chef des Heimatschutzministeriums. Zuletzt war es immer wieder zu Spannungen zwischen ihm und Präsident Trump gekommen. Insidern zufolge erwägt Kelly bereits seinen Rücktritt. Bildrechte: dpa
Elaine Duke
Elaine Duke Wegen der Beförderung von Kelly musste Ende Juli 2017 das Amt des Heimatschutzministers neu besetzt werden. Zunächst übernahm kommissarisch Elaine Duke, die schon unter Trumps Vorgängern Bush und Obama zunehmend wichtigere Posten im Heimatschutzministerium inne hatte. Bildrechte: IMAGO
Weißes Haus in Washington
Sebastian Gorka arbeitete bis Mitte August 2017 im engen Beraterkreis Trumps, wo er sich vor allem mit Außenpolitik und Terrorabwehr beschäftigte. Zuvor hatte er lange wegen Kontakten zu rechtsextremen Gruppen in der Kritik gestanden. Der Brite mit ungarischen Wurzeln hatte bereits für den ungarischen Präsidenten Orban gearbeitet, als Trump ihn ins Team holte. Sein Abgang war Experten zufolge strategisch motiviert. Bildrechte: dpa
Kristjen Nielsen und Donald J. Trump
Anfang Oktober 2017 nominierte Trump Kirstjen Nielsen als neue Ministerin für Heimatschutz. Der US-Senat bestätigte die Entscheidung später mit 62 zu 37 Stimmen - also auch mit einigen aus den Reihen der Demokraten. Bildrechte: IMAGO
Thomas E. „Tom“ Price, US-amerikanischer Politiker
Die größte Rotation fand unter Trump an der Spitze des Gesundheitsministeriums statt. Anfangs führte Norris Cochran das Amt kommissarisch aus, bevor der von Trump vorgesehene ehemalige Chirurg Tom Price (im Foto) das Amt übernehmen konnte. Price blieb bis Ende September 2017, dann trat er zurück. Grund war ein Bericht des Magazins "Politico", nach dem Price allein in den letzten vier Monaten seiner Amtszeit Flugkosten in Höhe von mehr als 400.000 Dollar verursacht hatte. Offenbar hatte der Gesundheitsminister häufig Charterflüge genutzt, obwohl er für einen Bruchteil der Kosten Tickets für normale Linienflüge hätte kaufen können. Zum Teil waren die Reisen privater Natur. Auf Tom Price folgte zunächst für nur knapp zwei Wochen Don J. Wright. Wright hatte schon vorher ein hohes Amt im Gesundheitsministerium inne und rückte nun kurzzeitig kommissarisch an die Spitze. Im Oktober 2017 ersetzte Trump den kommissarischen Gesundheitsminister Wright durch den neuen kommissarischen Gesundheitsminister Eric Hargan. Seit Januar 2018 ist Alex Azar Gesundheitsminister. Bildrechte: dpa
Der Sprecher von US-Präsident Donald Trump, Sean Spicer,
Sean Spicer war Trumps erster Regierungssprecher. Mit einer Pause von März bis Juni 2017 (als Mike Dubke den Job übernahm) war er zusätzlich auch Kommunikationsdirektor. Als er wieder ins zweite Glied zurücktreten sollte und sein neuer Chef Anthony Scaramucci werden sollte, reichte Spicer am 21. Juli 2017 seinen Rücktritt ein. Bildrechte: dpa
Anthony Scaramucci
Anthony Scaramucci gab ein sehr kurzes Gastspiel von zehn Tagen im Team Trump. Der ehemalige Hedgefonds-Manager übernahm am 21. Juli 2017 das Amt des Kommunikationsdirektors des Weißen Hauses und wurde noch vor der offiziellen Ernennung am 31. Juli 2017 wieder gefeuert. In den wenigen Tagen im Amt hatte er unter anderem Ex-Stabschef Reince Priebus massiv angegriffen und Steven Bannon beleidigt. Bildrechte: imago/ZUMA Press
Sarah Huckabee Sanders
Trumps Pressesprecherin ist seit September 2017 Sarah Huckabee Sanders, die unter Sean Spicer schon stellvertretende Pressesprecherin war. Bildrechte: IMAGO
Der US-Rechtspopulist Steve Bannon
Einem Donnerschlag gleich kam der Rauswurf von Trumps Chef-Strategen Stephen Bannon am 18. August 2017. Bannon war einer der engsten Vertrauten des Präsidenten – obwohl er außerhalb des Weißen Hauses von Anfang an unter Kritik stand. Kurz vor dem Rauswurf hatte Trump den Ex-Chef des rechtsextremen Internetportals Breitbart News noch einen "guten Mann" genannt. Das half Bannon aber offenbar nicht im Machtkampf mit Sicherheitsberater Herbert R. McMaster, der sich am Ende durchsetzte. Der endgültige Fall Bannons kam Anfang 2018 nach der Veröffentlichung des Trump-Enthüllungsbuchs "Fire and Fury" des Journalisten Michael Wolff. Für das Buch plauderte Bannon offenbar Pikantes über Trumps Oval Office aus. Der US-Präsident nennt seinen einstigen Chef-Strategen seither nur noch verächtlich "Sloppy Steve" (schlampiger Steve). Bildrechte: dpa
Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort
Lange standen sie im Zentrum der Öffentlichkeit: Paul Manafort (im Foto), Richard Gates und Georg Papadopoulos. Das FBI ermittelte wegen Schwarzgeldzahlungen und Verschwörung gegen die USA im Rahmen der Russland-Affäre. Alle drei arbeiteten im Wahlkampf für Trump, allerdings nicht lange. Sie könnten dem Präsidenten und seinem Umfeld allerdings dann gefährlich werden, wenn sie als Kronzeugen aussagen und andere Trump-Vertraute wie Jared Kushner belasten. Bildrechte: dpa
Rob Porter, Stephen Miller und Gary Cohn
Rob Porter (links) war bis Februar 2018 Berater von Präsident Trump. Sein Abgang war unrühmlich. Zwei seiner Ex-Frauen bezichtigten den hochrangigen Regierungsmitarbeiter der häuslichen Gewalt. Wegen dieser Anschuldigungen trat Porter schließlich zurück. Bildrechte: dpa
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Nach seiner Entlassung meldete sich auch Bolton bei Twitter zu Wort und widersprach Teilen von Trumps Darstellung zum zeitlichen Ablauf der Entscheidung. "Ich habe gestern Abend meinen Rücktritt angeboten und Präsident Trump sagte:"Lass uns morgen darüber sprechen", schrieb er. Trump hingegen hatte geschrieben, er habe Bolton am Montagabend zum Rücktritt aufgefordert. Dieser habe daraufhin am Dienstagmorgen seinen Rückzug erklärt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 22:31 Uhr