Luftangriffe und Artilleriebeschuss Türkische Militäroffensive in Syrien gestartet

Die türkische Armee hat mit ihrer Offensive in Nordost-Syrien begonnen. Ziel ist es, die Kurden zurückzudrängen und eine "Sicherheitszone" zu errichten. EU, Bundesregierung und US-Politiker verurteilten die Aktion. Am Donnerstag befasst sich der UN-Sicherheitsrat mit dem Thema.

Rauch bei türkischer Offensive in Syrien
Nach dem Beginn der türkischen Offensive steigt über einem nordsyrischen Ort Rauch auf. Bildrechte: dpa

Die Türkei hat am Mittwoch ihre seit Tagen angekündigte Militäroffensive im Nordosten Syriens gestartet. Kampfjets griffen am Nachmittag mehrere Orte entlang der türkisch-syrischen Grenze an. In Ras al-Ain, Tal Abyad, Kamischli und anderen Städten entlang der Grenze waren Explosionen und Artilleriefeuer zu hören.

Bodenoffensive mit Milizen

Am Abend meldete das türkische Verteidigungsministerium, dass nun auch die Offensive mit Bodentruppen begonnen habe. Türkische Medien berichteten, die Armee sei an mindestens drei Punkten über die Grenze vorgedrungen. Tausende Menschen flohen vor den Angriffen der türkischen Armee und der mit ihr verbündeten Milizen, unter denen auch viele Islamisten sein sollen.

Türken planen "Sicherheitszone"

Ein Konvoi türkischer Truppenfahrzeuge fährt nahe der syrischen Grenze.
Türkischer Militärkonvoi nahe der syrischen Grenze. Bildrechte: dpa

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, Ziel der "Operation Friedensquelle" sei es, einen "Terror-Korridor" an der südlichen Grenze der Türkei auszulöschen und in dem Gebiet Frieden zu schaffen. In einer "Sicherheitszone" will Ankara syrische Flüchtlinge aus der Türkei ansiedeln. Der Einsatz richtet sich den Angaben zufolge gegen die kurdische YPG sowie die Dschihadistenmiliz IS.

Tote und Verletzte

Laut der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bis zum Abend bei den türkischen Luftangriffen mindestens 15 Menschen getötet, darunter acht Zivilisten. Tausende Zivilisten seien aus Ras al-Ain geflohen.

Die von der YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte SDF forderten die USA auf, eine Flugverbotszone einzurichten, um die türkischen Angriffe zu stoppen. YPG und SDF waren lange Zeit die wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den IS in Syrien.

Sicherheitsrat kommt zusammen

Mevlut Cavusoglu und Sabri Boukadoum
Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu bestätigt den Beginn der Militäroffensive seines Landes in Syrien. Bildrechte: dpa

Wegen der Offensive soll der UN-Sicherheitsrat am Donnerstag zu einer von Frankreich beantragten Sondersitzung zusammenkommen. Die EU und die Bundesregierung forderten umgehend einen Stopp der Offensive. Bundesaußenminister Heiko Maas twitterte, Deutschland verurteile die Offensive. Die Türkei nehme eine weitere Destabilisierung der Region in Kauf. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte Ankara zur Zurückhaltung auf.

Trump sieht keine Gefahr für die USA, aber für Europa

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die türkische Militäroffensive in Nordsyrien als "schlechte Idee". Gleichzeitig verteidigte er den Abzug von US-Soldaten aus der Region. Die Gefahr, dass in kurdischen Gefängnissen sitzende IS-Kämpfer freikommen und Anschläge planen könnten, spielte er herunter. "Nun, sie werden nach Europa fliehen. Dort wollen sie hin", sagte Trump am Mittwochabend.

Zugleich teilte Trump mit, die Türkei habe sich dazu verpflichtet, durch die Offensive keine neue "humanitäre Krise" auszulösen. Die Türkei habe zugesagt, Zivilisten und religiöse Minderheiten zu schützen, einschließlich Christen. Seine Regierung werde gegenüber Ankara darauf pochen, dass diese Verpflichtungen eingehalten werden.

Republikaner kritisieren Trump und wollen Erdogan sanktionieren

Abgeordnete des US-Kongresses kritisierten Trumps Truppenabzug dagegen scharf. Seine Entscheidung werde "schlimme und vorhersehbare Folgen" haben, sagte Liz Cheney, die im Repräsentantenhaus die republikanische Fraktion führt. Senator Lindsey Graham, einer der engsten Vertrauten von Trump im Kongress und ebenfalls Republikaner, sagte, Trump habe mit dem Truppenabzug den "größten Fehler seiner Präsidentschaft" gemacht. "Die USA lassen unsere verbündeten Kurden im Stich, die vor Ort gegen den islamischen Staat (IS) gekämpft und zum Schutz des US-Heimatlandes beigetragen haben", sagte Cheney.

Der Senat hat der Türkei scharfe Sanktionen angedroht, sollte sie die Offensive nicht stoppen. Ein gemeinsam von Republikaner und Demokraten angefertigter Entwurf, sieht vor, Vermögen der türkischen Führung in den USA einfrieren zu lassen. Auch soll es Sanktionen gegen Unternehmen geben, die die türkische Armee beliefern, unter anderem Öl- und Gasfirmen. Außerdem würden Visabestimmungen für die politische Führung des Landes verschärft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 22:32 Uhr

56 Kommentare

kennemich vor 4 Wochen

Wer von denen die auch in Syrien Krieg führen ist wohl besser?

Wie nennen sie sich, Schiiten, Suniten oder Allawiten, gibt es noch andere Glaubsrichtungen im Islam und warum bekämpfen sie sich nur, wenn alle angeblich so eine friedliche Religion vertreten?

kennemich vor 4 Wochen

In der Gegend war er nicht, vielleicht nur um die IS mit zu bekämpfen.

Dort war eigendlich nur die USA mit den Kurden.

Ach ja, die Kurden haben Gestern auch in Deutschland gegen den Einmarsch oder wie es Erdokan sagt demonstriert.

kennemich vor 4 Wochen

Zitat von einer anderen Seite hier: Erdogan droht EU-Staaten mit Grenzöffnung

Und was mach nun die EU und deren Politiker?

Wo ist das was man eigendlich von ihnen erwartet?