US-Truppen mit gepanzerten Fahrzeugen gehen in Stellung in den Außenbezirken der Stadt Manbij.
US-Truppen mit gepanzerten Fahrzeugen in den Außenbezirken der Stadt Manbij (Archivbild). Bildrechte: dpa

Abzug eingeleitet US-Truppen ziehen aus Syrien ab

Die USA ziehen ihre Truppen aus Syrien ab. Mit dem Abzug wurde bereits begonnen. Der Entscheidung soll ein Gespräch von US-Präsident Trump mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan vorausgegangen sein. Trump erntet für seine Entscheidung Kritik und Lob.

US-Truppen mit gepanzerten Fahrzeugen gehen in Stellung in den Außenbezirken der Stadt Manbij.
US-Truppen mit gepanzerten Fahrzeugen in den Außenbezirken der Stadt Manbij (Archivbild). Bildrechte: dpa

Die USA haben mit dem Abzug ihrer Truppen aus Syrien begonnen. Wie das Weiße Haus am Mittwoch mitteilte, wurde der Abzug der 2.000 Soldaten bereits eingeleitet. "Wir haben damit begonnen, unsere Soldaten nach Hause zu bringen", teilte Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders in Washington mit. Nach Angaben aus Regierungskreisen sind für die Rückführung der US-Truppen aus dem Bürgerkriegsland zwischen 60 und 100 Tage vorgesehen. Es sei ein "vollständiger Rückzug" geplant.

Entscheidung nach Gespräch mit Erdogan

Nach Angaben von Sanders war die Entscheidung bereits am Freitag nach einem Telefongespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan gefallen. Trump twitterte am Mittwoch: "Wir haben den IS in Syrien geschlagen, mein einziger Grund, während der Trump-Präsidentschaft der einzige Grund, in dem Land zu sein." Der US-Präsident hatte bereits im März unerwartet einen baldigen Abzug der US-Truppen aus Syrien in Aussicht gestellt, doch blieb es zunächst nur bei der Ankündigung.

Türkei kündigt Angriffe auf Kurden an

Landkarte mit gekennzeichnetem gebiet der Kurden im Irak, Syrien, Iran und der Türkei.    BITTE Aktualisierung mit Hauptstädten Ankara, Bagdad, Teheran und Damaskus (sofern sie auf den Kartenausschnitt passen, außerdem die Kurden-"Hauptstadt" Erbil und die Öl-Metropole Kirkuk  gruß Andreas Tel 8519
Landkarte mit Siedlungsgebieten der Kurden. Die Kurdenmilizen im Nordosten Syriens beherrschen derzeit ein Gebiet, das größer als ihr eigenes Siedlungsgebiet ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die US-Truppen unterstützten bislang im Nordosten Syriens die von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte SDF, die weite Gebiete des Landes vom IS befreit hatten. Die Türkei betrachtet die YPG allerdings als Feind. Am Dienstag hatte Erdogan erklärt, er habe grünes Licht von Trump für Angriffe auf die kurdischen Kämpfer in den syrischen Gebieten unweit der Grenze zwischen beiden Ländern erhalten.

Kritik aus den eigenen Reihen

Trumps Entscheidung zum Rückzug wurde in der eigenen Partei teils scharf kritisiert. Damit schade man dem eigenen erklärten Ziel, den Einfluss des Iran in Syrien zurückzudrängen, sagte der republikanische Senator Lindsey Graham.

Auch US-Verteidigungsminister Jim Mattis und andere ranghohe Regierungsmitglieder hatten sich für eine längere US-Militärpräsenz in Syrien ausgesprochen. Sie begründeten dies allerdings damit, dass es darum gehe, ein Wiedererstarken des IS zu verhindern. Im Euphrat-Tal an der irakischen Grenze sowie in einigen Gebieten in der Badija-Wüste werden noch mehrere Tausend kampferprobte IS-Mitglieder vermutet.

Großbritannien widerspricht - Russland lobt

International fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Auch Großbritannien widersprach der Einschätzung des US-Präsidenten, nach der der IS besiegt sei. In einer Erklärung des britischen Außenministeriums hieß es, der IS sei nach wie vor und auch ohne Territorium eine Bedrohung. Man dürfe nicht aus dem Blick verlieren, "welche Gefahr er darstellt".

Von Seiten Russlands gab es indes Lob für den Abzug. Medienberichten zufolge sagte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums, es gebe nun eine echte Perspektive für eine politische Einigung. Die amerikanischen Truppen hätten sich ohne eine Aufforderung der syrischen Regierung und ohne UN-Mandat in Syrien aufgehalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Dezember 2018 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 21:10 Uhr

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18 Kommentare

21.12.2018 16:05 Fragender Rentner 18

@Werner zu 17

Was die haben in Syrien Brunnen und Mädchenschulen gebaut und das mit ihren Bombern und Drohnen?

Hieß es nicht die haben gegen den IS gekämpft?

Habe immer gehört, dass sie angeblich die Kurden in Syrien ausgebildet haben und auch sonstige Spezialkräfte im Einsatz hatten für die "guten Kämpfer" gegen Assad.

21.12.2018 07:31 Werner 17

@Fragender Rentner 15: Stimmt, es kam noch was furchtbar Schlimmes für die üblichen Verdächtigen hinterher, dass zich-tausende Brunnenbohrer und Mädchenschulenbauer auch aus Afghanistan abziehen. Auch das Jahr ist noch nicht Zuende. Trump hatte im April bei der UN eine Pressekonferenz abgehalten, die unsere freien und unabhängigen Medien kommentarlos, aber live mit Synchronübersetzung in der Laufzeile übertragen, und tagelang wiederholt hatten. Wenn Trump sich jetzt noch an die dort angekündigten Maßnahmen erinnert, die nach seinen Aussagen seine Vorgänger längst hätten tun müssen, dann gibts nicht nur hohen Blutdruck und aggressiv-hektisches Treiben der üblichen Verdächtigen in den Kommentarbereichen, sowie verzweifelt-traurige Gesichter von Nachrichten-Ablesern, "Experten" und "Reportern", sondern mögliche Herzkasper. Trump ist nach deren Aussagen als größte Gefahr für die menschliche Zivilisation eineindeutig identifiziiert.

20.12.2018 20:08 007 16

Ich glaube jetzt werden die Türken allein gegen die Kurden, Assad u die Russen kämpfen müssen. Sie haben von uns u der Nato freie Hand. Ich hoffe die Bundeswehr hat die Kurden gut ausgebildet u ausgerüstet. Man könnte meinen die Türken u die Deutschen sind toll geworden. Die lassen Erdowaaan seinen Krieg führen u stehen quasi gegeneinander. Ist doch auch egal wenn die Türkei in ein anderes Land einmarschiert. Die sind in der Nato, die dürfen das. Erdowaaan steht seinen Glaubensbrüdern dem IS jedenfalls näher als den verhassten Kurden. Militärische Konflikte zwischen Russland u der Türkei werden nicht lange auf sich warten lassen ...

20.12.2018 16:11 Fragender Rentner 15

@Jakob zu 1

Warte mal ab, der Tag heute ist noch nicht zu Ende.

Da kommt bestimmt bald nooch eine Nachricht auf Twitter.

20.12.2018 16:08 Fragender Rentner 14

Angeblich sollen die letzten US-Truppen in 3 Monaten abziehen?

Na mal sehen ob er worthalten wird ???

20.12.2018 15:01 Herald 13

Was mir bitter aufstößt sind zwei Dinge:

Erstens geht der Krieg gegen die Kurden ohne das US Militär erst richtig los, - und zweitens sind die Menschen nicht wegen des US-Militärs geflohen, sondern wegen der Regierungstruppen, dem IS, anderen Splittergruppen und wegen des russischen Einsatzes.

Wie kann hier die Rede von Rückführung sein? Beziehungsweise einem Ende der Fluchtursachen? Die gibt es auch unter Assad noch zu Hauf.
Und gerade bei einem Abzug wird die Lage noch weitaus mehr eskalieren.

20.12.2018 14:20 WegWeiser 12

@2- Wenn die Türken jetzt auf die Kurden losgehen, gibt es erstmal mehr Flüchtlinge und nicht weniger. Werden die Kurden geschwächt, erstarkt der IS und das Morden geht von vorne los.

20.12.2018 12:32 part 11

Es sollte wohl besser lauten: >>Die USA ziehen sich aus der Schußlinie zurück<<, wo Erdogan nun noch mehr Kriegsverbrechen in Kurdischen Gebieten verüben kann. Wie die geheimen Waffenlieferungen an die eine oder andere Seite weiter laufen vermag indess noch niemand zu sagen.

20.12.2018 11:52 Wachtmeister Dimpfelmoser 10

@ 10:53 | Michael Möller: Hier einigen Kommentatoren vorzuwerfen, sie verstünden nicht, worum es im Syrienkonflikt geht, ist in Teilen nachvollziehbar. Aber der Nahe Osten mit seinen ethnisch-nationalen und religiösen Problemen ist viel zu komplex, um diverse Äußerungen hier als vermeintliches Unverständnis abzutun. Und das Kurdenproblem ist eben zuallererst einmal das des von ihnen angestrebten Separatstaates, was mindestens vier Länder beträfe: Türkei, Syrien, Irak und Libanon - mit der Konsequenz empfindlicher territorialer Einbußen. Spätestens da hört der "Spaß" auf. Was vor 100 Jahren am Reißbrett fabriziert worden ist, wird auch die 10.000fache Militärpräsens der US -Army nicht hinbiegen; schon gar nicht kausal. 1915/16 waren die Kurden übrigens die eifrigsten Vorreiter des Massakers der Türken an den Armeniern. Aber das nur nebenbei.

20.12.2018 10:59 007 9

Ob es bis zum Reichstag in Berlin schon vorgedrungen ist, dass der Krieg in Syrien vorbei ist? Jetzt gilt es Merkel an ihre großen Wahlversprechen zu erinnern, Zitat; "Wenn die Fluchtursachen vorbei sind müssen die Menschen alle wieder gehen." Oder haben sie sich da auch wieder, wie so oft, nur versprochen u gelogen? Der Großmufti von Syrien bittet seine Landsleute inständig darum wieder zurück zu kommen u ihr Land aufzubauen. Es wäre geradezu völkerrechtswidrig die Menschen bei uns nicht dabei zu unterstützen. Weil die Genfer Konvention sagt auch; jeder Flüchtling hat das Recht in sein Heimatland wieder zurück zu kehren. Na dann wacker voran GroKo, den Syrern dabei helfen. Der Flüchtlingsstaats für alle Syrer entfällt mit dem Frieden in ihrem Land hier sowieso. Es sind bereits 750 000 ( in Zahlen, S-i-e-b-e-n-u-n-d-f-ü-n-f-z-i-g-t-a-u-s-e-n-d ) Syrer in ihre Heimat wieder Zurück gekehrt. Wo ist ihr Problem deutsche Politiker? ...