Coronavirus Streit mit USA um Coronavirus-Impfstoff

"America first" heißt die Maxime von US-Präsident Trump. Offenbar versucht er, diese auch im Kampf gegen das neuartige Coronavirus umzusetzen und sich die Forschungsergebnisse der Tübinger Firma CureVac zu sichern. US-Botschafter Richard Grenell weist einen entsprechenden Zeitungsbericht zurück. Das Bundesgesundheitsministerium hingegen hatte ihn bestätigt. CureVac lehnt einen Exklusivvertrag mit den USA ab.

Donald Trump (M), Präsident der USA, spricht während einer Pressekonferenz über das Coronavirus im Rosengarten des Weißen Hauses.
Will offenbar auch bei Corona-Pandemie "America first": Donald Trump Bildrechte: dpa

Die USA haben offenbar versucht, sich einen Corona-Impfstoff exklusiv sichern, der derzeit in Deutschland entwickelt wird. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte einen Bericht der "Welt am Sonntag".

Demnach bot US-Präsident Trump einen hohen Betrag, um die Tübinger Firma CureVac und deren Forscher in die USA zu holen. Trump tue alles, um einen Impfstoff für die USA zu bekommen. "Aber eben nur für die USA", hieß es laut dem Zeitungsbericht  in der Bundesregierung.

Unternehmen lehnt Exklusivvertrag ab - erste Tests ab Juni

Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit.
Arbeitet an einem Impfsoff gegen das Coronavirus: CureVac Bildrechte: dpa

Das Unternehmen CureVac lehnt einen Exklusivvertrag mit den USA jedoch ab. Wie der "Mannheimer Morgen" berichtet, sagte der Geschäftsführer des Hauptinvestors, man wolle einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten. Hinter CureVac steht eine Bio-Tech-Holding des SAP-Gründers Hopp. Cure Vac arbeitet gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Am Freitag hatte CureVac-Mitbegründer und Vorstandsmitglied Florian von der Mülbe der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, man habe die Forschungen mit einer Vielzahl möglicher Impfstoffe begonnen und wähle nun die zwei besten aus, um mit ihnen klinische Tests zu starten. Die Firma hofft, bis Juni oder Juli einen experimentellen Impfstoff entwickelt zu haben, um dann grünes Licht der Aufsichtsbehörden für Erprobungen mit Menschen zu bekommen.

Grenell nennt "WamS"-Bericht falsch

US-Botschafter Richard Grenell bezeichnete den Bericht der "Welt am Sonntag" als falsch. Auf Twitter schrieb Grenell, alle hätten sich ohne eigene Quellen auf die Story der Zeitung berufen und würden nun zurückrudern.

CureVac berichtet auf ihrer Internet-Seite, Anfang März habe sich Vorstandschef Daniel Menichella auf Einladung des Weißen Hauses mit Trump, Vizepräsident Mike Pence, Mitgliedern der Coronavirus-Task-Force sowie weiteren hochrangigen Pharma- und Biotechmanagern getroffen. Dabei seien Strategien und Möglichkeiten zur schnellen Entwicklung und Produktion eines Impfstoffes diskutiert worden.

Bundesregierung will Firma in Deutschland halten

Der Krisenstab der Bundesregierung will sich am Montag mit dem Fall befassen. Das teilte Bundesinnenminister Horst Seehofer am Sonntagabend mit. Laut "WamS" versucht die Regierung, die Firma mit finanziellen Angeboten in Deutschland zu halten. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministerium verwies zudem auf das Außenwirtschaftsrecht. Danach hat die Bundesregierung die Möglichkeit, Übernahmen aus Drittstaaten zu prüfen, "wenn es um nationale oder europäische Sicherheitsinteressen geht".

Empörung über "America first" 

SPD-Politiker äußerten sich empört über die US-Pläne. Gesundheitsexperte Lauterbach erklärte, ein exklusiver Verkauf müsse mit allen Mitteln verhindert werden. Die Vizechefin der SPD-Fraktion, Bas, sagte, es wäre ein Skandal, wenn ein Impfstoff nicht allen Menschen zur Verfügung stünde. Bei einer Pandemie gebe es kein "America first".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. März 2020 | 13:30 Uhr