Coronavirus-Hotspot Mehr als 15.000 Neuinfektionen in Tschechien

Gemessen an seiner Einwohnerzahl verzeichnete Tschechien in den vergangenen beiden Wochen EU-weit die höchsten Corona-Infektionszahlen. Die Krankenhäuser stehen kurz vor ihrer Überlastung. Nun erhält das Land aus einer gemeinsamen Reserve der Europäischen Union sowie aus den Niederlanden und Österreich 150 zusätzliche Beatmungsgeräte.

 Leeres Patientenbett, bereit für die Aufnahme eines Patienten.
Tschechiens Gesundheitssystem steht wegen der hohen Corona-Infektionszahlen unter Druck. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Die EU hatte nach dem Ausbruch der Pandemie gemeinsame Bestände an Schutzkleidung und medizinischem Gerät aufgebaut, die von Brüssel finanziert und in Deutschland und fünf anderen Ländern dezentral gelagert werden. Aus dieser Reserve kommen nach Angaben der Kommission 30 Beatmungsgeräte für Tschechien. Allein die Niederlande wollen 105 weitere an den EU-Partner liefern, Österreich stellt 15 Geräte bereit. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen dankte beiden Ländern. "Wir halten zusammen", schrieb sie auf Twitter.

Das Land verzeichnete in den vergangenen beiden Wochen EU-weit die höchsten Zahlen an Neuinfektionen und Todesfällen pro 100.000 Einwohnern. Derzeit sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums fast 9.500 Menschen wegen Covid-19 im Krankenhaus, davon sind über 750 Patienten auf ein Beatmungsgerät angewiesen.

Erstmals über 15.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag

Am Sonnabend hat Tschechien außerdem zum ersten Mal die Grenze von mehr als 15.000 bestätigten Corona-Neuinfektionen pro Tag überschritten. Die Gesamtzahl der Infektionen seit dem Ausbruch der Pandemie im Frühjahr kletterte damit auf mehr als 238.000, wie Daten des Gesundheitsministeriums belegten. Insgesamt 1.971 Infizierte sind in dem knapp 11 Millionen Einwohner zählenden Nachbarland Deutschlands bereits gestorben – allein am Freitag starben 126 Infizierte.

Bereits seit Donnerstag gilt zudem ein weitgehender Lockdown. Die Bewegungen und Kontakte der Bürger mit Ausnahme vom Gang zur Arbeit, Einkäufen und Arztbesuchen sind stark eingeschränkt. Alle Geschäfte außer Lebensmittelläden, Drogerien und Apotheken mussten schließen, Bars und Restaurants sind bereits geschlossen.

Gesundheitsminister steht vor Entlassung

Andrej Babis
Im vergangenen Sommer war auch Regierungschef Babis selbst in die Kritik geraten, weil er seinen Urlaub auf der griechischen Insel Kreta verbrachte, seine Landsleute aber dazu aufgerufen hatte, in den Ferien zu Hause zu bleiben. Bildrechte: dpa

Diese Corona-Maßnahmen scheinen nun dem tschechischen Gesundheitsminister Roman Prymula zum Verhängnis zu werden. Ihm wird vorgeworfen, seine eigenen Vorschriften verletzt zu haben. Ein Paparazzo fotografierte den Minister, als er ein Restaurant in Prag verließ, das wegen der strikten Corona-Regeln eigentlich geschlossen sein sollte.

Tschiechens Regierungschef Andrej Babis sagte, er habe Prymula gebeten, seinen Rücktritt einzureichen. Tue er das nicht, werde er entlassen. Das Fehlverhalten des Ministers sei "unentschuldbar".

Prymula weigert sich bislang, seinen Rücktritt einzureichen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Oktober 2020 | 13:00 Uhr