Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hebt den Zeigefinger bei einer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim begehrte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz deutsche Panzer-Hilfe. Bildrechte: dpa

Mit Verweis auf die Nato Türkei hofft nach Yücel-Freilassung auf Panzer-Hilfe

Deniz Yücel ist frei – und die Türkei erhofft sich deutsche Hilfe beim Bau neuer Panzer. Das sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in einem Interview. Deutschland, so seine Worte, würde davon sogar noch mehr profitieren als die Türkei.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hebt den Zeigefinger bei einer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim begehrte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz deutsche Panzer-Hilfe. Bildrechte: dpa

Nach der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel hofft die Türkei auf Panzer-Hilfe aus Deutschland. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim wünscht sich eine deutsche Beteiligung am geplanten Bau des türkischen "Altay"-Panzers. Das sagte er am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Von einer solchen Zusammenarbeit würden Yildirims Worten nach beide Seiten profitieren – und Deutschland sogar noch mehr als die Türkei: "Denn die Maschinen kommen aus Deutschland, einfache Teile würden in der Türkei hergestellt."

Deutsch-türkisches Unternehmen will Panzer-Auftrag

Die türkische Regierung plant den Bau von etwa 1.000 Kampfpanzern des Typs "Altay" im geschätzten Wert von sieben Milliarden Euro. Für den Auftrag zum Bau der ersten 100 bis 200 Panzer bietet auch der türkische Lastwagen- und Omnibusbauer BMC. Der hatte mit dem Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern 2016 das Gemeinschaftsunternehmen RBSS gegründet. Firmensitz ist Ankara. Rheinmetall hält mit 40 Prozent eine Minderheit.

Die Entscheidung über den Auftrag sollte eigentlich Anfang 2018 fallen. Ohne Genehmigung der Bundesregierung ist eine Beteiligung eines deutschen Unternehmens am Panzerbau in der Türkei aber nicht möglich. Und nach Beginn der türkischen Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien hat Deutschland seine Exportgenehmigungen praktisch gestoppt.

Yildirim: "Wir schützen Nato-Grenzen"

Yildirim hält das für falsch. "Wir sind ein Nato-Mitglied, Deutschland ist ein Nato-Mitglied", betonte er. "Und in unserer Region schützen wir die Nato-Grenzen", sagte er. Yildirim begründete den Einsatz gegen die YPG mit täglichen Raketenangriffen von syrischer Seite auf die Türkei.

Die Freilassung des 44-jährigen Deutsch-Türken Yücel nach einem Jahr Untersuchungshaft wegen Terrorvorwürfen wird von türkischer und deutscher Seite als Zeichen der Entspannung in den schwer belasteten Beziehungen zwischen beiden Ländern gewertet. Die Bundesregierung betont, dass keine Gegenleistung für die Freilassung versprochen worden sei.

Yildirm verteidigt Einsatz deutscher Panzer

Der türkische Ministerpräsident verteidigte auch den Einsatz deutscher Kampfpanzer in Syrien. Die Beteiligung der Panzer vom Typ "Leopard 2" sei "selbstverständlich", sagte er. "Wir haben sie ja für Tage wie heute gekauft, wenn wir angegriffen werden. Wann sollten wir sie denn sonst einsetzen?" Rechtlich sei der Einsatz einwandfrei, betonte er.

Die Bundeswehr hatte der Türkei zwischen 2006 und 2011 insgesamt 354 "Leopard 2" geliefert – ohne Auflagen für den Einsatz zu erteilen. Dem Nato-Partner wurde es lediglich untersagt, die Panzer an Dritte zu verkaufen oder zu verschenken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2018, 10:35 Uhr

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36 Kommentare

19.02.2018 16:30 Fragender Rentner 36

Zitat von Oben: Türkei hofft nach Yücel-Freilassung auf Panzer-Hilfe

Da wurde sich bestimmt verschrieben bei dem Wort "hofft"? :-)

Sollte bestimmt heißen, "bekommt". :-(

19.02.2018 08:39 Bernd L. 35

Nicht nur, dass die Aggression des NATO-Partners Türkei von unserem Außeminiterium nicht scharf verurteilt wird, wir liefern auch noch Kriegsgerät dazu. Was für eine Doppelmoral!

18.02.2018 22:43 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 34

@ 32:
Yücel war auf Grund seiner vorherigen Beiträge wohlbekannt. Natürlich - er selbst wollte nie Bestandteil von 'Deals' werden - hat das seinen 'Marktwert' steigen lassen.
Aber wie Du selbst schon sagst: er ist nur einer von ca. 150 Journalisten, die derzeit in türkischen Gefängnissen sitzen! Die Freilassung Yücels ist nur zur Verhandlungsmasse geworden, weil die Türkei sie zur Verhandlungsmasse gemacht hat!

Das Treffen EU-Türkei im März oder Mai wurde durch Junkers auch an seinen Fall gehangen. Junkers sagte, daß dieses Treffen vakant sei, solange es keine positive Entwicklung in grundgesetzlichen Fragen zu erkennen sei. Und Gabriel hat in dieser Situation diplomatisch verhandelt und mit seiner abschließenden Erklärung dazu der Türkei geholfen, ihr Gesicht zu wahren - ein Punkt, der über Krieg oder Frieden entscheiden kann!

Mit 'Hausmütterchen'-Diplomatie hätten wir nicht mal den ersten Weltkrieg erreicht!

18.02.2018 21:44 Bingo 33

Der Kriegssultan Erdogan, schützt angeblich Natogrenzen,wo jetzt in Syrien mit seinem Einmarsch (Krieg) ?? Wuste gar nicht das Syrien jetzt schon NATO Gebiet ist.

18.02.2018 18:43 annerose will 32

Selbst Frau C.Roth glaubt nicht an die gegenleistungsfreie Haftentlassung des Hr. Y. Schleierhaft bleibt, warum um den "Journalisten" Herrn Y. so ein Theater von Seiten der deutschen Politik gemacht wurde. Anderen in der Türkei festgehaltenen Journalisten wird dies nicht zuteil. Was ist an Hr. Y. so besonderes ?

18.02.2018 16:14 Fragender Rentner 31

Zitat von Oben: Yildirim: "Wir schützen Nato-Grenzen"

Und mehr nicht.

Also unser aller Schutz.

18.02.2018 13:59 Krankenschwester i.R. 30

Verkauft doch D gleich ganz an die Türkei,dann kann Erdi gleich über Alles bestimmen,jetzt bekommt man noch was dafür, einige Gefangene,in 100 Jahren ist es sowieso zu spät,da weht der Halbmond über Halbeuropa.Er kommt doch bald zu Besuch,er läd sich doch immer selbst ein.Was hier abgeht unglaublich ,aber doch wahr...

18.02.2018 13:42 Kasa 29

Wir haben sie ja für Tage wie heute gekauft, wenn wir angegriffen werden...... Kranke Welt...

18.02.2018 13:32 Maria A. 28

Uns kann ja kaum noch was erschüttern, doch würden diese Panzer-Wunsch-Vorstellungen tatsächlich Realität, dann würde man als deutscher Wahlbürger leider mit absoluter Sicherheit damit eine ganz neue Qualität an Politikverdrossenheit erreichen.

18.02.2018 13:03 part 27

Wozu treffen sich jährlich auf der Münchner Sicherheitskonferenz, einer Privatveranstaltung und finanziert aus Steuermitteln, früher noch Wehrkundetagung genannt, immer Vertreter aus Politik und Rüstungsindunstrie? Nimmt man dann noch die Journalisten die in der Autokratie in Geißelhaft genommen werden, wird es etwas einfacher die nötigen Aufrüstungs- Deals einzufädeln, die sonst über Drittstaaten laufen würden.

Yücel-Diplomatie