Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Der Weltklimagipfel hat ein Regelwerk zur Umsetzung der Pariser Klimaschutzziele vereinbart. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Kattowitz Weltklimagipfel beschließt Regelwerk zum Klimaschutz

Die UN-Klimakonferenz in Kattowitz hat ein Regelbuch zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beschlossen. Zudem wurden Transparenzregeln und Standards vereinbart. Das soll die Klima-Anstrengungen der Länder vergleichbar machen.

Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Der Weltklimagipfel hat ein Regelwerk zur Umsetzung der Pariser Klimaschutzziele vereinbart. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Die UN-Weltklimakonferenz in Kattowitz hat ein Regelwerk für die konkrete Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beschlossen. Das Plenum der fast 200 Staaten stimmte am Samstagabend einem Kompromissvorschlag zu. Der Konferenz-Präsident, der Pole Michal Kurtyka, besiegelte den Kompromiss mit einem Hammerschlag.

Gemeinsame Standards vereinbart

Kernstück der Vereinbarung sind Transparenzregeln und Standards zur Erfassung von CO2. Sie sollen ab 2024 gelten und dafür sorgen, dass die Klimaschutz-Anstrengungen der Staaten miteinander vergleichbar sind. Arme Länder erhalten allerdings Zeit, um die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Vorgesehen ist zudem, dass die Industriestaaten alle zwei Jahre einen Bericht über ihre künftigen Finanzhilfen für die armen Länder abgeben müssen. Das soll Entwicklungsländern Planungssicherheit geben. Allerdings können sich die reichen Staaten Kredite voll anrechnen lassen, was Hilfsorganisationen kritisieren.

Nach dem Pariser Abkommen müssen die Industrieländer ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung in armen Ländern zur Verfügung stellen. Ziel ist es, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Dafür muss der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl drastisch reduziert werden.

Politiker zufrieden - Verbände enttäuscht

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach von einem soliden Ergebnis. Nötig sei aber weiterhin mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Weltweit müsse der CO2-Ausstoß zügig und deutlich gesenkt werden - der Klimawandel sei "schneller als wir".

Bundesumweltministerin Svenja Schulze erklärte, das Regelwerk sei ein starkes Zeichen für weltweite politische Handlungsfähigkeit. Zum ersten Mal lasse sich nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt beim Klimaschutz in die Karten schauen. Das Pariser Abkommen beruhe auf dem gegenseitigen Vertrauen, dass alle Staaten ihren Beitrag zum Klimaschutz leisteten

Die Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan dagegen zeigte sich enttäuscht. Ein Jahr voller Klima-Katastrophen und eindringliche Warnungen der Forscher hätten zu viel mehr führen sollen. Der WWF erklärte, der Kompromiss greife zu kurz. Die Regierungen der Welt bräuchten viel mehr Druck, um mit dem Klimaschutz endlich Ernst zu machen.

Zwei Wochen um Regeln gestritten

Vertreter aus 196 Staaten und der EU hatten in Polen zwei Wochen lang darüber gestritten, wie die Länder über ihre Klima-Fortschritte berichten sollen. Ziel waren Vergleichbarkeit und Transparenz. Das Pariser Abkommen sieht keine Sanktionen vor, wenn einzelne Länder ihre Klimaziele verfehlen.

Die Verhandlungen sollten eigentlich bereits am Freitag enden, zogen sich aber hin bis durch die Nacht. Auch am Samstag wurde die Abschlusssitzung immer wieder verschoben, bevor das Plenum dann am späten Abend zusammentrat.

Streit um Finanzhilfen

Strittig waren unter anderem Fragen rund um Finanzhilfen der reicheren Länder für die ärmeren. Die vom Klimawandel besonders gefährdeten Staaten hatten zudem ein deutliches Signal eingefordert, dass es größere Anstrengungen im Klimaschutz braucht, um die Auswirkungen zu begrenzen. Bis zuletzt gab es auch Ärger um den internationalen Handel mit Verschmutzungsrechten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Dezember 2018 | 07:00 Uhr

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15 Kommentare

18.12.2018 09:42 Ralf112 15

@ 13 Dieter: Klimaschwankungen gab es schon immer und wird es auch immer geben. Das bestreitet ja niemand. Ihr Beispiel hat aber gar nichts mit Klima zu tun. Klima ist nicht mit einem Jahr zu beschreiben. Deshalb ist auch der letzte Sommer kein Beweis für einen Klimawandel. Denkschnecke hat das sehr schön in ihrem Kommentar hier geschrieben.

Hier geht es darum, dass praktisch die ganze Welt (!) überzeugt ist, dass der Mensch oder sollte ich besser sagen 7 Mrd. Menschen, mit der Zerstörung von großen Teilen der (Regen-)Wälder als "Lunge der Erde" bei gleichzeitiger Verbrennung von großen Teilen der weltweiten Gas-/Kohle-/Ölvorkommen das Klima wesentlich beeinflussen! Das ist die Meinung (fast) aller Regierungen der Welt! Und die basiert auf wissenschaftlichen Fakten und nicht auf "wissenschaftsfeindlichen Grünen". Das zu leugnen, halte ich für äußerst arrogant.

18.12.2018 08:31 Denkschnecke 14

Der hier schon öfter erwähnte saure Regen zeigt, wie ein umweltpolitischer Erfolg publicitymäßig voll nach hinten losgehen kann, bloß weil das Gedächtnis eines Teils der Bevölkerung eine so kurze Halbwertszeit hat. Der saure Regen ist nicht einfach so verschwunden, sondern es wurde damals - nicht zuletzt durch die politischen Aktivitäten der Grünen - geschafft, die SO2-Emissionen massiv zu verringern. Erstens durch Schwefelfilter für Kohlekraftwerke, zweitens durch die Einführung des geregelten Kat für Autos (den die deutsche Autoindustrie auch lange für technisch nicht realisierbar hielt...)
Im Übrigen halte ich als Naturwissenschaftler ganz andere Parteien für wissenschaftsfeindlich als die Grünen. Es gibt da eine, deren Mitglieder gerade die Mechanismen des Klimas besser zu verstehen glauben als eine ganze Welt von Physikern, Chemikern und Meteorologen.

17.12.2018 21:28 Dieter 13

Ralf 112:
Mein Beispiel sollte belegen, dass es auch ohne das ökonomische Wirken des Menschen gewaltige Klimasschwankungen gab und geben wird.
Es ist instruktiv, sich diese gewaltigen Schwankungen mal auf der Zeitskala anzusehen.
Es gab diese Horrorvisionen schonmal in den 80ern, als es um das Waldsterben ging. Da war die Prognose, dass es wegen des sauren Regens etwa im Jahre 2000 bei uns keine Wälder mehr geben wird. Viele Zeitungen titelten das und die Grünen gingen damit hausieren. Die Ursache war damals: Die meisten, die davon schrieben, hatten wenig Ahnung und plapperten nach, was die Medien sagen. Heute sind die wissenschaftsfeindlichen GrünInnen da besonders aktiv.
Das Forum ist für eine echte Diskussion nicht geeígnet. Kurz gesagt, ich denke, dass wir als Menschen wenig machen können und die Massnahmen weitgehend sinnlos sind (große Kosten, minimaler Erfolg).

17.12.2018 09:29 Denkschnecke 12

@6 Thore: Ich blicke aus meinem Wohnzimmerfenster und sehe niemanden, der wie ein Flüchtling aussieht. Alles völlig normal und entspannt. Warum also seit zwei Jahren so eine Panik? Also: Merken Sie, wo Ihr Argument klemmt? Und muss man Ihnen auch noch mal den Unterschied zwischen Klima und Wetter erklären?
@8 Die heißesten Jahre seit Beginn der Industrialisierung können Sie auch schön bei de.statista.org betrachten. Sieben der zehn wärmsten globalen Durchschnittstemperaturen betraf die letzten zehn Jahre. Sowas würde ich nicht als "Schwankung" bezeichnen.

17.12.2018 00:05 Ralf112 11

@Dieter: "Habe gerade im Spiegel gelesen, dass 1540 eines der heißesten Jahre war"

War es Absicht, dass Sie den folgenden Satz aus diesem Artikel nicht erwähnten oder haben Sie vielleicht nur die Überschrift gelesen?

""Ich hoffe, wir müssen so etwas nie erleben." Der menschengemachte Treibhauseffekt erhöhe allerdings die Wahrscheinlichkeit für schlimme Hitzewellen, gibt Glaser zu bedenken."

16.12.2018 23:51 Ralf112 10

@6 Thore: "Ich nenne es einfach nur "extremere Wetterschwankungen" !"

Die gesamte Welt macht sich, natürlich nur auf Basis wissenschaftlicher Daten und Fakten, Gedanken, wie die Menschheit ihren Einfluss auf das Klima reduzieren kann. Und dabei handelt es sich doch laut Thore nur um Wetterschwankungen. Und der ist ja immerhin.... der hat ja... oder der kann ja... oder der weiß ja....
Also bei so vielen Qualifikationen muss der es ja wissen.

"Aber ohne diese Paranoia wären die Grünen ja überflüssig !"

Und weil das so eine Paranoia ist, unterschreibt ja auch die gesamte Welt (ohne Trump) das Klima-Abkommen, weil ja bekanntermaßen die gesamte Welt möchte, dass die Grünen nicht überflüssig werden. Das ist ja bekanntlich deren Hauptziel!?!?

Der lieberThore, schlauer als der Rest der Welt! Sehr beeindruckend!!!!

16.12.2018 17:24 Uwe 9

@ linker Durchblicker
Wie an deinem "Kommentar" klar ersichtlich ist das schon passiert.

16.12.2018 15:28 Dieter 8

Habe gerade im Spiegel gelesen, dass 1540 eines der heißesten Jahre war, das bislang bekannt ist, noch heißer als das Jahr 2003, das wegen des Klimawandels als das heißeste galt. Damals hatte die Menschheit noch keine GrünInnen - da sollten wir jetzt alle dankbar sein, dass uns jetzt Klimaexperten wie Frau Baerbeck und Herr Habeck davor bewahren.

16.12.2018 14:22 REXt 7

Die Kommision der WEltenretter hat beschlossen, den Bügern ihr BESTES zu wollen, Ihr GELD!

16.12.2018 14:08 Thore 6

Ich sitze am 16.12.18 im Wintergarten, es schneit draußen bei -1Grad Celsius....alles völlig normal und entspannt !
Woher nehmen die grünen Klimakatastrophenhysteriker das Recht, Ängste zu verbreiten, die es in der Form nicht gibt !
Ich nenne es einfach nur "extremere Wetterschwankungen" !
Umweltkatastrophen, die es immer geben wird, können schon gar nicht von der Politik verhindert werden !
Aber ohne diese Paranoia wären die Grünen ja überflüssig !