Migration Türkei öffnet Grenze zur EU

Der türkische Präsident Erdogan hat seine Drohung wahr gemacht und die Grenzen nach Europa geöffnet. Tausende Migranten haben bereits versucht, nach Griechenland zu kommen. Die griechische Polizei setzte Tränengas ein.

Flüchtlinge gehen Richtung der türkischen Grenze zu Griechenland.
Tausende Migranten sind bereits an der türkisch-griechischen Grenze. Bildrechte: dpa

Die Türkei will Flüchtlinge nicht mehr an einer Weiterreise nach Griechenland und Bulgarien hindern. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Samstag in Istanbul, die Türkei habe die Tore geöffnet. Seit Freitag seien bereits 18.000 Flüchtlinge an die türkischen Grenzen zur Europäischen Union gekommen.

Erdogan warf der EU vor, sich nicht an die Zusagen zu halten. Mit seiner Entscheidung, die Grenzen zu öffnen, verstößt er seinerseits gegen den Flüchtlingspakt mit Europa.

Zusammenstöße mit griechischer Polizei

Wie die AFP meldet, haben sich am türkisch-griechischen Grenzübergang Pazarkule Tausende Migranten versammelt. Dort sei es am Samstag zu Zusammenstößen mit griechischen Sicherheitskräften gekommen. Einige Migranten hätten Steine auf Beamte geworfen. Die griechische Polizei habe Tränengas eingesetzt. Athen sprach von "organisierten, massenhaften" Grenzverletzungen. 66 illegale Migranten seien auf griechischem Gebiet festgenommen worden. .

Griechenland und Bulgarien sichern Grenze

Griechenland und Bulgarien verstärken ihren Grenzschutz. Nach griechischen Angaben wurden seit Freiag mehr als 4.000 illegale Grenzüberschreitungen verhindert. Außenminister Nikos Dendias beantragte eine EU-Sondersitzung.

Die Regierung in Athen kündigte an, die Kontrollen auch vor den ägäischen Inseln zu verstärken. Mehr als 50 Schiffe der Küstenwache und der Marine seien im Einsatz. Das bulgarische Verteidigungsministerium teilte mit, bei Bedarf könnten bis zu 1.000 Soldaten an die türkische Grenze entsendet werden.

Der Flüchtlingspakt mit Ankara

Die EU und die Türkei hatten im März 2016 Flüchtlingsabkommen geschlossen. Darin verpflichtete sich das Land, alle neu auf den griechischen Ägäis-Inseln ankommenden Flüchtlinge zurückzunehmen. Auch sollte die Türkei stärker gegen Schlepper vorgehen. Die EU versprach im Gegenzug Milliardenhilfen, eine beschleunigte Visa-Erleichterung und die Modernisierung der Zollunion.

Die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien nimmt derzeit wieder zu. Grund ist die Militäroffensive der syrischen Armee und Russlands gegen die Rebellenhochburg Idlib. Dort sind vor allem islamistische Milizen aktiv, die zum Teil von der Türkei unterstützt werden.

Die türkische Armee selbst war 2019 in Nordsyrien einmarschiert, offiziell aus Gründen der Grenzsicherung. Am Donnerstag wurden bei Luftangriffen in Nordsyrien 33 türkische Soldaten getötet. Die Türkei flog daraufhin Vergeltungsangriffe und forderte von der Nato Beistand.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Februar 2020 | 11:00 Uhr