US-Wahl Biden gewinnt Geduldsspiel – Trump sucht alternative Fakten

Moderator Robert Burdy
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Der Demokrat Joe Biden hat die nötige Mehrheit von 270 Wahlleute-Stimmen erreicht. Donald Trump beendet seine Präsidentschaft so, wie er sie begonnen hat: mit "alternativen Fakten". Er will die Niederlage nicht eingestehen.

Joe Biden und Kamala Harris stehen während des Parteitages der US-Demokraten auf der Bühne.
Joe Biden und seine "Running-Mate" Kamala Harris haben die US-Präsidentschaftswahl gewonnen. Bildrechte: dpa

Pennsylvania ist entschieden. Die 20 Wahlmänner dieses Staates sind dem demokratischen Kandidaten Joe Biden zugefallen. Und das macht den Kandidaten zum "President-Elect", zum gewählten Präsidenten. Und während der Nachfolger, Joe Biden, schon beginnt, sich auf die Übergangsphase bis zur Amtseinführung im Januar vorzubereiten, sucht der noch amtierende Präsident in einer erstaunlichen Parallelwelt nach Rettung vor der Niederlage.

Trump will die Niederlage nicht einräumen

Donald Trump, Präsident der USA, spricht am frühen Mittwochmorgen im Ostsaal des Weißen Hauses.
Schon lange, bevor alle Stimmen ausgezählt waren, rief sich Trump selbst zum Wahlsieger aus und sprach, ohne Belege, von Wahlbetrug. Bildrechte: dpa

Der Präsident hat nicht die Absicht, eine Niederlage einzugestehen. So äußerte sich eine Sprecherin des Weißen Hauses. Und daran hat sich ganz offenbar nichts geändert. Wenn die magische Grenze von 270 Wahlmännern mit statistischer Sicherheit überschritten ist, ist es eigentlich höflicher und kultivierter Brauch, dass der Unterlegene seine Niederlage eingesteht. Einfach nur, damit die Wähler Gewissheit und Vertrauen haben können.

Mal ehrlich, hat irgendjemand erwartet, dass Trump sich wie ein guter Verlierer benimmt, fragt einer der ratlos wortreichen Kommentatoren beim US-Nachrichtensender CNN. Eine rhetorische Frage. Donald J. Trump bombardiert stattdessen die für die Wahl zuständigen Landesbehörden mit juristischen Beschwerden und Klagen. "Sie" hätten ihm den Wahlsieg gestohlen, twittert der wütende Mann im Weißen Haus. Aber diese "sie" sind im wahlentscheidenden Pennsylvania zum Beispiel durchweg Parteifreunde des Präsidenten. Dass die Logik nicht aufgeht, scheint Trump nicht zu beirren.

Viele Republikaner wenden sich ab

Befragt, was man davon halte, verweist das Biden-Wahlkampfteam lakonisch auf eine Stellungnahme vom Juli, in der man darauf hinwies, dass die US-Regierung sehr wohl in der Lage sei, Eindringlinge oder Hausbesetzer aus dem Weißen Haus zu eskortieren.

Die Sache ist längst peinlich für die republikanische Partei. Verbarrikadiert sich "Number 45", der 45. Präsident der Vereinigten Staaten jetzt in seinem Amtssitz und weigert sich, dem Votum der Wähler zu weichen? Führende Republikaner reden ihm inzwischen nicht mehr das Wort. Und während Trump die Einstellung der Stimmenzählung fordert, beschwören Parteifreunde die Notwendigkeit alle Stimmen auszuzählen.

Gesichtswahrung per Brandstiftung?

Es scheint, als ob der Amtsinhaber erst aus dem Weißen Haus kommen mag, wenn es eine Möglichkeit gibt für ihn, das Gesicht zu wahren. Es scheint ein schmerzhafter Lernprozess zu sein für den erfolgsverwöhnten Unternehmer. Mehr und mehr jener, die dem Wahlgewinner von 2016 an den Rockzipfeln hingen, verweigern dem Wahlverlierer 2020 die Treue.

Keiner seiner juristischen Versuche hat den zahllosen aufgerufenen Experten zufolge auch nur eine Spur von Erfolgsaussichten. Die möglicherweise fraglichen zu spät eingetroffenen Briefwahlstimmen in Pennsylvania wurden sicherheitshalber erstmal gar nicht ins bisherige Auszählungsergebnis eingerechnet. Da gibt's also nichts zu gewinnen. Und Rechtsexperte nach Rechtsexperte bescheinigt dem amtierenden Präsidenten: Da ist nichts zu holen. Selbst wenn eine seiner Klagen oder eine Nachzählung durchginge – da kämen zu wenige Stimmen bei raus, das würde das Ergebnis nicht ändern.

Trump scheint sein Heil einmal mehr in Verschwörungstheorien und "alternativen Fakten" zu suchen. Scheinbar in der Hoffnung, dass Proteste und Unruhen ihm – zumindest in den Augen seiner Anhänger – einen Abschied als politischer Märtyrer ermöglichen könnten. Das Gewaltpotenzial, dass Trump da beschwört macht vielen Angst, dem Präsidenten offenbar jedoch nicht.

Wie geht’s weiter – ganz einfach!

Der inzwischen durch die ausgezählten Stimmen, also die Fakten, bestätigte Wahlgewinner lässt sich nicht provozieren. Joe Biden hat den Namen seines Vorgängers bislang noch nicht einmal in den Mund genommen. Er versucht vielmehr über den tiefen politischen Graben, der durchs Land geht, zu vermitteln.

Derweil werden die Stimmen weiter ausgezählt in allen Bundesstaaten. Und dann wird es wahrscheinlich auch die eine oder andere Nachzählung geben. Und am 21. Januar 2021 wird Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten eingeschworen. Und es sieht so aus, als würde sich erfüllen, was führende US-Offizielle im Vorfeld der Wahl immer wieder beschworen: Die demokratischen Institutionen funktionieren.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. November 2020 | 18:30 Uhr