Anhängerinnen des inhaftierten tunesischen Präsidentschaftskandidaten Karoui halten Plakate mit dessen Bild hoch.
Anhängerinnen des inhaftierten Präsidentschaftskandidaten Karoui Bildrechte: dpa

Tunesien Erste Runde der Präsidentschaftswahl in Tunesien gelaufen

In Tunesien ist die erste Runde der vorgezogenen Präsidentschaftswahl gelaufen. Keine zwei Monate nach dem Tod des bisherigen Staatschefs Essebsi haben sich mehr als zwei Dutzend Kandidaten beworben. Der Ausgang der zweiten freien Präsidentschaftswahl seit der friedlichen Revolution in Tunesien im Frühjahr 2011 gilt als völlig offen.

Anhängerinnen des inhaftierten tunesischen Präsidentschaftskandidaten Karoui halten Plakate mit dessen Bild hoch.
Anhängerinnen des inhaftierten Präsidentschaftskandidaten Karoui Bildrechte: dpa

Die Tunesier haben am Sonntag die erste Runde der Präsidentschaftswahl begonnen. Rund zwei Dutzend Kandidaten haben sich für die Nachfolge des am 25. Juli 2019 im Alter von 92 Jahren gestorbenen Staatschefs Béji Caïd Essebsi beworben. Vor den Wahllokalen bildeten sich zum Teil lange Warteschlangen. Es wurde vor der ersten Runde nicht erwartet, dass einer der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht. Sollte das der Fall sein, würde es zu einer Stichwahl kommen.

Der Ausgang der Wahl gilt als offen. Sie war eigentlich für November angesetzt, nach dem Tod von Essebsi aber vorgezogen worden. Die erste Runde hat damit nun vor der Parlamentswahl am 6. Oktober stattgefunden. Für eine möglicherweise nötige Stichwahl gibt es noch keinen Termin. Ergebnisse der ersten Runde sind für Dienstag angekündigt.

Hohe Wahlbeteiligung erwartet - viele Kandidaten

Insgesamt treten 26 Kandidaten an, eine Rekordzahl von sieben Millionen der 8,9 Millionen wahlberechtigten Tunesier hat sich registrieren lassen. Neben Islamisten und Laizisten, Anhängern einer Trennung von Religion und Staat, könnten auch Populisten und Anhänger von Ex-Diktator Zine El Abidine Ben Ali eine Chance haben.

Unterstützer des tunesischen Präsidentschaftskandidats Hamma Hammami halten während einer Wahlveranstaltung Wahlkampfposter.
Unterstützer des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Hamma Hammami Bildrechte: dpa

Die derzeit stärkste Partei im tunesischen Parlament, die moderat islamistische Ennahda, stellt mit dem kommissarischen Parlamentspräsidenten Abdelfattah Mourou erstmals einen eigenen Kandidaten. Mourou gilt neben dem Regierungschef Youssef Chahed, neben dem Verteidigungsminister Abdelkarim Zbidi und dem umstrittenen Medienmogul Nabil Karoui als einer der Top-Favoriten.

Der 56 Jahre alte Karoui darf antreten, obwohl er wenige Wochen vor der Wahl verhaftet worden war - wegen des Verdachts der Geldwäsche. Er hatte sich einen Ruf als Wohltäter aufgebaut, unter anderem weil er im Programm seines Fernsehsenders regelmäßig Elektrogeräte und andere Güter an Arme verteilen lässt.

Wahlen im Ausnahmezustand - 100.000 Sicherheitskräfte

Tunesien gilt als einziges Land, das nach dem sogenannten Arabischen Frühling eine funktionierende Demokratie hat. Sie leidet jedoch unter wirtschaftlichen und sozialen Problemen und der verbreiteten Vetternwirtschaft. Die Arbeitslosenrate lag zuletzt bei 15 Prozent, die Lebenshaltungskosten stiegen seit 2016 um mehr als 30 Prozent.

Im Land gilt auch noch immer der Ausnahmezustand. Nach der Häufung islamistischer Anschläge 2015 und 2016 ist die Lage jetzt zwar besser. Trotzdem sind auch Anti-Terror-Einheiten an der Absicherung der Wahl beteiligt. Laut Innenministerium sind 100.000 Sicherheitskräfte, Polizei und Militär mobilisiert und rund 50.000 zu den mehr als 4.500 Wahllokalen in dem nordafrikanischen Land entsandt, um Kandidaten, die Wähler, internationale Beobachter und Journalisten schützen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. September 2019 | 09:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2019, 19:44 Uhr

1 Kommentar

kennemich vor 4 Wochen

Wir wollen über den Teich.