Mitglieder der venezolanischen Nationalgarde blockieren eine Straße an der Grenze zwischen Brasilien und Venezuela.
Soldaten der venezolanischen Nationalgarde blockieren eine Grenzstraße nach Brasilien. Bildrechte: dpa

Machtkampf Nachbarländer appellieren an venezolanische Armee

Der Konflikt um Hilfslieferungen für Venezuela droht zu eskalieren. Oppositionskräfte wollen die Güter aus Nachbarländern abholen, die Regierung Maduro hat mit Soldaten die Grenzen abgeriegelt. Am Freitag gab es Berichte über Todesopfer.

Mitglieder der venezolanischen Nationalgarde blockieren eine Straße an der Grenze zwischen Brasilien und Venezuela.
Soldaten der venezolanischen Nationalgarde blockieren eine Grenzstraße nach Brasilien. Bildrechte: dpa

Mehrere südamerikanische Staaten haben die venezolanische Regierung aufgerufen, humanitäre Hilfslieferungen ins Land zu lassen. Der kolumbianische Präsident Iván Duque appellierte an das Militär im Nachbarland, nicht gewaltsam gegen die Lieferungen vorzugehen.

Der konservative Staatschef richtete sich in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta an die Armee Venezuelas: "Soldaten, stellt euch auf die richtige Seite der Geschichte." Die Hilfsgüter zu blockieren, sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Auch Chiles Präsident Sebastián Piñera rief Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro auf, die humanitäre Hilfe ins Land zu lassen. Brasiliens rechtsgerichteter Präsident Jair Bolsonaro berief wegen des drohenden Grenzkonflikts eine Krisensitzung ein. Venezuelas sozialistischer Präsident Maduro hatte am Donnerstag im Machtkampf mit der Opposition die Grenze abgeriegelt.

Druck auf Maduro wächst

Hilfsgüter aus Chile für Venezuela stehen auf dem Flughafen von Cucuta.
Hilfsgüter aus Chile für Venezuela auf dem Flughafen im kolumbianischen Cúcuta. Bildrechte: dpa

In mehreren Nachbarstaaten Venezuelas stehen Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel aus den USA und weiteren Ländern bereit. Am Samstag will die Opposition um den selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó mit Tausenden Anhängern die Hilfsgüter ins Land holen. Staatschef Maduro lehnt das ab und hat die Streitkräfte angewiesen, die Hilfsgüter nicht passieren zu lassen. Maduro sieht die humanitäre Hilfe als Vorwand für eine militärische Intervention in dem südamerikanischen Land.

Berichte über Opfer an der Grenze

Nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation haben in dem Konflikt um Hilfslieferungen Soldaten der venezolanischen Armee zwei Menschen getötet. Der Gruppe Kapé Kapé zufolge starben bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften eine indigene Frau und ihr Ehemann. 15 andere Mitglieder der indigenen Pemón-Gemeinde seien verletzt worden. Die Menschen hätten versucht, die Truppen vom Blockieren humanitärer Hilfe aus Brasilien abzuhalten.

Auf Twitter sprach Oppositionsführer Guaidó von einem Toten und zwölf Verletzten. "Sie müssen in dieser kritischen Stunde entscheiden, auf welcher Seite sie stehen", schrieb er an die Soldaten. Die Regierung in Caracas nahm zunächst nicht Stellung.

Russland und China stehen zu Maduro

Russland und China warnten vor Hilfslieferungen nach Venezuela gegen den erklärten Willen der Regierung. Dies könne zu Ausschreitungen führen und einen Vorwand für die Entmachtung von Maduro liefern, sagte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums. Ähnlich äußerten sich chinesische Regierungsvertreter.

Die Bevölkerung leidet seit Jahren unter der Mangelwirtschaft in dem wegen seiner Ölvorkommen eigentlich reichen Opec-Land. Millionen Venezolaner sind vor Hunger und Armut ins Ausland geflohen. Der von Maduro entmachtete Parlamentspräsident Guaidó ist inzwischen von den USA und vielen europäischen Staaten, darunter Deutschland, als Übergangspräsident anerkannt. Guaidó und der Westen fordern Neuwahlen, Maduro lehnt das ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Februar 2019 | 15:41 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2019, 12:03 Uhr