Syrien Türkei fordert Nato-Beistand

Bei Luftangriffen auf die von der Türkei unterstützten Rebellen in der syrischen Provinz Idlib sind viele türkische Soldaten getötet worden. Die Lage verschärft sich: Ankara kündigte Vergeltung an und verlangte Hilfe von den Nato-Verbündeten.

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan
Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Veranstaltung seiner Partei AKP. Bildrechte: dpa

Nach dem Tod von mindestens 33 türkischen Soldaten im Norden von Syrien fordert die Türkei jetzt Beistand von der Nato. Ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte in der Nacht zum Freitag: "Wir rufen die gesamte internationale Gesellschaft dazu auf, ihre Pflichten zu erfüllen."

Drohung mit Flüchtlingen

Der Sprecher von Erdogans Regierungspartei AKP, Ömer Celik, sagte im türkischen Fernsehen, die Nato müsse an der Seite der Türkei stehen. Gleichzeitig drohte er der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge damit, den Flüchtlingen im Land die Grenzen zu öffnen. Zitiert wird Celik so: "Unsere Flüchtlingspolitik ist dieselbe. Aber hier haben wir eine Situation, wir können die Flüchtlinge nicht mehr halten."

Sondertreffen der Nato einberufen

Die Europäische Union rief alle Beteiligten zur Deeskalation auf. EU-Außenbeauftragter Josep Borrell erklärte auf Twitter, andernfalls drohe eine offene internationale militärische Konfrontation. In Brüssel berief die Nato eine Sondersitzung des Nordatlantikpaktes ein.

Das Bündnis erklärte, um das Treffen habe die Türkei nach Artikel 4 der Nato-Verträge gebeten. Dieser besagt, dass ein Bündnismitglied jederzeit um Beratungen bitten kann, wenn die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit bedroht sind.

Ankara schlägt sofort zurück

Die Türkei macht für den Tod ihrer Soldaten das syrische Militär verantwortlich und kündigte Vergeltung an. Erdogan-Sprecher Fahrettin Altun zufolge wurden bereits Ziele der syrischen Regierungstruppen in der Region von der türkischen Armee aus der Luft sowie vom Boden aus attackiert. Die Angriffe würden fortgesetzt.

Bei syrischen Luftangriffen auf Rebellen in der Provinz Idlib am 27. Februar 2020 wurden neben türkischen Soldaten auch Zivilisten getötet und verletzt.
Bei Luftangriffen auf Rebellen in der Provinz Idlib am 27. Februar 2020 wurden neben türkischen Soldaten auch Zivilisten getötet und verletzt. Bildrechte: dpa

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, die Konfliktparteien müssten die Situation entschärfen und eine weitere Verschlimmerung der "schrecklichen humanitären Lage" in der Region vermeiden. Zuvor hatte Stoltenberg mit dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu telefoniert.

Neben den 33 getöteten Soldaten wurden nach türkischen Angaben weitere 36 Soldaten verletzt. Damit wurden im Februar bereits insgesamt mindestens 49 Angehörige der türkischen Armee in Syrien getötet. Bei dem syrischen Luftangriff am Donnerstag sollen auch elf Zivilisten getötet worden sein.

Ultimatum bis Samstag

Die Türkei hat im Rahmen eines 2018 geschlossenen Abkommens mit Russland zwölf militärische Beobachtungsposten in der Provinz Idlib. Der türkische Staatschef Erdogan hatte die Regierung in Damaskus wiederholt aufgefordert, ihre Truppen aus dem Umfeld der türkischen Posten abzuziehen, er setzte dafür eine Frist bis diesen Samstag.

In Idlib und benachbarten Provinzen im Nordwesten Syriens geht die syrische Armee seit Dezember mit militärischer Unterstützung Russlands verstärkt gegen islamistische Milizen vor. Assad will die letzte Milizen-Hochburg im Land wieder unter seine Kontrolle bringen. Die Türkei wiederum unterstützt einen Teil der Rebellengruppen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Februar 2020 | 01:00 Uhr

29 Kommentare

Norbert 56 NRW vor 29 Wochen

Ist aber noch keine Legitimation für die Türkei dort ein zu fallen. Ob Assad oder Erdogan, beide tragen das auf den Rücken der Zivilbevölkerung aus und das mit perverser Berechnung. Nur bringt das was jetzt dort passiert die Region an eine Eskalation die völlig unberechenbar ist. Und das letzte Quentchen hat Erdogan mit seinem Irrsinn oben drauf gepackt.

pkeszler vor 29 Wochen

@Freiheit: "Daß Assad die sogenannten Rebellen in seinem Land (als Präsident) bekämpft ist nur logisch und vor Allem legitim! Die Russen sind auf Bitten des syrischen Staates auch vollkommen legal im Lande, ganz im Gegenteil zu den Türken!"
Und die vielen Millionen Flüchtlinge, auch Frauen und Kinder, die in die Türkei fliehen und schon in die Nachbarländer Syriens geflohen sind, interessieren Sie wahrscheinlich gar nicht. Wichtig für Sie scheint nur zu sein, dass die Russen auf Bitten des syrischen Staates auch vollkommen legal im Lande sind. Jeder hat eben seine eigene Meinung.

Freiheit vor 29 Wochen

"Hauptschuldiger ist offensichtlich Assad, der mit russischer Unterstützung das letzte Gebiet der Rebellen erobern will."

Schuldig am Krieg in Syrien sind die, die die sogenannten Rebellen unterstützt habe und noch immer unterstützen!

Daß Assad die sogenannten Rebellen in seinem Land (als Präsident) bekämpft ist nur logisch und vor Allem legitim! Die Russen sind auf Bitten des syrischen Staates auch vollkommen legal im Lande, ganz im Gegenteil zu den Türken!