Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht mit US-Präsident Donald Trump. Emmanuel Macron (2.v.l), Präsident von Frankreich, Shinzo Abe (4.v.r), Ministerpräsident von Japan, und John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater der USA, verfolgen das Gespräch.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M) spricht mit US-Präsident Donald Trump (r) während der Beratungen am Rande der offiziellen Tagesordnung. Bildrechte: Jesco Denzel/Bundesregierung /dpa

Kanada | USA G7-Gipfel endet im Debakel

Erst nannte US-Präsident Trump den G7-Gipfel "ausgesprochen erfolgreich". Wenig später gibt er der Abschlusserklärung den Laufpass. In der 40-jährigen Geschichte der Gruppe der Wirtschaftsmächte ist das ein bislang einmaliger Schritt. Kanada, Deutschland und Paris lassen sich hingegen von Trumps Entscheidung nicht beirren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht mit US-Präsident Donald Trump. Emmanuel Macron (2.v.l), Präsident von Frankreich, Shinzo Abe (4.v.r), Ministerpräsident von Japan, und John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater der USA, verfolgen das Gespräch.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M) spricht mit US-Präsident Donald Trump (r) während der Beratungen am Rande der offiziellen Tagesordnung. Bildrechte: Jesco Denzel/Bundesregierung /dpa

US-Präsident Donald Trump hat nach dem Ende des G7-Gipfels in Kanada seine Zustimmung zur Abschlusserklärung völlig überraschend wieder zurückgezogen. Deutschland, Frankreich und Kanada erklärten hingegen, am Kommuniqué festzuhalten.

Trump begründete seinen völlig überraschenden Schritt mit der Haltung des kanadischen Gastgebers Justin Trudeau zu US-Zöllen auf Stahl und Aluminium. Er habe daraufhin seine Vertreter angewiesen, die Erklärung nicht zu unterzeichnen.

Trudeau will selbst mit Zöllen reagieren

Der kanadische Premier Justin Trudeau hatte am Samstag in einer Abschluss-Pressekonferenz die US-Zölle als "beleidigend" bezeichnet und erklärt, er werde im Gegenzug Zölle auf US-Waren erheben.

Das machen wir nicht gerne, aber wir werden es absolut machen, denn wir Kanadier sind freundlich und vernünftig, aber wir lassen uns nicht herumkommandieren.

Justin Trudeau Kanadischer Premier über Verhängung eigener Zölle gegen USA

Trump nannte Gipfel zunächst "ausgesprochen erfolgreich"

Die USA und die sechs anderen G7-Staaten hatten sich beim Gipfel in La Malbaie trotz tiefgreifender Differenzen in letzter Minute zu einer achtseitigen Abschlusserklärung durchgerungen. US-Präsident Trump hatte das Treffen frühzeitiger verlassen. Er bezeichnte es zunächst noch als "ausgesprochen erfolgreich". Sein Verhältnis zu den anderen Staaten bewertete er "mit der Bestnote 10 auf einer Skala von eins bis zehn".

Reaktion auf US-Präsidenten

Von Regierungssprecher Steffen Seibert hieß es am Sonntagmorgen, Deutschland stehe fest zum gemeinsam vereinbarten Kommuniqué. Ähnliche Töne kamen aus Paris. Der französische Élyséepalast erklärte, die internationale Zusammenarbeit könne nicht von Wutanfällen und kurzen Worten abhängen. Wer sich nachträglich von den Vereinbarungen abwende, zeige sich als sprunghaft und haltlos.

Was in der Abschlusserklärung stand

In der Abschlusserklärung heißt es unter anderem, dass man die zentrale Bedeutung eines regelbasierten internationalen Handelssystems unterstreiche und weiter gegen Protektionismus kämpfe. Die Strafzölle kommen in der Erklärung gar nicht vor, ebenso nicht der Streit über das Iran-Abkommen. Ein Passus, in dem es um ein Bekenntnis zum Pariser Klimaschutzabkommen geht, ist nur von sechs Staaten unterzeichnet, nicht aber den USA.

Trumps vollständige nachträgliche Aufkündigung der Gipfelerklärung stellt einen einmaligen Eklat in der mehr als 40-jährigen Geschichte der G7-Staatengruppe dar. Zur Gruppe gehören neben den USA die Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juni 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 20:08 Uhr

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43 Kommentare

11.06.2018 23:21 Hans 43

37) Wer hat eigentlich die Krimbrücke innerhalb von drei Jahren projektiert und gebaut? Wer schickt Astro-/Kosmonauten zur ISS? Spätestens ab Donnerstag gilt "mediales Feuer frei!".

11.06.2018 15:54 mattotaupa 42

@#34: demokratische wahl? geht so. gleiche wahl? nein! ein wahlmann aus kalifornien vertritt 718.000 einwohner, ein wahlmann aus alaska bekommt sein volles stimmrecht bereits für nur 246.700 einwohner. d.h. eine wählerstimme aus alaska hat fast das dreifache gewicht einer wahlstimme aus kalifornien. bei derartigen systematischen verzerrungen ist es nicht verwunderlich, daß auch der potus abseits der realität steht und twitter als sprachrohr nutzt. wer würde in privaten bereich mit jemandem verhandeln, der seine meinung alle nase lang ändert? zuverlässigkeit ist basis der geschäfts- und politikwelt aber der typ wartet nicht mal bis zum nächsten tag, um das genaue gegenteil seiner bisherigen aussagen in 140 zeichen von sich zu geben.

11.06.2018 10:46 andre 41

Ins Gesicht sagen konnte es Trump den anderen nicht, dafür braucht man nämlich Schneid und Rückgrat! Also nimmt er sich wieder irgend etwas als Vorsatz um per Twitter (total erwachsen) abzusagen, wow was für ein ehrlicher und integrer Mann! Wenn die Amis den weiter behalten wollen, dann müssen die anderen Länder ihre Konsequenzen daraus ziehen, eben ohne Amerika!

11.06.2018 07:38 Gr 40

@34 demokratisch gewählt?! Bei über 1 Million weniger Stimmen?! Dieser Unsinn mit den Wahlmännern zeigt mal wieder wie unsinnig derartige Wahlsysteme sind.

11.06.2018 07:20 Wolfgang Nawalny 39

@Wessi 28, was Sie schreiben kommt mir vor wie ein Traum aus dem rosaroten Elfenturm.

Wer oder was sind bei Ihnen "Flüchtlingsfeinde"?

Ihre Statements sind einfach falsch oder von der Realität überrollt! Ein Beispiel: Merkel hat schon lange nicht mehr den besten Draht zu Putin, hier gibt es mittlerweile andere Staatsmänner, die diese Rolle eingenommen haben. Sie sollten sich aktuell informieren. Lesen Sie doch zum Beispiel mal wieder die Sächsische Zeitung ...

11.06.2018 06:46 Truck Dump 38

G7 diesmal ist wie Kindergarten. 6 Erzieher mühen sich um ein verhaltensauffälliges Kind.

10.06.2018 23:07 Varlex 37

Weil hier ja einige meinen zu wollen, dass ein bilateraler Handel von Russland und USA mehr bringt als USA Deutschland...nur mal ein paar zahlen:
BIP Deutschland 3500mrd$; Russland 1500mrd$
Einwohner Deutschland 80mio; Russland 142mio
Fläche Deutschland 0,37mio km²; Russland 17mio km²

Wirtschaftlich ist Russland lächerlich...und kann nicht einen der anderen G7-Staaten nur im Ansatz ersetzen. Auch wenn Putin das gern hätte ;)

10.06.2018 22:08 pkeszler 36

@Dampflok1989 34 "@pkeszler: Herr Trump ist ein demokratisch gewählter Präsident, schon vergessen? Sollte es anders sein, dann bitte glaubwürdige Beweise."
Ach lassen Sie doch Ihre Behauptungen sein, die ich nie bestritten habe. Das gehört auch zu einer demokratischen Diskussion in einem Forum, dass man bei der Wahrheit bleibt.

10.06.2018 21:48 esSKaa 35

Trump ist endlich. Wenn der Herrjott ein Einsehen hat, holt er ihn vor acht Jahren Amtszeit.

#33: „Das wars“, sowohl Putin als auch Trump sind Interessen anderer egal. Von denen isoliert man sich doch gerne – zusammen mit vielen anderen. Sie schreiben Unsinn. Wohl mit Absicht...

10.06.2018 21:39 Dampflok1989 34

@pkeszler: Herr Trump ist ein demokratisch gewählter Präsident, schon vergessen? Sollte es anders sein, dann bitte glaubwürdige Beweise.