Saudi-Arabien unter Verdacht UN-Expertin fordert neue Untersuchung zum Khashoggi-Mord

Im Fall des ermordeten saudiarabischen Journalisten Khashoggi fordert UN-Sonderberichterstatterin Callamard eine internationale Untersuchung. Sie spricht von "glaubwürdigen Hinweisen" für eine Verstrickung des saudischen Köngishauses.

Agnès Callamard
Die französische Juristin und Menschenrechtlerin Agnès Callamard arbeitet für die UNO als Expertin für außergerichtliche Exekutionen. Bildrechte: dpa

Die UN-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard fordert eine internationale Untersuchung zum Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi. Die Expertin für außergerichtliche Exekutionen rief UN-Generalsekretär António Guterres auf, eine solche unabhängige Untersuchung einzuleiten.

Auch US-Behörden zu Ermittlungen aufgerufen

Auch die US-Bundespolizei FBI sollte aus Sicht von Callamard ermitteln. Khashoggi lebte in den USA im Exil. Der "Washington Post"-Kolumnist hatte zahlreiche kritische Artikel über das Königshaus in Riad veröffentlicht. Er war im Oktober bei einem Besuch im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens ermordet worden.

Viele Fragen in dem Fall sind weiter ungeklärt, etwa die Rolle von Kronprinz Mohammed bin Salman. Der US-Senat machte den Thronfolger auf Grundlage von Geheimdiensterkenntnissen für Khashoggis Tod verantwortlich.

Callamard sieht bei bisherigen Untersuchungen Defizite

In ihrem Bericht zu dem Mordfall spricht Callamard von Belegen dafür, dass "sich Khashoggi der Macht des Kronprinzen in vollem Umfang bewusst war und er sich vor ihm fürchtete".

Video-Bild aus Überwachungskamera zeigt Ankunft von Jamal Khashoggi im Konsulat von Saudi-Arabien
Der saudische Journalist Jamal Khashoggi war am 2. Oktober 2018 in das Istanbuler Konsulat seines Heimatlandes gegangen. Er wollte Papiere für seine geplante Hochzeit abholen und wurde im Konsulat ermordet. Bildrechte: imago/Depo Photos

Sie betonte, ihr Bericht kläre nicht die Schuldfrage. Er liefere lediglich Hinweise, die Anlass zu einer "weiteren Überprüfung durch eine angemessene Instanz" geben.

Die bislang von Saudi-Arabien und der Türkei geführten Ermittlungen entsprächen nicht den internationalen Standards, erklärte Callamard. UN-Sonderberichterstatter arbeiten unabhängig und sprechen nicht im Namen der UNO.

Vorwurf an saudisches Königshaus

In ihrem Bericht nennt Callamard die Namen von 15 saudi-arabischen Agenten, die Teil des Mordkommandos gewesen sein sollen. Mehrere dieser Agenten sollen nicht zu den elf Verdächtigen gehören, die in Saudi-Arabien wegen der Ermordung Khashoggis vor Gericht stehen.  

Riad hatte erst unter internationalem Druck zugegeben, dass der Regierungskritiker von saudiarabischen Agenten getötet worden war. Die Führung des Königreichs spricht aber von einem aus dem Ruder gelaufenen Einsatz zur Festnahme des Journalisten.

Die USA hatten wegen der Ermordung Khashoggis in den vergangenen Monaten Einreisesperren gegen Dutzende verdächtige saudi-arabische Bürger verhängt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juni 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 14:13 Uhr

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2 Kommentare

19.06.2019 16:04 Fragender Rentner 2

Wie wäre es wenn man es umsetzt und nicht nur Forderungen in den Raum stellt.

19.06.2019 15:26 Gandalf 1

Da bin ich mal auf die Reaktion unseres Außenministers gespannt. Bestimmt möchte er möglichst rasch Sanktionen erlassen und die deutschen Waffenexporte in dieses Land unterbinden. Ach, ich vergaß, saudischen Streitkräfte kämpfen ja für die Menschenrechte in Jemen und das Land ist unser Verbündeter beim Sturz des syrischen Machthabers, äh des vom dortigen Volke gewählten Präsidenten
Da wird die Reaktion unserer Regierung wohl anders ausfallen.