Die schwedische Schülerin Greta Thunberg spricht bei der Klimademonstration 'Fridays for Future' während der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor.
Seit Monaten demonstrieren Jugendliche europaweit unter dem Motto "Fridays for Future" für den Klimaschutz. Bildrechte: dpa

TUI-Jugendstudie 2019 Junge Europäer: Verbundenheit und Skepsis vor der Europawahl

Die Fridays-for-Future-Proteste legten es bereits nahe: Die Umweltpolitik gehört für junge Menschen in Europa derzeit zu den wichtigsten politischen Themen. Das bestätigt auch die TUI-Jugendstudie vor der Europawahl. Darüber hinaus bescheinigen die Studienmacher den jungen Menschen eine hohe Verbundenheit zur EU, zugleich aber auch eine Skepsis gegenüber der anstehenden Wahl.

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg spricht bei der Klimademonstration 'Fridays for Future' während der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor.
Seit Monaten demonstrieren Jugendliche europaweit unter dem Motto "Fridays for Future" für den Klimaschutz. Bildrechte: dpa

Junge Europäer fühlen sich mit Europa verbunden und sehen sich im Europäischen Parlament dennoch nicht ausreichend repräsentiert. Das geht aus der aktuellen Jugendstudie hervor, welche die TUI-Stiftung am Freitag vorgestellt hat - nur wenige Wochen vor der Europawahl am 26. Mai.

Die Generation im Alter zwischen 16 und 26 Jahren fordere mehr Gehör und mehr Mitsprache, sagte Elke Hlawatschek, Geschäftsführerin der TUI-Stiftung. Europa und seine Bedeutung müssten deshalb kontinuierlich erklärt werden: "Es muss gelingen, die Bedürfnisse junger Menschen besser in die politische Agenda zu integrieren."

Asyl und Umwelt gehören zu den wichtigsten Themen

Mit Blick auf die nächste Legislaturperiode des Europaparlaments sehen die befragten Jugendlichen aus elf europäischen Ländern das Thema Migration als die wichtigste zu lösende Herausforderung. In der Bewertung jedoch sind die jungen Europäer gespalten: Rund ein Drittel der Befragten nimmt Einwanderung und Migration als Chance für das eigene Leben wahr, ein weiteres Drittel dagegen als Bedrohung. Der Rest weiß es nicht. Die Freizügigkeit in Europa wird dabei aber überwiegend positiv bewertet.

Als zweitwichtigstes Thema der aktuellen europäischen Politik nennen die Jugendlichen Klimaschutz und Umweltpolitik. Insgesamt 55 Prozent sehen diese dabei eher als Chance denn als Bedrohung für ihr persönliches Leben. Hlawatschek schlussfolgert auch mit Blick auf die gegenwärtigen Proteste, die Generation sehe den Klimaschutz nicht mehr nur als notwendiges Übel, sondern als selbstverständlichen Teil der politischen Agenda.

Politisches Engagement findet offline und online statt

Schüler und Jugendliche ziehen am 15.03.2019 anlässlich einer Fridays-for-Future-Demonstrationen durch Halle (Saale) – hier am Leipziger Turm
Schüler und Jugendliche bei einer Fridays-for-Future-Demonstration. Bildrechte: MDR/Martin Paul

Dabei seien die Jugendlichen durchaus politisch engagiert. Etwa jeder Fünfte (22 Prozent) habe in den vergangenen zwölf Monaten demonstriert – in Deutschland betrifft das 18 Prozent. Auch im Internet finde laut Studie ein Großteil der politischen Partizipation statt. So haben sich 42 Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten an Online-Petitionen beteiligt und 31 Prozent politische Beiträge in sozialen Medien geteilt.

Zustimmung zur EU und "Wahl zweiter Klasse"

Seit Beginn der Jugendstudien im Jahr 2017 ist die Zustimmung zur Europäischen Union gewachsen. In Deutschland etwa sind derzeit 74 Prozent der Befragten für einen Verbleib des Landes in der EU. In Schweden sind es mit 79 Prozent die meisten.

Ein Mann sitzt am 25.05.2014 in einem leeren Wahllokal
Nur die Hälfte der Befragten hält die Europawahl für wichtig. Bildrechte: IMAGO

Jedoch zeigen sich auch rückläufige Tendenzen: In Frankreich, Spanien und Italien ist die Zustimmungsquote nach hohen Werten im Vorjahr wieder zurückgegangen.

Eine gewisse Skepsis scheint sich dabei auch in der Einordung der anstehenden Europawahl widerzuspiegeln.  Nur 50 Prozent finden die Wahl des Europaparlaments wichtig – in Deutschland sind es 56 Prozent. Zum Vergleich: Die Wahl der nationalen Parlamente werden in der Befragung von 73 Prozent der Befragten als wichtig bewertet. Die Europawahl sei damit für viele eine "Wahl zweiter Klasse", folgern die Studienmacher.

Jugendliche bemängeln fehlenden Kontakt zu Politikern

Hinzu kommt, dass sich die jungen Menschen von den nationalen Parlamenten besser repräsentiert fühlen als vom Europaparlament. Während sich 20 Prozent im Europaparlament "sehr stark" oder "stark" vertreten fühlen, sind es bei den nationalen Parlamenten 30 Prozent. Nur 18 Prozent stimmen der Aussage zu, dass sich Politikerinnen und Politiker um einen engen Kontakt zur Bevölkerung bemühen.

Für diejenigen, die sich zur anstehenden Europawahl einen Überblick über die Positionen der Parteien verschaffen wollen, bietet die Bundeszentrale für politische Bildung den Wahl-O-Maten an.

TUI-Jugendstudie Die TUI Stiftung führt die Jugendstudie seit dem Jahr 2017 durch, um Lebenswelt, Identität und die politischen Einstellungen junger Menschen in Europa verstehen zu können. In diesem Jahr wurden insgesamt 8.220 Menschen zwischen 16 und 26 Jahren in zehn EU-Ländern und Norwegen online befragt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 03. Mai 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2019, 20:03 Uhr

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22 Kommentare

04.05.2019 20:44 Bergbaurentner 22

@ 20 Fragender Rentner: Du bist ja so was von online unterwegs und hast noch nichts von den Forderungen und Vorschlägen der Jugend gelesen? Na deine Zukunft ist es ja nicht. In 30, 40 oder 50 Jahren lebst du ja nicht mehr und mußt den Mist, den du mit vollbracht hast ausbaden. Aber deine Enkelkinder. Leider können diese dich nicht mehr belangen!

04.05.2019 20:39 Rhönsegler 21

Hallo MDR: Warum tut ihr euch diesen "Scheiß" von der rechten Seite unserer Gesellshaft an und veröffentlicht denselbigen auch noch. 5 Zeilen weiter werdet ihr als Lügenpresse beschimpft. Ist euer Schmerzempfinden wirklich schon so hoch. Das hat mit Meinungsfreiheit nichts mehr zutun.

04.05.2019 16:30 Fragender Rentner 20

Wäre mal eine gute Geste von ihnen, wenn nach der Schulzeit diese Kundgebungen machen.

Was wollen sie eigendlich?

Mehr Strom und wollen bestimmt auch keinen Atomstrom wie in Frankreich?

Kohle soll es auch nicht sein?

Eine Stromtrasse ein wenig neben der Haustür und Windräder in der Nähe auch nicht?

Insekten und Vögel sterben auch bei und durch die Windräder.

Wo soll der Strom da wohl herkommen?

04.05.2019 11:48 007 19

Junge Europäer: Verbundenheit u Skepsis vor der Europawahl!!!

Hmmm ich überlege, was will uns diese Schlagzeile sagen? Die Aussage könnte von der AfD sein.

Weiter im Text steht, Umwelt u Asyl seien die wichtigsten Themen. Wenn das so ist, dann sicher nicht weil die jungen Menschen noch mehr Asylanten hier wollen, sondern weniger, sonst wäre es für die Menschen kaum ein Thema. Und ja, was die Gutmenschen wohl einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass unser Umwelt durch mehr Zuwanderung noch mehr belastet wird. In unserem, eh schon am dichtesten besiedelten Land in EU, müssen für Wohnraum- Straßen- weiter Grünflächen u Wälder weichen. Diese 2-3 Mio Migranten produzieren Müll, verbrauchen Strom. Logisch belasten sie zusätzlich unsere Umwelt. Für eine gesunde Natur zu sein u gleichzeitig auf Mio Zuwanderung zu setzen passen nicht zusammen. Entweder eine gesunde Fauna u Flora oder Massenzuwanderung. Beides zusammen geht nicht ...

04.05.2019 09:54 jochen 18

Bitte ein Europa der Vaterländer aber kein europäisches Reich mit seinen Verboten und Vorschriften..

03.05.2019 21:50 Auf zum letzten Gefecht! 17

@Peter 14

"Im alternativen Alles-ist-schlecht-Kosmos zu verharren, ist einfach, aber auch weltfremd."

sie sollten wirklich mal aufhören sich irgendetwas auszudenken was in ihr Weltbild passt.

Das habe ich nie und nirgends geschrieben.

Übrigens mein lieber, gehe ich mit Ausländischen Studierenden zu Sport,

jetzt biste geflasht was?

03.05.2019 21:45 Auf zum letzten Gefecht! 16

@Peter 14

"Ich empfehle Ihnen, mal mit den jungen Leuten in Ihrem Umfeld zu reden. Vielleicht kommen Sie dann auf die gleichen Ergebnisse wie in der Studie."

ich rede viel mit jungen Leuten, ob sie das glauben oder nicht.

Aber ich habe da ein unschlagbares Argument,
nämlich die mehreren Mio Russlanddeutschen,

und jetzt vergleichen sie mal die Schlagzeilen über Gewalt, Vergewaltigung und Mord.

mein lieber, kommen sie mir bloß nicht auf diese Art und Weise!

03.05.2019 21:41 Auf zum letzten Gefecht! 15

@Peter 14

"@12: Ihr ewiges Lügenpresse-Gelaber nervt langsam."

das tut mir leid, das habe ich aber nicht geschrieben.
Das ist allein ihre Interpretation!

03.05.2019 21:00 Peter 14

@12: Ihr ewiges Lügenpresse-Gelaber nervt langsam.
Ich empfehle Ihnen, mal mit den jungen Leuten in Ihrem Umfeld zu reden. Vielleicht kommen Sie dann auf die gleichen Ergebnisse wie in der Studie.
Allerdings erwarte ich nicht, dass Sie das wirklich tun. Im alternativen Alles-ist-schlecht-Kosmos zu verharren, ist einfach, aber auch weltfremd.

03.05.2019 16:30 Maria A. 13

Lyriklümmel - "Jugend forscht" war im DDR-Alltag ein sehr häufig kursierender Begriff in Gesprächen skeptischer Menschen in den "besten Jahren", zumeist jedoch ironisch gemeint, den Sie "sezieren". Dabei geht es hier nur darum, seine ureigene Meinung zum momentan wichtigsten Thema, den Erwartungen junger Menschen hinsichtlich der Europawahl, darzulegen. Sie können dazu selbstverständlich ihre eigene Ansicht haben und äußern. Wie alle anderen User, die in diesem Blog tätig werden. Schönen Abend allerseits.