Letztes TV-Duell vor US-Wahl Biden macht Trump für Corona-Tote verantwortlich

Das zweite TV-Duell zwischen US-Präsident Trump und Herausforderer Biden verlief hart in der Sache, aber wesentlich ruhiger als das erste. Unterschiede wurden vor allem beim Umgang mit der Corona-Krise deutlich.

Trump und Biden auf einer Videoleinwand in San Francisco, davor stehen mehrere Autos, die Insassen schauen sich das letzte TV-Duell an
Das TV-Duell wurde in San Francisco auf einer riesigen Videoleinwand übertragen. Bildrechte: dpa

Beim letzten TV-Duell vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat Herausforderer Joe Biden US-Präsident Donald Trump seinen planlosen Umgang in der Coronavirus-Krise vorgeworfen. "Wer für so viele Tote verantwortlich ist, sollte nicht Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bleiben", sagte Biden. Er werde als US-Präsident vor allem Wert auf präventive Maßnahmen wie das Abstandhalten und das Tragen von Masken legen.

Trump entgegnete: "Es ist nicht meine Schuld, dass es herkam, es ist Chinas Schuld." Der US-Präsident verteidigte seine Politik und sagte, das Schlimmste sei überstanden.

Trump kündigt Impfstoff an und rudert zurück

Innerhalb von Wochen werde zudem ein Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stehen, kündigte Trump an. Auf Nachfrage der NBC-Journalistin Kristen Welker schränkte der Präsident allerdings ein, dass das nicht sicher sei. In den USA sind nach den Echtzeitdaten der Johns Hopkins Universität bisher mehr als 223.000 Menschen gestorben, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert hatten.

Biden will Wahleinmischung vergelten

Auch die jüngsten Presseberichte, wonach der Iran und Russland versuchen sollen, die US-Wahl zu beeinflussen, waren Thema der Debatte. Biden kündigte an, dass Länder, die solche Ambitionen hegten, einen Preis bezahlen würden, "weil es unsere Souveränität verletzt".

Trump sagte dazu nichts Konkretes, warf Biden aber vor, von Russland mehrere Millionen Dollar erhalten zu haben. Biden bestritt das und äußerte wiederum den Verdacht, dass Trump diesbezüglich etwas zu verheimlichen habe. Schließlich habe Trump seine Steuererklärung noch immer nicht veröffentlicht, obwohl er das bereits seit vier Jahren ankündige.

Trump: "Bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum"

Biden behauptete, dass es in den USA "strukturellen Rassismus" gebe und warf Trump vor, diesem Vorschub zu leisten: "Er gießt in jedes einzelne rassistische Feuer Öl." Biden versprach, er wolle die Gesellschaft wieder einen. Trump entgegnete: "Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum." Er wiederholte seine bereits mehrfach getroffene Aussage, er habe so viel für Afroamerikaner und Schwarze getan wie kein anderer Präsident seit Abraham Lincoln. US-Präsident Lincoln hatte im 19. Jahrhundert die Sklaverei in den USA abgeschafft.

Zweite Debatte wesentlich geordneter

Nach der chaotischen und von Unterbrechungen geprägten ersten TV-Debatte Ende September lief die Diskussion diesmal ruhiger ab. Meist ließen die beiden Kontrahenten den jeweils anderen ausreden. Zudem galten für das zweite Aufeinandertreffen strikte Regeln. Während der zweiminütigen, einleitenden Bemerkungen zum jeweiligen Politikfeld wurde das Mikrofon des Rivalen stumm geschaltet. Beim ersten TV-Duell Ende September war vor allem Trump seinem Gegner Biden immer wieder ins Wort gefallen.

Ursprünglich waren drei TV-Duelle zwischen Trump und Biden geplant. Die Debatte am 15. Oktober wurde jedoch abgesagt, da Trump an Covid-19 erkrankt war und ein alternatives Fernduell im Internet abgelehnt hatte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2020 | 06:00 Uhr

22 Kommentare

wo geht es hin vor 5 Wochen

Es ist immer wieder köstlich beobachten zu können, wie gezielte Kampagnen Eingang in die Köpfe der Menschen finden. Die nehmen alles für bare Münze - weil: es kam ja im Fernsehen oder es stand in der Zeitung. Ich freue mich schon auf den Wahlausgang und die ganzen, bedröppelten Gesichter.

Volker von Alzey vor 5 Wochen

In dem Artikel steht leider nichts darüber, das Biden im Duell angekündigt hat , die Ölindustrie runter zu fahren. An denen hängen Hunderttausende von Arbeitsplätzen in den USA. Wird interessant wie die Wähler reagieren. Das er in der Debatte ebenfalls ein gutes Verhältnis der USA zu Adolf Hitler vor dem Krieg attestierte, wird ebenfalls viele Menschen irritieren, jedenfalls in den Staaten.

ralf meier vor 5 Wochen

Dank der Nahostpolitik des Herrn Trump schließt gerade der dritte arabische Staat mit Israel Frieden . Die Berichterstattung der meisten Qualitätsmedien und ganz besonders der Zwangsgebührenmedien gibt jedem die Möglichkeit, sich einen guten Eindruck vom Zustand dieser Medien zu machen.

Selbstverständlich hätte Herr Trump den Friedensnobelpreis verdient. Ist natürlich nur meine Meinung liebe Moderation , keine Tatsachenbehauptung.