Rauch bei türkischer Offensive in Syrien
Die türkische Offensive in Nordsyrien soll bereits in wenigen Tagen zahlreichen Menschen das Leben gekostet haben. Bildrechte: dpa

Krieg in Syrien Pentagon wirft Türkei Beschuss von US-Truppen vor

Die USA werfen der türkischen Armee den Beschuss der US-Truppen vor. Der Angriff habe nahe der syrischen Grenzstadt Kobane stattgefunden, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Die USA drohten der Türkei erneut mit Sanktionen. Die Türkei weist die Vorwürfe von sich. Das türkische Militär habe sich gegen Terroristen verteidigen müssen.

Rauch bei türkischer Offensive in Syrien
Die türkische Offensive in Nordsyrien soll bereits in wenigen Tagen zahlreichen Menschen das Leben gekostet haben. Bildrechte: dpa

In Syrien sind Soldaten der US-Truppen unter Beschuss geraten. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte, es habe keine Verletzten gegeben. Der Beschuss sei aber in einem Gebiet erfolgt, von dem die Türkei wisse, dass sich dort US-Soldaten aufhielten. Das türkische Verteidigungsministerium wies alle Vorwürfe zurück.

Zwei türkische Panzer in Nordsyrien. 3 min
Bildrechte: Turkish Defense Ministry/XinHua/dpa

Washington spricht von einem belasteten Verhältnis zu Ankara

MDR AKTUELL Sa 12.10.2019 07:05Uhr 03:00 min

https://www.mdr.de/nachrichten/audio/audio-1191062.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Das Recht auf Selbstverteidigung

Nach Angaben der USA gab es nach dem Artilleriebeschuss "wenige hundert Meter" entfernt eine Explosion. Der Vorfall spielte sich demnach in der Nähe der syrischen Grenzstadt Kobane ab. Die USA warnten die Türkei, jegliche Handlungen zu vermeiden, "die eine sofortige Verteidigungsreaktion nach sich ziehen könnten".

Bereits Stunden zuvor hatte US-Armeechef Mark Milley gesagt, der Türkei sei die Position der US-Truppen mitgeteilt worden. Jeder sei sich voll bewusst, dass sich das US-Militär das Recht auf Selbstverteidigung vorbehalte.

Das türkische Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe zurück, dass gegen Soldaten der US-Truppen oder des Militärbündnisses gegen die Terrormiliz Islamischer Staat geschossen worden sei. Stattdessen seien türkische Grenzposten unter Beschuss genommen worden. Als "Akt der Selbstverteidigung" sei das Feuer gegen "Terroristen" eröffnet worden.

"Wir können die türkische Wirtschaft stilllegen"

Die Türkei hatte am Mittwoch ihre Militäroffensive in Nordsyrien gestartet. Ziel ist es offiziell, eine Sicherheitszone in Nordsyrien einzurichten und syrische Flüchtlinge dort anzusiedeln. Gleichzeitigt richtet sich die Offensive gegen die kurdische YPG-Miliz, die die Türkei als Terrororganisation ansieht. Ursprünglich waren die Kurden Allierte der USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien gewesen. US-Präsident Donald Trump hatte aber vor Beginn der türkischen Offensive den Abzug der US-Truppen aus dem Gebiet angekündigt.

Mittlerweile drängen die USA aber auf einen Abbruch der türkischen Militäroffensive und drohen Strafmaßnahmen an. "Wenn wir müssen, können wir die türkische Wirtschaft stilllegen", warnte US-Finanzminister Steven Mnuchin. Auch international wurde die Türkei für die Offensive kritisiert.

Türkei fordert Solidarität von Nato-Partnern

Dagegen forderte die Türkei von der Nato ein "klares und deutliches" Bekenntnis der Solidarität. In einer Pressekonferenz mit dem Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu, dass es nicht reiche zu sagen, man verstehe die legitimen Sorgen der Türkei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Oktober 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2019, 21:00 Uhr