Ein iranisches Marineboot spritzt Wasser, um ein Feuer auf einem Öltanker im Meer des Oman zu löschen.
Iranisches Marineboot löscht den brennenden Tanker "Front Altair" im Golf von Oman. Bildrechte: dpa

Golf von Oman USA und Iran werfen sich Angriffe auf Tanker vor

Die USA und Iran werfen sich gegenseitig Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman vor. Großbritanniens Außenminister Hunt beschuldigt die iranischen Revolutionsgarden. Teheran bestellte den britischen Botschafter ein. Die UN und die EU halten sich mit Schuldzuweisungen zurück.

Ein iranisches Marineboot spritzt Wasser, um ein Feuer auf einem Öltanker im Meer des Oman zu löschen.
Iranisches Marineboot löscht den brennenden Tanker "Front Altair" im Golf von Oman. Bildrechte: dpa

Nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tanker vor der Straße von Hormus im Golf von Oman werfen sich die USA und der Iran gegenseitig vor, für die Attacken verantwortlich zu sein. US-Präsident Donald Trump sagte am Freitag (Ortszeit) dem US-Fernsehsender Fox News: "Der Iran hat es getan." Der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan versprach, man wolle bald weitere Belege für diese Einschätzung liefern.

Iran bestellt britischen Botschafter ein

Das vom US Central Command Centcom herausgegebene Video-Standbild zeigt angeblich ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden längsseits am Tanker Kokuka Courageous im Golf von Oman.
Ein vom US-Führungskommando für den Nahen Osten Centcom herausgegebenes Video-Standbild soll zeigen, wie ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden längs zum Tanker "Kokuka Courageous" geht. Bildrechte: dpa

Auch Großbritannien beschuldigte Teheran, für die Angriffe in seinen Hoheitsgewässern verantwortlich gewesen zu sein. Außenminister Jeremy Hunt äußerte den Verdacht, dass die mutmaßlichen Attacken von den iranischen Revolutionsgarden ausgeführt wurden. Beweise legte er allerdings nicht vor.

Der Iran reagierte am Samstag auf Hunts "falsche Erklärungen" und bestellte den britischen Botschafter ins Außenministerium in Teheran ein. Der Europa-Direktor des Ministeriums protestierte in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Irna verbreiteten Erklärung "auf das Schärfste" gegen die "inakzeptablen und anti-iranischen Positionen der britischen Regierung".

Auch Irans Erzfeind Saudi-Arabien sprach von "Terroroperationen". Das radikal-sunnitische Königshaus sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und Rivalen in der Region und verschärft seit Wochen den Ton gegenüber Teheran.

Iran: USA suchen Vorwand

Der Iran wies die Anschuldigungen scharf zurück und sprach von grundlosen Unterstellungen. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warf den USA im Gegenzug vor, die Vorfälle als Vorwand zu nehmen.

Schon zuvor hatte Teheran angedeutet, dass die USA und deren Alliierte selbst für die Angriffe verantwortlich sein könnten, um sie anschließend dem Iran in die Schuhe zu schieben. Das Ziel Washingtons sei es dabei, einen Konflikt zu provozieren und einen Regimewechsel im Iran zu erreichen.

UN und EU halten sich zurück

Mehrere andere Staaten und internationale Organisationen hielten sich mit Schuldzuweisungen ausdrücklich zurück. UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte eine genaue Untersuchung der Vorfälle. Auch die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein EU-Beamter in Brüssel.

Auch der frühere deutsche Botschafter in Washington, Jürgen Chrobog, äußerte Zweifel an den Schuldzuweisungen der USA. Für eine Täterschaft des Iran gebe es keine Beweise, sagte Chrobog dem "Deutschlandfunk". Er halte die Iraner inzwischen "für vernünftiger, für berechenbarer" als die USA, sagte der Ex-Diplomat.

Explosionen auf Tankern

Lagekarte Golf von Oman
In iranischen Hoheitsgewässern im Golf von Oman sollen die mutmaßlichen Angriffe stattgefunden haben. Bildrechte: OpenStreetMap contributors

Bei den beiden Zwischenfällen nahe der Küste des Irans waren am frühen Donnerstagmorgen zwei Öltanker beschädigt worden. Der norwegische Tanker "Front Altair" geriet nach Explosionen in Brand. Seine Reederei schloss am Samstag ein mechanisches oder menschliches Versagen als Explosionsursache aus. Was die Detonation tatsächlich ausgelöst habe, sei nach wie vor unbekannt und werde untersucht.

Auch der japanische Betreiber des anderen beschädigten Schiffes, der "Kokuka Courageous", berichtet von zwei Detonationen. Auch hier blieben die genauen Umstände zunächst unklar. Beide Schiffe nahmen am Samstag Kurs auf Häfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juni 2019 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2019, 22:21 Uhr

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18 Kommentare

17.06.2019 19:20 D.o.M. 18

Sieht aus, als würde mal wieder eine Befreiung bevorstehen. Diesmal in Persien. Ich wüsste gern, wie willkommen dem einfachen persischen Volk eine solche Befreiung wäre.

17.06.2019 19:17 D.o.M. 17

Wer eine zweite Atombombe ohne militärische Not auf Zivilisten abgeworfen hat, wer in Vietnam war und wer den Irak auf Grund einer Falschbehauptung platt gemacht hat, der hat jedwede Glaubwürdigkeit und jedweden Respekt verspielt

17.06.2019 19:02 Peter 16

Einen Militärschlag gegen den Iran dürfte nun unumgänglich sein und der Iran sollte sich gut überlegen, ob er ihn nicht aussitzt, um nicht eine geballte Koalition aus Israel, Saudi-Arabien und USA zu schmieden.
Die Türkei ihrerseits muss sehr gut aufpassen nicht gänzlich zwischen die Stühle zu geraten, denn auch ihre wirtschaftlichen "Experimente“ scheinen in einem Fiasko zu enden. Langfristig könnte dann die Türkei in einem kurdischen Teilstaat zerfallen.

17.06.2019 16:05 Fragender Rentner 15

Wer nicht für uns ist, der ist leider gegen uns.

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17.06.2019 11:08 Peter 14

Den Iranern muss klar werden: Bei einem militärischen Konflikt wird China keinen Finger rühren und ihnen nicht helfen. Russland wird maximal indirekt Waffen liefern, Geheimdienstinfos etc.
Und auch die Schlagkraft Saudi-Arabiens mit europäischen Waffen sollte man im Iran keinesfalls unterschätzen.
Der Iran steht in dieser Sache ganz alleine da.

16.06.2019 23:56 Ekki 13

WIR drücken uns und schicken Aufklärer - sollen die anderen sich die Ölreserven holen.

16.06.2019 20:27 Peter 12

Der Iran kann etwas mit den Muskeln spielen um den USA klar zu machen, was ein Konflikt für den Welthandel bedeuten würde. Das wäre nicht das erste mal, dass der Iran das macht. Solche Aktionen haben allerdings nie zum Frieden in der Region beigetragen. Ausserdem muss es in der Politik nicht immer logisch zugehen, besonders wenn religiöse Fanatiker wie im Iran das Sagen haben.

16.06.2019 12:10 part 11

Cui Bono, wer würde wohl von einem Krieg mit dem Iran und einem höheren Preis für Fackingöl profitieren?

16.06.2019 11:55 Peter 10

Donald Trump wird seine Verbündeten in der Region nicht allein lassen und die Angriffe des Irans unterbinden. Allerdings steigert sich der Iran immer mehr. Erst haben sie nur mit Worten gedroht. Dann haben sie der Hisbollah und der Hamas Waffen geliefert und die Terroristen geschult. Weil nichts passiert ist sind sie nun dazu übergegangen selber anzugreifen. Was kommt als nächstes? Bomben auf Tel Aviv?
Wenn US-President Donald Trump gegen den Iran zuschlägt, sollten man geschlossen hinter ihm stehen.

16.06.2019 10:37 Fragender Rentner 9

Wer sind hier wohl die Guten und wer die Bösen?