Nach Ermordung von Sänger Mehr als 160 Tote bei Unruhen in Äthiopien

Seit der Ermordung eines beliebten politischen Sängers am vergangenen Montag gibt es in Äthiopien Unruhen. Mehr als 160 Menschen wurden bei den Protesten bereits getötet.

Demonstranten halten ein Bild des äthiopischen Sängers Hachalu Hundessa
Demonstranten der Volksgruppe Oromo. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

In Äthiopien sind bei landesweiten Protesten in den den vergangenen Tagen mehr als 160 Menschen ums Leben gekommen. Laut Polizei wurden mindestens 145 Zivilisten und elf Mitglieder der Sicherheitskräfte in der Region Oromia getötet. Zehn weitere Todesopfer wurden aus der Hauptstadt Addis Abeba gemeldet.

Oromo-Sänger Hachalu ermordet

Nach Angaben der Behörden sind die Todesfälle auf Einsätze der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten sowie Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Volksgruppen im Vielvölkerstaat zurückzuführen.

Die landesweiten Proteste waren durch die Ermordung des beliebten Sängers Hachalu Hundessa am vergangenen Montag ausgelöst worden. Hachalu gehörte den Oromo an, der größten Volksgruppe Äthiopiens. In seiner Musik hatte er oft das Gefühl der Oromo ausgedrückt, wirtschaftlich und politisch benachteiligt zu werden.

Tausende Verhaftungen

Laut Polizei wurden die Unruhen in Oromia inzwischen "vollständig gestoppt". Mehr als tausend Menschen seien verhaftet worden.

Ministerpräsident Abiy Ahmed sprach von "orchestrierten Versuchen" zur Destabilisierung seines Landes. Bei einem Treffen mit Regierungsvertretern kündigte er an, die an den Unruhen Beteiligten sowie deren "Hintermänner" zur Rechenschaft zu ziehen. Obwohl Abiy selbst Oromo ist, werfen ihm die Angehörigen seiner Ethnie seit Monaten Benachteiligung vor.

Militante Gruppen kämpfen für Unabhängigkeit der Region um Addis Abeba

Militante Oromo-Gruppen kämpfen für eine Unabhängigkeit der Region, die die Hauptstadt Addis Abeba umringt. Die Behörden machten wiederholt die Rebellengruppe Oromo Liberation Army und die oppositionelle Tigray-Volksbefreiungsfront für die Unruhen verantwortlich. Der Ministerpräsident prangerte aber auch "externe Kräfte" an und bezog sich dabei unter anderem auf die derzeitigen Spannungen mit dem Nachbarland Ägypten im Zusammenhang mit einem gigantischen Staudamm-Projekt am Nil.

Internet gekappt, Geschäfte geschlossen

Mehrere bekannte Oppositionsvertreter wurden in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen, darunter der frühere Medienmogul Jawar Mohammed. Die Festnahmen lösten weitere Demonstrationen aus. Als Reaktion auf die Unruhen kappte die Regierung in Addis Abeba landesweit die Internetverbindungen. Geschäfte und Behörden durften am Freitag erstmals seit Tagen wieder öffnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juli 2020 | 05:35 Uhr

0 Kommentare