Antonio Guterres und Michal Kurtyka
Diskussion zwischen UN-Generalsekretär Antonio Guterres (r) und Gipfel-Chef Michal Kurtyka in Kattowitz. Bildrechte: dpa

Klimakonferenz in Kattowitz Vertreter der Marshall-Inseln: "Wir haben keine Zeit mehr"

Der UN-Klimagipfel in Kattowitz will einen Fahrplan gegen die Erderwärmung beschließen. Am Freitag sollte der Beschluss gefasst werden. Doch es gibt noch keine Ergebnisse, die Konferenz geht wohl wieder in die Verlängerung.

Antonio Guterres und Michal Kurtyka
Diskussion zwischen UN-Generalsekretär Antonio Guterres (r) und Gipfel-Chef Michal Kurtyka in Kattowitz. Bildrechte: dpa

Bei der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz haben Politiker aus armen und vom Klimawandel bedrohten Staaten eine vernichtende Bilanz der seit einem Vierteljahrhundert laufenden Verhandlungen gezogen.

Der Ex-Präsident des vom Versinken bedrohten Inselstaats der Malediven, Mohamed Nasheed, sagte am Donnerstag: "Nichts haben wir erreicht."

Mohamed Nasheed und Greta Thunberg
Der Ex-Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, und die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg. Bildrechte: dpa

Der Kohlendioxidausstoß steige und steige – "und wir reden, reden und reden". Moralische Appelle an die reichen Industriestaaten zur Senkung  der Treibhausgase halte er inzwischen für nutzlos.

Nasheed kritisierte, die jährlichen Klimakonferenzen kosteten jeweils mehr als 75 Millionen Dollar, doch Fortschritte gebe es quasi keine. Einer auf dem Gipfel vorgestellten Prognose zufolge ist der Ausstoß von Kohlendioxid nach dreijähriger Stagnation in diesem Jahr wieder gestiegen.

Ärmste Staaten wieder Opfer

Der Umweltminister der Marshall-Inseln, David Paul, appellierte, die Menschheit sei eine Familie. Es habe schon zu viele fruchtlose Verhandlungen über den Kampf gegen die Erderhitzung gegeben: "Wir haben keine Zeit mehr." Seine Nation stehe vor der Auslöschung.

Der Sprecher der Gruppe der ärmsten Staaten, der Äthiopier Gebru Jember Endalew, verwies darauf, dass in seinem Land infolge der Erderwärmung oft monatelang kein Regen falle. Die Folgen des Stillstands beim Klimaschutz trügen die verletzlichsten Staaten, die  am wenigsten zur Erderhitzung beigetragen hätten.

Wir bezahlen das mit Menschenleben.

Gebru Jember Endalew aus Äthiopien

Zentrale Punkte ungelöst  

Der Gipfel von 196 Staaten und der EU soll an diesem Freitag enden. Auch nach elf Tagen sind zentrale Streitpunkte ungelöst. Unterhändler richten sich auf eine Nachtsitzung ein. In einer Mitteilung brachte die polnische Verhandlungsleitung eine Verlängerung um "einige Tage" ins Spiel. In der Vergangenheit war bei den Weltklimakonferenzen immer wieder überzogen worden.

Deutsche Vertreter bislang zufrieden

Die UN-Klimakonferenz in Kattowitz hatte am 2. Dezember begonnen. Am Donnerstag wollte Konferenz-Präsident Michal Kurtyka die Texte der unterschiedlichen Verhandlungsgruppen zu einem Gesamtentwurf zusammenfügen. Die deutsche Delegation hatte sich am Morgen zufrieden zum Stand der Verhandlungen gezeigt.

Rauch und Wasserdampf steigen aus den Schornsteinen und Kühltürmen im Kohlekraftwerk Laziska bei Kattowitz
Auch Polen setzt auf billige Kohle: Das Kohlekraftwerk Laziska bei Kattowitz. Bildrechte: dpa

Auch Deutschland ringt derzeit um eine Abschaltung von klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Sorgenkind ist auch der Verkehr: Die Emissionen sind im Vergleich zu 1990 nicht gesunken, sondern gestiegen.

Ziel in Kattowitz ist unter anderem ein Regelwerk für die praktische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015. Damals wurde vereinbart, dass die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad begrenzt werden soll, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Die zugesagten Maßnahmen der Staaten reichen dafür bei weitem nicht aus.

Das sagen die Klimaforscher Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren. Am Ende des Jahrhunderts sagen Prognosen eine Erderwärmung um drei bis vier Grad voraus. Die fatalen Folgen je nach Region: mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 13. Dezember 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018, 20:43 Uhr

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32 Kommentare

15.12.2018 16:57 H.E. 32

@ 26 Bernd L.
Mit Ihren Aussagen zum exponentiellen Bevölkerungswachstum besonders in den arabischen und den afrikanisch/muslimischen Ländern gebe ich Ihnen absolut recht. Seit 1960 hat sich in diesen Regionen die Bevölkerung verfünf- bis versiebenfacht, was überall nachzulesen ist.
Wenn dies bei uns in D so wäre, hätten wir heute bei Zugrundelegung von 80 Millionen Einwohnern im Jahre 1960 eine Bevölkerung von inzwischen 400 bis 560 Millionen Einwohnern.
Leider wird dieser Punkt bei der UNO, noch bei unseren Politikern nie erwähnt, wenn es um den Klimawandel geht.

15.12.2018 16:43 konstanze 31

@7: nicht nur in den UN-Organisationen.
Auch die Pappnasen von der Uni Würzburg wollten mit Keramiktassen und praktischen Mehrwegbechern den Einwegbecher ersetzen. Doch es wurde zum Fiasko, weil viele einfach zu faul waren, die Tassen zurück zu bringen. Man stellte die Tassen einfach in die Mülleimer.
So sieht's aus hinter den Kulissen. Kümmert Euch um die vermeintlich kleinen Dinge, um den sinnvollen Umweltschutz !

15.12.2018 16:06 H.E. 30

Dann sollen auch die Inselgruppen im Pazifik auch nicht mehr als URLAUBSTRAUMINSELN werben, wenn sie so große Befürchtungen haben.

15.12.2018 13:18 Dieter 29

konstanze:
Sehr gute und fundierte Beiträge, Kompliment!
Danke auch an den MDR, dass es diese Beiträge durchgelassen hat und nicht nur üblichen Beiträge der üblichen Foristen bringt.

14.12.2018 23:39 Ludwig 28

@21 Denkschnecke
Die Niederlande wurde mit den Jahren immer größer, obwohl der Mehresspiegel immer weiter anstieg. Die Niederländer leben einfach damit, dass immer größere Teile ihres Territoriums bis ca. 7 m unter dem Meeresspiegel liegen :)

14.12.2018 22:23 konstanze 27

@26: das einzige Wunderland ist Deutschland. Baerbock will "auf allen Feldern und in allen Winkeln der Erde CO2-frei" sein. Das ist deutscher Größenwahn, Klappe die Dritte. Die anderen Länder sehen das offensichtlich anders:
Kohlekraftwerke
Land/Bestand/im Bau:
Indien / 589 / 446
China / 2.363 / 1.171
EU / 468 / 27
Japan / 90 / 45
Südkorea / 59 / 26
u.a.m.

14.12.2018 20:56 Bernd L. 26

Wenn der MDR eine echte Diskussion will, dann sollte er die auch zulassen. Wähend einige Foristen Narrenfreiheit auch bei Falschaussagen haben, wird anderswo hart zensiert.
Nochmal Kurzversion meiner Antwort zum Beitrag Denkschnecke 20:
Der Bevölkerungsanstieg (allein Afrika fast 4-fach bis 2100) ist ein Hauptproblem für Klimawandel. Es wird riesige Aufwendungen erfordern, die über 3 Miliarden zusätzliche Bewohner zu versorgen und deren Bedarf an Produkten herzustellen. Dies kann nur von den Industrieländer kommen (woher sonst?), deren CO2-Bilanz dabei u.a. ansteigen muss (emmissionsfreie Wirtschaftsvorgänge gibt es nur im Wunderland) .

14.12.2018 19:32 konstanze 25

@14: Das Gegenteil ist der Fall.
Ich erwarte jedoch, dass man einsieht, dass die Erderwärmung in erster Linie naturgegeben ist, nicht aufhaltbar und erst recht nicht umkehrbar.
Das viele Geld sollte für Aufklärung, geeignete Maßnahmen zur Milderung, Prioritätenlisten ... eingesetzt werden, wobei es nicht danach gehen kann, wer am lautesten schreit.
Dies würde jedoch bedeuten, dass die Bürger von den Politkern Maßnahmen einfordern.
Es würde nicht bedeuten, dass Politiker Bürger bevormunden.

14.12.2018 17:28 Gerd Müller 24

Wer kann sich noch erinnern, 2001 nachdem die Zwillingstürme weg mussten, war für ein paar Tage kein Flugverkehr mehr über der USA.
Man darf gespannt sein, was dadurch passierte. Die Temperatur fiel um 2°C.
Jetzt kann sich jeder selbst denken, was weniger werden muss.
Eins muss man den kapitalistischen System lassen, sie lassen sich immer was einfallen, um die Menschen abzuzocken.
Ich muss jetzt mein Kohleofen auflegen, mich friert es.

14.12.2018 16:46 REXt 23

An@20 Denkschnecke, Denkfehler, man setzt nur so viele Kinder in die Welt, die auch ernähren kann! Da sieht man in Afrika , wo eine Hungersnot, die andere ablöst. Und Hungersnöte gab es dort schon immer, da war noch kein „Klimawandel „ in Sicht o. „Er“Funden.